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Lohengrin
Romantische Oper in drei Aufzügen
Musik von Richard Wagner

Premiere im Opernhaus Bonn am 25. November 2001

Aufführungsdauer: 4,5 h
Pause nach dem 1. und 2. Aufzug

Logo: Oper Bonn

Oper Bonn
(Homepage)
Viel Klang von der Rückseite der Macht

Von Meike Nordmeyer / Fotos von Thilo Beu



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Aufgereihte Mannen und Frauen, und im Zentrum neben dem Pendel steht Elsa (Eva Johansson).

Ein riesiges Pendel hängt hinab im Zentrum der Bühne, doch schlägt es kaum aus. Abstrakte Raumteile gliedern da den Raum, auf mehreren Achsen drehen sich diese Teile, geben den Blick frei und nehmen ihn auch wieder. Personen tauchen auf den Kreisen aus dem Nirgendwo auf und verschwinden ebenso. Reduzierte Bühnensprache von allem Ausstattungs-Kleinkram befreit - so gibt sich die Bühne des Bonner Lohengrins.
Die Personenführung in diesem interessanten variablen Aufbau ist recht bewegt, zumindest was die Hauptfiguren angeht. Die Männer- und Frauengruppen des Chors treten dennoch in Blöcken und Reihen auf und ab und lehnen sich, wenn sie zu warten haben auf den Lauf der Dinge und den Verkündigungen lauschen, derweil weihevoll auf ihr Schwert. Kniefall und Hand-auf-die-Brust sind passend dazu die häufigen Gesten der Solisten. Ganz so befreit von den überkommenen Üblichkeiten ist die Inszenierung von Philippe Arlaud eben doch nicht. Sie neigt sehr zu der oft bemühten weihevollen Monotonie. Die Lichtregie sorgt dazu für einfach bestimmte Farbigkeit.

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Ortrud (Julia Juon) flüstert Elsa böse Gedanken ein. Da hilft es auch nichts, sich zu ducken.

Eindrucksvoll wandelt sich das Bühnenbild zu Beginn des zweiten Aufzuges. Zu sehen ist der Herrschaftspalast von hinten. Unter den rückwändig abgestützten Bögen stehen Ortrud und Telramund gleichsam im Hinterhof der Macht. Sie schäumen vor Selbstmitleid und Wut über ihre Schmach. An die Rückwand der Macht gelehnt sind sie aber eben noch ganz nahe dran. Ein Leichtes ist es daher für Ortrud, Zugang zu den Gemächern von Elsa zu erlangen.
Die Auseinandersetzung zwischen Telramund und Ortrud bildet die eindrucksvollste Szene der Aufführung durch das herausragende Solistenpaar. Oleg Bryjak als Telramund entwickelt ausgezeichnete Diktion bei vollem Ton. Er weiß seine starke Stimme gut zu führen und das Schwanken von Verzweiflung und Gerissenheit packend hörbar zu machen. Julia Juon verfügt als Ortrud über metallische Stimme mit Strahlkraft und enormer sicherer Höhe. Sie kann beeindruckend facettenreich ihren Part entwickeln und die Bösartigkeit der Ortrud hinausschleudern. Die beiden Sänger bilden in sängerischer Hinsicht das Hauptpaar des Abends. Die Szene, die sie sich da liefern, geht unter die Haut.

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Eine starke Elsa bedrängt den Lohengrin (Alfons Eberz) im Brautgemach.

Zuvor hatte das Sängerensemble noch nicht besonders zu überzeugen gewusst. Hans-Georg Moser erfüllt die Partie des Heinrich passabel aber auch mit Mühe. Eva Johansson als Elsa lässt zunächst noch Unstimmigkeiten hören. Sie blüht im Laufe des Abend aber auf in ihrer Partie. Tritt sie im zweiten Aufzug zu Telramund und Ortrud erklingt sie bereits ganz anders als zu Anfang und beeindruckt mit zarten Tönen. Beim Liebesduett im dritten Aufzug gibt sie eine starke und überzeugende Elsa.
Der Auftritt des Lohengrin gerät dagegen weniger einnehmend. Im weißen Frack und weißen Schuhen tritt Alfons Eberz mit recht unbeholfenen, ja hölzernen Bewegungen auf die Bühne und erinnert in dieser Figur unfreiwillig an die bemühte Festlichkeit einer Fernsehgala. Eberz glänzt mit starkem Metall in der Stimme beim Forte, anspruchsvoll zu führen und zu gestalten vermag er seinen Part leider nicht. Sehr beachtlich erklingt Gerd Grochowski als Heeresführer. Große Leistung erbringen die Damen und Herren des hochengagierten Opernchors.

Die Sänger werden vortrefflich getragen vom Orchester unter der Leitung von Marc Soustrot. Ausgezeichnet zusammen erklingt das Spiel der Instrumentalisten, ein gelungenes Auskosten und Ausspielen der Partitur entwickelt das Dirigat von Soustrot. Bei zügigen Tempi vor allem im dritten Aufzug werden Sentimentalitäten gänzlich vermieden. Das Orchester lässt die Aufführung zu einem glänzenden musikalischen Ereignis werden.


FAZIT
Das eigentliche Paar der Aufführung bilden Ortrud und Telramund, sie liefern packende Auftritte. Zunehmend stimmig erklingt auch Elsa. Sehr gelungen ist der Part des Orchesters, so lohnt sich der Bonner Lohengrin in musikalischer Hinsicht.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Marc Soustrot

Inszenierung und Bühne
Philippe Arlaud

Licht
Philippe Arlaud, Jürgen Zoch

Kostüme
Andrea Uhmann

Choreinstudierung
Sibylle Wagner

Dramaturgie
Tina Rehn


Chor und Extrachor
der Oper der Bundesstadt Bonn
Orchester der
Beethovenhalle Bonn




Solisten

Heinrich, der Vogler
Hans-Georg Moser

Lohengrin
Alfons Eberz

Elsa von Brabant
Eva Johansson

Friedrich von Telramund
Oleg Bryjak

Ortrud
Julia Juon

Heerrufer des Königs
Gerd Grochowski

Vier Brabantische Edle
Erik Biegel, Josef Michael Linnek
Pieris Zarmas, Johannes Flögl

Vier Edelknaben
Brigitte Jung, Inken Lorenzen,
Asta Zubaite, Karin Mauel

Acht Edeldamen
Liesel Abels, Ulrike Maria Gmeiner,
Ute Hallaschka, Jeanette Katzer,
Regina Naczinski, Wieslawa Patt,
Brigitte Rehnert-Schleich,

Tiina-Katriina Sahrio

Herzog Gottfried
Roman Leo

Schwan
Ruben Müller-List






Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Oper der Stadt Bonn
(Homepage)





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