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Salome
Musikdrama in einem Aufzug
nach Oscar Wildes gleichnamiger
Dichtung in deutscher Übersetzung
von Hedwig Lachmann
Musik von Richard Strauss

In deutscher Sprache mit niederländischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1h 45' (keine Pause)

Premiere der Neueinstudierung
in Het Muziektheater Amsterdam
am 12. Januar 2002
(Premiere am 24. Februar 1988)


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De Nederlandse Opera
(Homepage)
Dekadenz im Glaspalast

Von Thomas Tillmann / Fotos von De Nederlandse Opera



Sie fasziniert immer noch, die inzwischen fast dreizehn Jahre alte Salome-Produktion der Nederlandse Opera. Monique Wagemakers war nicht nur für die geschickte, die Möglichkeiten einer Sängerin nicht überfordernde Choreografie des Schleiertanzes verantwortlich, sondern hat auch die besonders durch die stringente Personenführung bestechende Inszenierung neu einstudiert.

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Salome (Inga Nielsen) schmollt und die Juden (Arnold Bezuyen, Kor-Jan Dusseljee, Brian Galliford, Marten Smeding und Jan Alofs) zetern im glitzernden Glaspalast.

Harry Kupfer hatte eine dekadent-überreizte, nur der eigenen Lust verpflichtete Partygesellschaft auf die Bühne gebracht, für die Liebe und Menschenleben keine Werte mehr sind, die egozentrisch ihrem eigenen Untergang entgegensteuert, allen voran das sich abgrundtief hassende, aber nicht voneinander loskommende Herrscherpaar und die verstörte Prinzessin, die in dem schlichten weißen Nachthemd, das man ihr nach ihrer Erotikvorführung überwirft, fast wie die Insassin der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik wirkt. Nicht recht dazu passen wollte da meiner Meinung nach der platte Realismus während des Schlussgesangs mit dem reichlich vergossenen Theaterblut und der Kopfattrappe. Und auch die historische Verankerung des Stücks, die sich in den Streitigkeiten der Juden oder in den bissigen Kommentaren über die römischen Besatzer äußert, blieb unberücksichtigt. Freilich gibt es auch keine orientalische Terrasse mit gemaltem Mond zu sehen, sondern einen kühl-modernistischen Glaspalast mit Chrombesatz, Neonröhren, klobigen Lederclubsesseln und einer riesigen, hoch aufragenden Treppe - ein beeindruckender Bühnenraum von Wilfried Werz, der auch die edlen, vorwiegend in schwarz gehaltenen Kostüme entworfen hatte.

Und die musikalische Seite? Als Muttersprachler hatte ich wieder einmal die mangelhafte Textverständlichkeit der Mehrheit der Solisten zu beklagen. Ausdrücklich auszunehmen war hier der Amerikaner Chris Merritt, der selbst die Edelsteinaufzählung des Herodes ohne Fehler bewältigte. Natürlich ist die Stimme inzwischen reichlich abgesungen, von einem ausladenden "wobble" durchzogen und ziemlich grell in der Höhe, aber dennoch singt Merritt die Partie seriöser als mancher Fachkollege und stellt den in dieser Inszenierung mit einem sehr gesunden Appetit gesegneten Tetrarchen ohne allzu große Outrage dar.

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Herodes (Chris Merritt) hat Angst, dass Schreckliches geschehen wird, und will seine Stieftochter (Inga Nielsen) von ihrem perversen Plan abbringen.

Klangbeispiel Klangbeispiel: Herodes (Chris Merritt) und Salome (Inga Nielsen) streiten um den Lohn für den Schleiertanz.
(MP3-Datei)


Als dauergrinsende und -trinkende, jähzornig-zynische Herodias kehrte Anja Silja nach Auftritten in den Jahren 1966 bis 1968 nun nach Amsterdam zurück, in einer Rolle also, die sie auch schon in Hamburg, Genua, London und Chicago verkörpert und auch auf CD eingespielt hat. Zweifellos beherrscht sie wie stets die Szene mit der ihr eigenen Intensität, sie weiß sich auch in einem engen Abendkleid zu bewegen, aber vokal habe ich die Künstlerin auch in letzter Zeit in bedeutend besserer Verfassung erlebt: Das Vorführen von inzwischen sehr harschen Registerbrüchen und derbe Keiferei sind mir jedenfalls zu wenig für diese Gesangspartie!

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Herodias (Anja Silja) triumphiert, als sie dem erschöpften Gatten (Chris Merritt) den Todesring vom Finger gezogen hat.

Auch Inga Nielsen hat die Salome inzwischen in der ganzen Welt gesungen; das Problem war wie eh und je die kaum ausgebildete Tiefe ihres sehr hell timbrierten Soprans, was die Dänin zu einem pseudoexpressiven, überpointierten Sprechgesang zwang, der mitunter an die Synchronisation von Comicfiguren erinnerte, pardon. Dabei gelangen ihr die lyrischen Stellen gar nicht schlecht, man hörte auch mitunter das nötige Leuchten in der Höhe, weniger allerdings bei den herausgegellten und dann natürlich die Orchestermassen durchschneidenden Spitzentönen, die gegen Ende einiges an Vorbereitung in Form von unangenehmem Anbohren brauchten und markerschütternden Schreien nicht unähnlich waren - Frau Nielsens Sopran mag lauter geworden sein während der letzten Jahre, dramatischer und gewichtiger ist er nicht geworden, was das Publikum indes ebenso wenig zu stören schien wie die arg manierierte, aufgesetzt-betuliche Kleinmädchenhaftigkeit ihrer Darstellung. Albert Dohmen kümmerte sich wenig um eine deutliche Aussprache, sondern konzentrierte sich in erster Linie auf die Produktion möglichst lauter Töne, während sein Heldenbariton im Piano ziemlich abbröckelte und sich nicht unerhebliche Nebengeräusche einstellten; die hochgelegenen Passagen bewältigte er deutlich müheloser als die tiefen. Dass ich für den Jochanaan eine etwas balsamischere Stimme mit weniger metallischer Grundierung bevorzuge, ist natürlich Geschmackssache.

