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Through Roses
Ein Schicksal in Auschwitz
Text und Musik von Marc Neikrug

Aufführungsdauer: ca. 45 Minuten

Premiere im Theater Mönchengladbach (Studio) am 14. Dezember 2000

rezensierte Aufführung: Übernahmepremiere in Krefeld (Fabrik Heeder) am 10.März 2001

Homepage der Theater Krefeld Mönchengladbach
(Homepage)

Musik der Opfer und der Täter

Von Stefan Schmöe / Fotos von Matthias Stutte



Eine Oper über Auschwitz? Die Unmöglichkeit eines solchen Versuchs war auch Marc Neikrug bewusst, der Through Roses 1979/80 als Auftragswerk der New Yorker "Young Women's Young Men's Hebrew Association" schrieb. "Nicht opernhaft, aber dramatisch" ist das "Theaterstück mit Musik" angelegt, der Gattung nach ein Melodram für Sprecher und Kammermusik-Ensemble. "In der Tradition großer deutscher Komponisten sehe ich die Grundlage allen Geistes und aller höheren Humanität in der Musik. Solche Musik in jenem Lager zu spielen ist ein groteskes Paradox, ein barbarischer Akt angeblich zivilisierter Menschen. Dafür habe ich keine Erklärung – aber ich spürte den Drang, diese Vorgänge aufzugreifen." sagt Neikrug über sein Werk.

Szenenfoto

Through Roses ist der Monolog eines Geigers, der das Konzentrationslager (wo er zum Musizieren gezwungen wurde) überlebt hat. Es ist keine lineare Erzählung, sondern ein zunächst scheinbar zusammenhangloses, sich allmählich verdichtendes Kreisen um Erinnerungsmomente, die sich langsam herauskristallisieren. Der Text ist durchweg gesprochen, aber durchgängig von einem kammermusikalischen Satz unterlegt. Zunächst sucht die Musik nach der Tonalität, umkreist einzelne Töne, findet sich dann zu einer bruchstückhaften, oft heterogenen Fraktur zusammen. Darin eingebunden tauchen mehr oder minder stark verfremdete Zitate von Beethoven, Bach, Wagner und anderen Komponisten auf. Die musikalische Entwicklung entspricht den Erinnerungen des Geigers, aber sie verdoppelt nicht bloß die Gedankengänge, sondern setzt sie fort und ergänzt sie. Die musikalische und die textliche Ebene sind ganz konkret miteinander verschränkt: Das Erinnern des alten Mannes ist ein Erinnern an die Musik, die er in bestimmten Situationen gespielt hat und die sich in den musikalischen Zitaten manifestiert.

Szenenfoto

Neikrug kommt durch dieses Verfahren an entscheidenden Stellen mit wenigen Worten aus, und das ist die große Stärke des Stückes. In dem Maße, in dem die Musik inhaltlich eine derart wichtige Funktion übernimmt, ist Through Roses aber auch oder gerade ein Stück über Musik, oder präziser: über Rolle und Funktion von Musik. Die Musik ist für den Geiger Lebensinhalt und das einzige, womit er seine traumatischen Erlebnisse verarbeiten kann, aber sie ist auch Auslöser dieser Erfahrungen und Ursache seiner eigenen psychischen Zerstörung. Die Partiten Bachs sind die Musik der Opfer und der Täter gleichzeitig, Begleitung für die Sterbenden und Erbauung für die Mörder. Im Ringen um ihren eigenen ambivalenten Gehalt wird Neikrugs Musik ihrem Thema gerecht.

Regisseurin Petra Wüllenweber hat das (mit nur 45 Minuten Länge sehr kurze) Stück angenehm unpathetisch in Szene gesetzt. Eine halbkreisförmige, mit Schuhen übersäte Spielfläche (Bühnenbild: Christoph Hußmann) ist suggestiv genug: Die Schreckensbilder spielen sich in der Erinnerung ab. Auch das unaufdringliche Spiel von Wolfgang Stein passt sich gut ein in dieses Konzept der leisen, nicht der vordergründig lärmenden Töne.



FAZIT

Mit einfachen Mitteln gelingt eine kurze, aber intensive Aufführung




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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Ulrich Wagner

Inszenierung
Petra Wüllenweber

Bühne und Kostüme
Christoph Hußmann

Flöte/Piccolo
Bettina Landmann

Oboe
Tomislav Novák /
Iris Kienzler-Brückel

Klarinette
Rainer Last

Klavier
Robert Pazur

Schlagzeug
Dominik Lang

Bühne und Kostüme
Christoph Hußmann

Violine
Georgi Tilev /
Anne Monika Sommer

Viola
Georg Haag /
Martin Börner

Violoncello
Werner F. Selge /
Julia Polziehn



Solisten

Der Geiger
Wolfgang Stein


Weitere Informationen
Theater Krefeld Mönchengladbach
(Homepage)




Da capo al Fine

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