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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Die Banalität der BilderVon Stefan Schmöe / Foto von Klaus Lefebvre
Ein Polizist patrouilliert mit Hund an einem Metallcontainer. Wenn dieser geöffnet wird, erkennt man Paletten mit Tomaten im Inneren. Doch dann erscheinen Leute mit Schutzanzügen und ziehen vier Leichen dahinter hervor, scheinbar routinemäßig.
Luigi Nonos Intoleranza 1960 ist ein eminent politisches Stück, dass Gastarbeiterelend und rassistische Diskriminierung anklagt. Regisseur Günter Krämer versucht, den realen Hintergrund der azione scenica - Bergwerksunglück, Algerienkrieg, Überschwemmung der Po-Ebene - in die Gegenwart zu übersetzen, überwiegend durch Abstraktion, teilweise aber auch durch ganz konkrete Bilder wie das oben beschriebene. Ein Projekt, das von gutem Willen nur so strotzt: Ein Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.
Sitzreihen eines Flugzeuginneren werden auf die Bühne gerollt. Alle Passagiere sind verborgen hinter Zeitungen, die Stewardess erteilt geschäftsmäßig lächelnd Getränke. Wenn plötzlich die Zeitungen heruntergenommen werden, erkennt man zwischen zwei adrett gekleideten Herren des Bundesgrenzschutzes einen gefesselten und geknebelten Afrikaner, offenbar erstickt. Trotz der Schrecksekunde ist die Szene, Entschuldigung!, unfreiwillig komisch, denn fatalerweise bedient sich Krämer der Ästhetik der Fernseh-sitcom, die auf vergleichbare Weise mit ihren mageren Pointen überrumpeln will. Und Krämer vergisst auch, dass unsere Sehgewohnheiten von Tagesschau und Tatort geprägt und längst an solche Bilder gewöhnt sind. Der Schockeffekt ist kurz und führt zu einer Banalisierung.
Man kann Intolleranza auch auf einer anderen Ebene deuten, als - bei aller Anklage - positives Stück, das die Bewusstmachung des Begriffes "Freiheit" für den Einzelnen verhandelt. In Nonos Musik ist die Utopie von der Emanzipation des Unterdrückten stark präsent, und das kann man universeller verstehen als "nur" im Kontext von Fremdenfeindlichkeit. Krämer misstraut dieser Utopie. In der stärksten Szene sitzen Melanie Walz und Sidwill Hartman ganz vorne am Bühnenrand und lassen die Beine in den Orchestergraben baumeln, vom restlichen Geschehen durch einen Vorhang getrennt. Ist Verwirklichung von Freiheit nur im Privaten, nicht aber für die Gesellschaft möglich? Was sich hier andeutet, hätte einen spannenden (und angesichts eines in der globalisierten Internet-Welt neu zu definierenden Freiheitsbegriffs brandaktuellen) Ansatz ergeben können.
Krämer zeigt aber lieber stilisierte Schlägertrupps, und mit dem erhobenen Zeigefinger weist er auf rassistische Tendenzen hin: Wo zuerst groß KINDER am Bühnenhintergrund zu lesen ist, da steht kurz darauf nur noch INDER. Auf das intellektuelle Niveau dieses unsäglichen Polit-Kalauers hätte sich Krämer nun wahrlich nicht herabbegeben müssen. So liefert er starke Argumente dafür, Intolleranza lieber konzertant aufzuführen, denn Nonos Musik rüttelt in weit stärkerem Maße auf als die missglückte Bebilderung.
Jeffrey Tate am Pult der Kölner Philharmoniker setzt die Partitur fesselnd um, die Klangbalance zwischen Chor und Orchester stimmt allerdings nicht immer. Mit Melanie Walz und Dalia Schaechter sind die Frauenpartien ganz hervorragend besetzt; die Stimme von Sidwill Hartman dagegen verliert in der Höhe einiges an Klang. Sehr überzeugend singt der von Albert Limbach bestens vorbereitete Chor. So stellt die musikalische Leistung die Inszenierung klar in den Schatten.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Mitarbeit Regie
Bühne und Kostüme
Licht
Chor
Solisten
Der Emigrant
Seine Gefährtin
Eine Frau
Ein Algerier
Ein Gefolterter
Sopran-Solo
Gendarme
Torben Krämer Ralf Giebel Markus Etzbach
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- Fine -