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Musiktheater
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Giuseppe e Sylvia
Oper in 13 Bildern
Libretto von Hans Neuenfels
Musik von Adriana Hölszky

Uraufführung im Opernhaus Stuttgart
am 17. November 2000
Rezensierte Aufführung: 23. November 2000

Logo: Oper Stuttgart

Staatstheater Stuttgart
(Homepage)

Auf's Glatteis geführt

Von Gordon Kampe


Im November 2000 wurde "Giuseppe e Sylvia" von Adriana Hölszky und Hans Neuenfels – der das Libretto schrieb und auch die Regie führte – in der Stuttgarter Staatsoper uraufgeführt. In der skurilen Handlung trifft die tote Dichterin Sylvia Plath auf den toten Komponisten Giuseppe Verdi. Ein von dem Gedanken, die Toten retten zu müssen, besessener Filmregisseur versucht, Giuseppe und Sylvia in einem Film auferstehen zu lassen. Nach und nach übernehmen aber die Toten die Regie und kommen zu dem Schluß, daß man die Lebenden ruhen lassen müsse...

Musikalisch ist die Oper sehr eng verwandt mit Hölszkys vorigem Werk, dem Musiktheater Die Wände, welches unlängst in Frankfurt zu sehen war. Auch im neuen Werk strömen die fragmentarischen Musikfetzen auf den Zuhörer ein und wirken daher ebenso verunsichernd wie die Handlung. Chor wie Orchester changieren, wie stets in Hölszkys Werken, zwischen Ton und Geräusch. Durch eine Vielzahl von im Raum verteilten Lautsprechern prasselt zerfetztes Material in den Raum, der dadurch fabelhaft mit ein-komponiert wird und zusätzliche Verunsicherung schafft. Die Musik läßt Hölszky offen, sie nimmt einen nicht an die Hand und führt den Hörer durch das Stück. Man wird gefordert, aufgeregt und irritiert. Verdis Musik wird nie wörtlich, was ja nahe läge, zitiert. Trotzdem hat man nicht selten den Eindruck, gerade etwas Bekanntes gehört zu haben – doch da ist es auch schon wieder verschwunden.

Von traditioneller "Oper" läßt Adriana Hölszky nicht viel übrig. Zwar wirken die Gesangspartien durchaus opernhaft gestaltet – im Kontext wirken Koloraturen und gar Melodien aber als fratzenhafte und böse Reminiszenzen. Im Vergleich zu Hölszkys erster Oper "Bremer Freiheit" wirkt die Musik weicher, distanzierter. Doch auch in ihrer neuen Oper, ist der unverwechselbare, schattenhaft sperrige Hölszky-Klang wieder da und der verlangt nach mehr.

Nicht ganz so differenziert schien die Personenregie. Auf der recht sachlichen Bühne hätte etwas intensivere Führung der Sänger, Schauspieler und insbesondere des Chores gut getan. Die verwirrende Musik hätte ähnliche Szenen-Verwirrung nach sich ziehen dürfen.

Hervorzuheben ist das fabelhafte Solisten-Ensemble. Evelyn Herlitzius als Sylvia überzeugte mit brilliant "warm-scharfen" Klang ebenso wie der kräftige Bass des Verdi, der durch Michael Ebbecke verkörpert wurde. Unbedingt zu erwähnen ist der großartige Chor, der die schwierigen hölszkyschen Vokal-Techniken, sehr biegsam und plastisch zeichnete. Ausgewogen und präzise zeigte sich das Staatsorchester Stuttgart unter dem versierten Dirigenten Johannes Kalitzke, der insbesondere die Schärfen der Partitur zu formen verstand.


FAZIT
Wer "Oper" will und Hölszky/Neuenfels bekommt, wird enttäuscht sein. Wer den Mut hat, etwas nicht verstehen zu wollen und wer sich gerne aufs Glatteis führen lässt, dem sei der Besuch von Giuseppe e Sylvia herzlich empfohlen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Johannes Kalitzke

Regie
Hans Neuenfels

Bühnenbild und Kostüme
Reinhard von der Thannen



Staatsorchester Stuttgart
Damen des Staatsopernchores und
Kinderchor der Staatsoper Stuttgart


Solisten

Sylvia
Evelyn Herlitzius

Giuseppe
Michael Ebbecke

Roberto
Rolf Rommei

Theresa
Irmgard Stadler

Regisseur
Matthias Klink


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Staatstheater Stuttgart
(Homepage)




Da capo al Fine

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