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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Applaus für einen bunten Reigen Von Sebastian Hanusa / Fotos von Thomas Maximilian Jauk
Dies wären jedoch die einzigen Punkte, an denen der Doppelcharakter von Prokofjews Oper kurz aufgeleuchteten. Ansonsten wirft dieses merkwürdige Stück Fragen auf, die von der Regie nicht beantwortet werden. Es ist sowohl Tragödie als auch Komödie, beides dann doch nicht - im Prolog streitet das in Charaktere geschiedenen "Publikum" - der in Saarbrücken hervorragend aufgelegte Chor - über die Machart der im folgenden erklingenden Oper. Die "Lächerlichen" greifen ein, wenn es droht tragisch zu werden (der Prinz und die überlebende dritte Orangen- Prinzessin Ninetta dem Tod unentrinnbar ausgeliefert scheinen) diverse Kommentare des "Publikums" durchsetzen die Handlung, die "Bühne" auf der Bühne wird neben Sängern auch von Inspizienten, Bühnenarbeiter und diversem anderem Personal bevölkert, der Text durchsetzt mit Spielkarten-Symbolik: eine Oper über das Theater. Die Sänger spielen hinreißend, spielen Komödie, kosten die Klischees ebenso aus, wie deren ironische Brechung - unterstützt von der Musik Prokofjews. Diese ist eine Bastelei aus den Ausdrucksmitteln der romantischen Oper, ein Tuba-Solo als Leitmotiv der Höllenköchin, schluchzende Geigen und Belcanto im Liebesduett, die Soubrette in dreifacher Ausfertigung (die drei Orangen) - tritt auf und stirbt (Linetta - Nicoletta) oder wird vom Publikum gerettet... Dennoch ist die Musik nicht nur Musik über Musik, jede Geste der Sänger hat ihre Entsprechung, der Ausdruck stimmt, auch wenn wir die Mittel durchschauen, die Instrumentation ist geschmeidig und von hoher Plastizität. Das Orchester wird von Marcus R. Bosch bestens mit den Sängern koordiniert, spielt konzentriert und ist klanglich sehr gut abgestimmt - lediglich in schnellen Tutti-Passagen hätte es genauer sein können, das hohe Blech klang bei allem Prokofjew angemessenen brillanten, schlankem Klang, mitunter eine Spur zu scharf.
Leider ist Prokofjews Oper nicht nur Bühnenposse im Stile des 18. Jahrhunderts, wie uns der bunte Bühnentrubel und die phantastischen Kostüme glauben lassen wollen. Zwar ist die Comedia dell´arte in der literarisierten Form Carlo Gozzis Vorlage der Oper, dies aber, da sie ihrer Anlage nach eine Form selbst-repräsentativen Theaters liefert, eines Theaters, welches sich intensiv mit sich selber beschäftigt und hierüber ihr kritisches Potenzial bezüglich der Wirklichkeit aufbaut. Die Comedia dell´arte bot gerade wegen ihrer Selbstbezüglichkeit, den maskenhaften Charakteren und den formelhaften Handlungsmodellen Raum für kritische und karikierende Bezugnahme auf ihren jeweiligen Kontext, auf aktuelle Gegebenheiten aus der Welt außerhalb des Theaters. Im Jahr 2000 scheint sie nur noch harmlose Scherze zu produzieren, auch in der "aktuellen" Version von 1919, Prokofjews Verarbeitung dieses theatralischen Konzepts verflacht zur Posse. Die saarländische Prominenz im Premierenpublikum hat herzhaft gelacht und es bleibt fraglich, wer gemerkt hat, wie auf der Bühne mögliche Legitimation von Machtausübung, Handlungsablauf und Entgegennahme von Huldigung durch eine gekonnten Inszenierung zum Thema gemacht wird - zu allem Überfluß spielt bei Prokofjew hierbei "das Publikum" die tragende Rolle. In ironischer Weise werden die Mechanismen der Theaterfiktion offengelegt, der deus ex machina im schicksalsentscheidendem Kartenspiel von Magier und Hexe, die Motivation und Funktionsweise dramatischer Konfliktsituationen auf die Bühne - man fühlt sich an jene latenten Tendenzen in der Ära des Fernsehspaß-Kanzlers erinnert, wenn Legitimation für Handlungsweisen mit den Mitteln einer gekonnten In-Szene-Setzung unterstützt werden. Ein schaler Beigeschmack stellt sich ein, wenn der fortschrittlich gestimmte Biedersinn in der Loge Hof hält und gleichzeitig die hochgradig schließungsbedrohte Schauspielabteilung der Hochschule im Foyer protestiert, da das Saarland sich in der größten Not der Sachzwänge keine vierzehn Schauspielstudenten mehr leisten kann...
Zurück auf die Bühne: Besonders Hiroshi Matsui als König Treff, Rupprecht Braun als Truffaldino und Guido Baehr als Pantalone boten eine herausragende Leistung; sie wurden den sängerischen Anforderungen ihrer Partien vollkommen gerecht, sangen mit klarer Diktion, der darstellerische Spagat zwischen Affekt und Ironie gelang ihnen bestens. Auch Algirdas Drevinskas mit einem weichen, lyrischen Tenor und Sabine von Blohn in der relativ kleinen Rolle als Prinzessin Ninetta wären in diese Reihe aufzunehmen. Ana Vasallo in der Rolle der Prinzessin Clarisse ließ bezüglich der Textverständlichkeit, als auch in der Deutlichkeit ihrer Stimmführung einiges an Wünschen offen - auch ihr Intriganten-Partner Gerd Grochowski als Kardinal Leander war ein wenig blaß. Seine Stimme klang relativ matt, ließ die klare Kontur vermissen. Dem gegenüber war das Ensemble in den Nebenrollen bzw. kleineren Hauptrollen treffend besetzt, seien dies die beiden anderen Prinzessinen (Julia Winkler und Hye-Sil Yoon), denen nur eine kleiner Auftritt zwischen "Der Orange entsteigen" und "Verdursten" vergönnt ist, die diabolische "Köchin von Kreonta", Bassist Hans-Joachim Porchner in einer Rockrolle oder das Paar Zauberer Tschelio und Hexe Fata Morgana (Anne Roland und Otto Daubner). Zu erwähnen wäre die schon angesprochene Leistung des Chores unter der Einstudierung von Andrew Ollivant, der musikalisch überzeugend auftrat und zusammen mit den Solisten im angesprochenen Rahmen eine überzeugende szenische Leistung bot.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Regie
Bühnenbild
Kostüme
Choreinstudierung
Dramaturgie
SolistenKönig TreffHiroshi Matsui Der Prinz, sein Sohn Algirdas Drevinskas Prinzessin Clarisse Ana Vasallo Leander Gerd Grochowski Truffaldino Rupprecht Braun Pantalone Guido Baehr
Tschelio
Fata Morgana
Linetta
Nicoletta
Ninetta
Köchin
Smeraldine
Herold
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- Fine -