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Musik der Opfer und der TäterVon Stefan Schmöe / Fotos von Matthias Stutte
Eine Oper über Auschwitz? Die Unmöglichkeit eines solchen Versuchs war auch Marc Neikrug bewusst, der Through Roses 1979/80 als Auftragswerk der New Yorker "Young Women's Young Men's Hebrew Association" schrieb. "Nicht opernhaft, aber dramatisch" ist das "Theaterstück mit Musik" angelegt, der Gattung nach ein Melodram für Sprecher und Kammermusik-Ensemble. "In der Tradition großer deutscher Komponisten sehe ich die Grundlage allen Geistes und aller höheren Humanität in der Musik. Solche Musik in jenem Lager zu spielen ist ein groteskes Paradox, ein barbarischer Akt angeblich zivilisierter Menschen. Dafür habe ich keine Erklärung aber ich spürte den Drang, diese Vorgänge aufzugreifen." sagt Neikrug über sein Werk.
Through Roses ist der Monolog eines Geigers, der das Konzentrationslager (wo er zum Musizieren gezwungen wurde) überlebt hat. Es ist keine lineare Erzählung, sondern ein zunächst scheinbar zusammenhangloses, sich allmählich verdichtendes Kreisen um Erinnerungsmomente, die sich langsam herauskristallisieren. Der Text ist durchweg gesprochen, aber durchgängig von einem kammermusikalischen Satz unterlegt. Zunächst sucht die Musik nach der Tonalität, umkreist einzelne Töne, findet sich dann zu einer bruchstückhaften, oft heterogenen Fraktur zusammen. Darin eingebunden tauchen mehr oder minder stark verfremdete Zitate von Beethoven, Bach, Wagner und anderen Komponisten auf. Die musikalische Entwicklung entspricht den Erinnerungen des Geigers, aber sie verdoppelt nicht bloß die Gedankengänge, sondern setzt sie fort und ergänzt sie. Die musikalische und die textliche Ebene sind ganz konkret miteinander verschränkt: Das Erinnern des alten Mannes ist ein Erinnern an die Musik, die er in bestimmten Situationen gespielt hat und die sich in den musikalischen Zitaten manifestiert.
Neikrug kommt durch dieses Verfahren an entscheidenden Stellen mit wenigen Worten aus, und das ist die große Stärke des Stückes. In dem Maße, in dem die Musik inhaltlich eine derart wichtige Funktion übernimmt, ist Through Roses aber auch oder gerade ein Stück über Musik, oder präziser: über Rolle und Funktion von Musik. Die Musik ist für den Geiger Lebensinhalt und das einzige, womit er seine traumatischen Erlebnisse verarbeiten kann, aber sie ist auch Auslöser dieser Erfahrungen und Ursache seiner eigenen psychischen Zerstörung. Die Partiten Bachs sind die Musik der Opfer und der Täter gleichzeitig, Begleitung für die Sterbenden und Erbauung für die Mörder. Im Ringen um ihren eigenen ambivalenten Gehalt wird Neikrugs Musik ihrem Thema gerecht. Regisseurin Petra Wüllenweber hat das (mit nur 45 Minuten Länge sehr kurze) Stück angenehm unpathetisch in Szene gesetzt. Eine halbkreisförmige, mit Schuhen übersäte Spielfläche (Bühnenbild: Christoph Hußmann) ist suggestiv genug: Die Schreckensbilder spielen sich in der Erinnerung ab. Auch das unaufdringliche Spiel von Wolfgang Stein passt sich gut ein in dieses Konzept der leisen, nicht der vordergründig lärmenden Töne.
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ProduktionsteamMusikalische LeitungUlrich Wagner
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Flöte/Piccolo
Oboe
Klarinette
Klavier
Schlagzeug
Bühne und Kostüme
Violine
Viola
Violoncello
SolistenDer GeigerWolfgang Stein
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- Fine -