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Musiktheater
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Così fan tutte

Dramma giocoso in zwei Akten
Libretto von Lorenzo da Ponte
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart



Aufführungsdauer: ca 2h 45' (eine Pause)

Premiere am Theater Bielefeld am 19. Januar 2002
Rezensierte Aufführung am 27. Januar 2002

Logo: Theater Bielefeld

Theater Bielefeld
(Homepage)



Coole Così

Von Mariko Jacoby / Fotos von Karen Stuke


Jeder Opernfreund kennt sie, die Così fan tutte o sia La scuola degli amanti. Jeder Interpret muss also etwas Neues erfinden und gestalten, musikalisch und auch szenisch. In sich durch und durch stimmig glückte die Gestaltung der neuen Bielefelder Così. Das Konzept der Regie und musikalischen Ideen werden konsequent durchgeführt. Erfrischend wirken die klamaukigen Einfälle. Dem Zuschauer wird die Aktualität des Stückes vorgeführt, beispielsweise durch die Fechtszene am Anfang, als die drei Männer beschließen, um die Treue Fiordiligis und Dorabellas zu wetten. Regisseur Gregor Horres lässt am Anfang des zweiten Aktes auch die beiden Frauen fechten, kurz bevor sie sich auf das Flirtspiel einlassen. Oder auch der Eintritt der beiden "Albaner" als schrille Typen mit Wollmützen, vollbepackt mit Koffern, Skiern und Angel.


Szenenfoto Philosophieren während der Fechtstunde: Ferrando, Don Alfonso, Guglielmo (v.l.n.r.)

Den Rahmen für die Handlung bildet ein "Schaukasten", der aus verschiebbaren Wänden besteht. Sie sind mit Bildern von Schäfern mit ihren Geliebten, die alten Kupferstichen nachempfunden sind, bemalt und signalisieren eine "bessere" Zeit oder eine Kulisse einer idyllisch-simplen Rokoko-Oper, im Gegensatz zur Aktualität der Così. Diese Wände werden von Zeit zu Zeit in Teilen hochgeschoben, wodurch Türen entstehen und man Einblick ins "Außerhalb" gewinnt. Von oben schauen die Außenstehenden Don Alfonso und Despina in die Schaubühne, wo die Personen eher als Typen handeln. Sie werden nicht charakterisiert, sondern handeln schablonenhaft und persönlichkeitslos, wodurch sie wie Marionetten auf der Bühne wirken. Gregor Horres stellt dadurch das Lustspielhafte und Schablonenhafte der Handlung in den Vordergrund. Eine Ausnahmerolle spielt die Despina, sie ist nicht wie bei Mozart nur eine Kammerzofe mit recht revolutionären Ideen, sie ist eine Sexbombe, die als Sexualtherapeuthin erscheint, um die beiden "Albaner" vom Gift zu "heilen", statt sich wie üblich als Doktor mit Magnetstein zu verkleiden.


Szenenfoto Noch entsetzt über die beiden "Albaner": Dorabella (links) und Fiordiligi

Solide Leistungen zeigte das Sängerensemble: Melanie Kreuter als kraftvolle Fiordiligi, die auch zu innigen Tönen fähig ist, Mojca Vedernjak als temperamentvolle Dorabella, Victoria Granlund als erfrischend lebendige Despina, Neal Banerjee als Ferrando und Raimund Nolte als gepflegt singender Guglielmo, die in der Rolle der "Albaner" förmlich aufgingen und Hans Griepentrog als junger Alfonso mit schönem Bass und leichten Höhenschwierigkeiten. Alle spielten ihre Rollen mit spürbarem Engagement.
Leider wurde wohl aus Sparsamkeitsgründen der Chor weggelassen, nur beim ersten Auftritt hörte man ihn vom Band. Dadurch ging viel Atmosphäre verloren.


Szenenfoto Despina als Sexualtherapeuthin

Mit differenzierter Klang- und Tempogestaltung unterstützten Peter Kuhn und sein Orchester das Regiekonzept. Während er den übertriebenen Gefühlen im ersten Akt durch sehr schnelle Tempi keinen Raum ließ, war im zweiten Akt die Ernsthaftigkeit der Lage zu spüren. Der gesamte Klang wirkte plastisch, jede Phrase wurde deutlich betont. Mit Präzision und Disziplin hielten er und das Bielefelder Orchester das Publikum in Atem, obgleich auch viel von Gefühlsintensität der Mozartschen Musik verloren ging.


FAZIT

Insgesamt recht interessant durch neue Perspektiven, in der Interpretation modern unterkühlt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Peter Kuhn

Inszenierung
Gregor Horres

Bühne und Kostüme
Kirsten Dephoff

Chor
Angela Sleeman

Dramaturgie
Roland Quitt

Licht
Detlef Pflümecke

Fechtszenen
Benjamin Armbruster


Chor des
Theater Bielefeld

Das Philharmonische Orchester
der Stadt Bielefeld


Solisten

* Besetzung der rezensierten Aufführung

Fiordiligi
Melanie Kreuter

Dorabella
Mojca Vedernjak

Gugielmo
Denis Combe-Chastel /
Raimund Nolte*

Ferrando
Neal Banerjee

Despina
Victoria Granlund

Don Alfonso
Hans Griepentrog


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Bielefeld (Homepage)



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