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Salome (Inga Nielsen) klammert sich an das Objekt ihrer erotischen Obsessionen, den Propheten Jochanaan (Albert Dohmen).

Mehr Probleme hatte ich mit dem Narraboth des Kanadiers Gordon Gietz: Die Höhe seines nur in der Mittellage dunkel und warm getönten Tenors klang an diesem Abend allzu eng und vom Rest der Stimme gleichsam abgetrennt und war teilweise überhaupt nicht zu hören. Annette Seiltgen warf sich bei ihrem Amsterdam-Debüt mit der von anderen etwa an der Deutschen Oper am Rhein interpretierten Hosenrollen bekannten Leidenschaft in die Partie des hier ständig präsenten, katzenhaft herumschleichenden und beobachtenden Pagen, konnte aber dabei nicht verbergen, dass ihrem hohen lyrischen Mezzosopran die Alt-Tessitura einige Mühe machte. Durchaus präzis, aber nicht immer tonschön bewältigte das Judenquintett seine nicht unwichtigen Passagen, auch die Soldaten waren sorgfältig besetzt, während die beiden Nazarener sich nicht wohlfühlten mit der Lage ihrer Partien. Ein Sonderkompliment verdienen die engagierten Statisten, allen voran Gerrit Schumann als fleißig die vom Herrscherpaar durch die Gegend geworfenen Requisiten wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückstellender Mannassah, Henk van Drunick als muskelbepackter, aus mir nicht recht nachvollziehbaren Gründen nackter Henker und die attraktiven Lustknaben Troy Mundy und Erik van Duijvenbode.

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Salome (Inga Nielsen) hat ihren Kopf durchgesetzt und ergötzt sich - beobachtet von ihrer nun nicht mehr wirklich amüsierten Mutter (Anja Silja) - am Haupt des Täufers.

Wesentlich zum Erfolg des Abends trug aber auch das Nederlands Philharmonisch Orkest bei, dessen Mitglieder sich nicht nur zu wunderbaren solistischen Leistungen aufschwangen, sondern dem auch als Ganzes eine sehr farbige, differenzierte Wiedergabe der komplexen Partitur gelang. Chefdirigent Edo de Waart förderte viele Details zu Tage, die sonst im rauschenden Lärm häufig unterzugehen drohen, er kostete die Schönheiten des Werkes mit spürbarem Sinn fürs Kulinarische aus und ließ es als ein einziges Crescendo von der ersten bis zur letzten Note wirken, er wusste die von Strauss vorgesehene Ekstase so zu kontrollieren, dass es die Solisten, die er mit präzisen Einsätzen versorgte, nicht unnötig schwer hatten - und er fing auch mühelos die Eigenwilligkeiten auf, die sich Inga Nielsen besonders im Schlussgesang gestattete.



FAZIT

Dank der guten Regie, der faszinierenden Ausstattung und der hochkarätigen Orchesterleistung und trotz der zwar prominenten, aber dennoch nicht restlos überzeugenden Besetzung ist der Amsterdamer Oper ein weiterer Saisonhöhepunkt zu attestieren.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Edo de Waart

Inszenierung
Harry Kupfer

Einstudierung
Monique Wagemakers
und Harry Kupfer

Choreografie
Monique Wagemakers

Ausstattung
Wilfried Werz



Nederlands
Philharmonisch Orkest


Solisten

Herodes
Chris Merritt

Herodias
Anja Silja

Salome
Inga Nielsen

Jochanaan
Albert Dohmen

Narraboth
Gordon Gietz

Ein Page der Herodias
Annette Seiltgen

Fünf Juden
Arnold Bezuyen
Kor-Jan Dusseljee
Brian Galliford
Marten Smeding
Jan Alofs

Zwei Nazarener
Geert Smits
Roger Smeets

Zwei Soldaten
Friedemann Röhlig
Michael Nelle

Ein Cappadocier
Henk van Heijnsbergen

Ein Sklave
Ruud Kok

4 Hofdiener
Wimper Diepering
Ivo de Jongh
Hans Visser
Jochem Klarenbeek

3 Soldaten
Hans van Rijswijk
Henk Melchers
Dick Addens

3 Römer
Chris Gorter
Willem Gomes
Gerard Tiben

3 orientalische Gäste
Narendra Navarro
Christian Krumm
Erick Tell van Karawell

2 Lustknaben
Troy Mundy
Erik van Duijvenbode

Mannassah
Gerrit Schuurman

4 Hofdienerinnen
Sabine van der Helm
Evelien Emmens
Meneka Senn
Esther Jager

Henker
Henk van Drunick

2 Helfer des Henkers
Walter Altena
Rob van der Veer




Weitere Informationen
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De Nederlandse Opera
(Homepage)



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