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Musiktheater
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Das Rheingold
Ein Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend
von Richard Wagner
- Vorabend -

Aufführungsdauer: ca. 2h 30' (keine Pause)

Premiere im Opernhaus Köln
am 9. Dezember 2000

Logo: Oper Köln

Bühnen der Stadt Köln
(Homepage)

"Weißt du, wie das wird?"

Von Gerhard Menzel / Fotos von Klaus Lefebvre


Natürlich nicht! Wie die zweite Norn auf diese Frage der ersten Norn im Vorspiel zur Götterdämmerung damit beginnt, die ganze Vorgeschichte des Rings vom Rheingold bis zum Siegfried zu rekapitulieren, können wir erst einmal begutachten, was wir hier im Rheingold zu hören und zu sehen bekamen.

Es beginnt erst einmal überraschend: kaum sind die Lichter im Zuschauerraum verloschen, erklingt aus dem Graben jenes magische, tiefe Es des Rheingold-Vorspiels. Kurz darauf hebt sich der Vorhang und lässt einen Nebelteppich in den Orchestergraben fließen. Damit beginnt auch schon die Geschichte, die uns Robert Carson und Patrick Kinmonth erzählen wollen:


Szenenfoto Foto 1:
Alberich (Harry Peeters) raubt den Rheintöchtern den Ring

Sie beginnen nicht am Anfang, sondern kurz vor dem Ende - sozusagen ein erweitertes Vorspiel zur Götterdämmerung. Es sind schon Jahrtausende vergangen und wir sehen das Hier und Heute. In Leserichtung laufen Menschen über die dunkle, leere Bühne und entledigen sich dabei allerlei Gegenstände, von leeren Zigarettenschachteln über ausgelesene Zeitungen bis hin zu lästigen Kleidungsstücken, wie es unsere Wegwerfgesellschaft eben so praktiziert. Als sich der Nebelteppich am Ende des Vorspiels lichtet, erscheinen drei "nette Schmuddelkinder", die auf einer "feuchten Müllkippe" leben, völlig verdreckt und verkommen.

Auch der herankriechende Alberich lebt in diesen Abfällen. Sein albernes Herumgekrieche erhält erst einen Sinn, als er nach seinem Fluch auf die Liebe den schon fertig geschmiedeten Ring entwendet, diesen an seine Hand steckt und sich ab diesem Moment auf seine zwei Beine erhebt, um es den "nichtswürdigen Menschen" zu zeigen und sie unter sein Joch zu bringen.


Szenenfoto Foto 2:
Fafner (James Moellenhoff) und Fasolt (Tómas Tómasson) verlangen von Wotan, seinen Vertrag einzuhalten und ihnen Freia auszuliefern.

Soweit die wohl zentrale Aussage des Produktionsteams, das hier einen bewusst "grünen Ring" präsentieren möchte, mit Blick auf die ständige Ausbeutung und Misshandlung der Erde und aller Lebewesen, die ökologische Krise und den unaufhaltsamen, gemeinsamen Weg in den Untergang.

Die Ausstattung von Patrick Kinmonth beschränkt sich auf die "normalen Alltagsrequisiten". Neben Arbeitskleidung, Anzügen, Kleidern und Smoking erscheint weder Speer noch Hammer. Ersatz dafür liefern Gehstock und Golfschläger. Ansonsten dominiert der durch hochfahrbare Wände abgeschlossene, hallenartige Raum von Kölns geräumiger Hauptbühne, der mittels weniger Requisiten schnell verwandelt werden kann.


Szenenfoto Foto 3:
Wotan (Alan Titus) denkt überhaupt nicht daran, die von seiner Frau (Doris Soffel) aus der Schusslinie geführte Freia (Petra-Maria Schnitzer) den Riesen zu überlassen, doch sein gewitzter Diener Loge, der ihm eine Lösung des Problems in Aussicht gestellt hatte, lässt auf sich warten.

