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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Tatort GesellschaftVon Mariko Jacoby / Fotos von Karen Stuke
Wenn der geneigte Opernzuschauer sich ins Opernhaus begibt, um sich an der schönen Musik Verdis zu erfreuen und dazu auch noch eine schöne, ästhetische und leicht verständliche Inszenierung erwartet, dann erfährt er hier leider eine Enttäuschung: Die Handlung ist kaum wiederzuerkennen. Regisseurin Barbara Beyer hat ihre eigene Auslegung der Geschichte in Szene gesetzt.
Das ganze Geschehen spielt in einem vom Rest abgegrenzten, imaginären Wohnzimmer, Sinnbild für die isolierte, vom Volk beäugte High Society. Der Hintergrund stellt die Beschaffenheit ihrer Gesellschaft dar: Sie leben im Packeis, in der totalen Gefühlskälte. Jeder lebt für sich, sie reden und fühlen aneinander vorbei. -Desdemona zieht sich aus, ohne dass Otello Notiz davon nimmt.- Die Handlung nimmt nicht den gewohnten Lauf, das Timing, mit dem Jago seine Intrigen spinnt, fehlt. Wichtige Details, wie Desdemonas Taschentuch, fehlen ebenfalls. Otello ist auch kein Schwarzer, wichtig sind für die Regisseurin nur seine Komplexe. Er hat sich in der Gesellschaft hochgearbeitet, es gibt viele Neider. Er hat Angst, seine Stellung und seine Frau, seine imaginäre große Liebe, zu verlieren. Das macht ihn letztendlich zu einem Ausgestoßenen. Jago ist auch nicht wirklich böse, er scheint eher an der Welt resigniert zu sein. Beim Credo macht er seine innere Zerrissenheit und Verzweiflung deutlich. Er will seine Gesellschaft und auch sich selbst vernichten (mittels Benzinkanister). Desdemona ist ein High-Society-Girl, das darauf getrimmt ist, keine Gefühle zu zeigen. Man kann sie mit Evita aus dem Musical assoziieren, ihre Handlungen deuten auch darauf hin. Sie will vom Volk bejubelt werden, ist selbstbewusst; für die Sängerin war es wohl sehr schwer, Barbara Beyers Vorstellung mit Verdis Charakterisierung von einer naiven, reinen, treuen Ehefrau zu verbinden. Emilia war, wie die Chordamen, eine Putzfrau.
Manchmal geht die Regisseurin aber (zu) weit: Sie lässt Cassio und Jago mit Otello im dritten Akt Mensch-Ärgere-Dich-Nicht spielen, dann muss Otello am Schluss desselben Aktes schwarze Farbe über sich kippen (wohl um darzustellen, dass er einen Schwarzen aus sich macht); er machte sich aber gleichzeitig auch lächerlich. Am irritierendsten ist wohl das Ende: Otello ist nicht in der Lage, Desdemona und sich zu töten, er ist am Ende der Ausgeschlossene. Das Leben der High Society geht weiter, Desdemona, Montano, Emilia, Jago (!) und Rodrigo (!!) trinken Champagner.
Das Stadttheater Bielefeld verfügt über ein sehr gutes Ensemble, gut besetzt bis zu den Nebenrollen : Stefano Algieri stellte den gebrochenen Helden eindrucksvoll dar. Seine große Stimme und sein Durchhaltevermögen überzeugte das Publikum, trotz leichter Intonationsschwierigkeiten. Joo Il Choi war ein hervorragender Jago mit einer runden und vollen Baritonstimme. Er zeigte schauspielerisches Vermögen und differenzierte Tonfärbung. Nicht zu vergessen sind Luca Martin als Cassio, Khatuna Mikaberidze als Emilia und Michael Babajanyan als Lodovico. Unter den erbrachten Leistungen ist besonders Karine Babajanyan hervorzuheben, die mit ihrer schönen Sopranstimme und ihrem technischen Vermögen glänzte, sowohl im dramatischen Finale wie an den lyrischen Stellen. Ihre großen Szenen (Salce / Ave Maria) verfehlten trotz Nagellackieren nicht ihre Wirkung.
Die musikalische Leistung des Orchesters und des Chors war sehr gut, der gesamte Klang war erstaunlich italienisch. Peter Kuhn hatte das Gespür, den Sängern und dem Orchester die Möglichkeit zu geben, eine optimale musikalische Gestaltung zu verwirklichen. |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Chor
Solisten* Besetzung der rezensierten AufführungOtello Stefano Algieri* / Otoniel E.Gonzaga
Desdemona
Emilia
Jago
Cassio
Rodrigo
Lodovico
Montano
Ein Herold
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- Fine -