Klangbeispiel Klangbeispiel: Endlich erteilt Loge (Hubert Delamboye) den Göttern Bericht über seine Erkundigungen
Um das Klangbeispiel hören zu können, müssen Sie den RealPlayer installiert haben.
Diesen gibt es kostenlos bei www.real.com

Dass die Szenenwechsel trotzdem bei geschlossenem Vorhang stattfinden, wird vor allem durch die Hervorhebung der Parallelität der Ereignisse gerechtfertigt: senkt sich der Vorhang am Ende der ersten Szene über Alberich, der in imposanter Pose den geraubten Ring in die Höhe streckt, steht am Beginn der nächsten Szene Wotan an derselben Stelle und in ähnlicher Haltung, begeistert von dem Anblick der in seinem Auftrag fertiggestellten Burg. Wie sich die Bilder gleichen.

Robert Carson erfindet nichts an den Haaren herbeigezogenes hinzu, sondern schärft den Blick für wesentliche Aussagen des Werkes. Vieles hat man zwar schon gesehen, was nun wirklich nicht verwundern kann, aber es fügt sich (fast) alles harmonisch zusammen.


Szenenfoto Foto 4:
Ernüchtert muss Wotan (Alan Titus) erkennen, dass ihm Loge (Hubert Delamboye) nicht unmittelbar aus seinem Dilemma helfen kann.

Auch musikalisch legt sich diese Kölner Produktion ordentlich ins Zeug: mit Jeffrey Tate steht dem Produktionsteam auf der Bühne ein ebenso kompetenter als auch ausstrahlungsfähiger Dirigent vor der Bühne und entfacht im Graben mit dem Gürzenich-Orchester Kölner Philharmoniker über weiteste Strecken einen wahren Klangzauber. Blieb dem Vorspiel auch jener Zauber des noch Unberührten, erst langsam Entstehenden versagt, was allerdings der Inszenierung voll entspricht (das Geschehen setzt eben nicht am Beginn der Schöpfung ein, sondern erst kurz vor dessen Untergang), war das, was Jeffrey Tate im Laufe des Abends aus dem Orchester - trotz kleiner Schönheitsfehler - herausholte, schon sehr bewundernswert. Nie schleppend, immer mit Spannung gestaltete große Bögen und Phrasierungen zeichneten seine immens ausdrucksstarke Interpretation aus.


Szenenfoto Foto 5:
Zufrieden sieht Fricka (Doris Soffel) dem Einzug in das neue Heim entgegen.

Klangbeispiel Klangbeispiel: Wotan (Alan Titus) und seine "feine Gesellschaft" brechen zum neuen Familiensitz auf.
Um das Klangbeispiel hören zu können, müssen Sie den RealPlayer installiert haben.
Diesen gibt es kostenlos bei www.real.com

Von den Solisten, die sich insgesamt als ein homogenes Ensemble präsentierten, wurden vor allem Alan Titus, als imposanter Wotan, Hubert Delamboye, als dessen diplomatisch-listiger Diener Loge und Doris Soffel, als selbstbewusste First Lady Fricka, ausgiebig gefeiert. Mit Petra-Maria Schnitzer war die Freia übrigens erstklassig besetzt. So präsent und eindrucksvoll - auch von der Regie her liebevoll gestaltet - habe ich diese Partie noch nie gehört!


FAZIT
Alles in allem ein mehr als verheißungsvoller Auftakt zu einem neuen Ring-Projekt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Jeffrey Tate

Eine Produktion von
Robert Carson und
Patrick Kinmonth

Regie
Robert Carson

Ausstattung
Patrick Kinmonth

Licht
Manfred Voss

Dramaturgie
Ian Burton



Gürzenich-Orchester
Kölner Philharmoniker

Statisterie der Bühnen
der Stadt Köln,
sowie Strafgefangene der
JVA Euskirchen und
Mitglieder des 1. Kölner
Shanty Chores


Solisten

Wotan
Alan Titus

Donner
Scott Hendricks

Froh
Wolfgang Bünten

Loge
Hubert Delamboye

Alberich
Harry Peeters

Mime
Martin Finke

Fasolt
Tómas Tómasson

Fafner
James Moellenhoff

Fricka
Doris Soffel

Freia
Petra-Maria Schnitzer

Erda
Cornelia Wulkopf

Woglinde
Natalie Karl

Wellgunde
Molly Fillmore

Floßhilde
Laura Nykänen


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Bühnen der Stadt Köln
(Homepage)




Da capo al Fine

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