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"Weißt du, wie das wird?"Von Gerhard Menzel / Fotos von Klaus Lefebvre
Es beginnt erst einmal überraschend: kaum sind die Lichter im Zuschauerraum verloschen, erklingt aus dem Graben jenes magische, tiefe Es des Rheingold-Vorspiels. Kurz darauf hebt sich der Vorhang und lässt einen Nebelteppich in den Orchestergraben fließen. Damit beginnt auch schon die Geschichte, die uns Robert Carson und Patrick Kinmonth erzählen wollen:
Sie beginnen nicht am Anfang, sondern kurz vor dem Ende - sozusagen ein erweitertes Vorspiel zur Götterdämmerung. Es sind schon Jahrtausende vergangen und wir sehen das Hier und Heute. In Leserichtung laufen Menschen über die dunkle, leere Bühne und entledigen sich dabei allerlei Gegenstände, von leeren Zigarettenschachteln über ausgelesene Zeitungen bis hin zu lästigen Kleidungsstücken, wie es unsere Wegwerfgesellschaft eben so praktiziert. Als sich der Nebelteppich am Ende des Vorspiels lichtet, erscheinen drei "nette Schmuddelkinder", die auf einer "feuchten Müllkippe" leben, völlig verdreckt und verkommen. Auch der herankriechende Alberich lebt in diesen Abfällen. Sein albernes Herumgekrieche erhält erst einen Sinn, als er nach seinem Fluch auf die Liebe den schon fertig geschmiedeten Ring entwendet, diesen an seine Hand steckt und sich ab diesem Moment auf seine zwei Beine erhebt, um es den "nichtswürdigen Menschen" zu zeigen und sie unter sein Joch zu bringen.
Soweit die wohl zentrale Aussage des Produktionsteams, das hier einen bewusst "grünen Ring" präsentieren möchte, mit Blick auf die ständige Ausbeutung und Misshandlung der Erde und aller Lebewesen, die ökologische Krise und den unaufhaltsamen, gemeinsamen Weg in den Untergang. Die Ausstattung von Patrick Kinmonth beschränkt sich auf die "normalen Alltagsrequisiten". Neben Arbeitskleidung, Anzügen, Kleidern und Smoking erscheint weder Speer noch Hammer. Ersatz dafür liefern Gehstock und Golfschläger. Ansonsten dominiert der durch hochfahrbare Wände abgeschlossene, hallenartige Raum von Kölns geräumiger Hauptbühne, der mittels weniger Requisiten schnell verwandelt werden kann.
Dass die Szenenwechsel trotzdem bei geschlossenem Vorhang stattfinden, wird vor allem durch die Hervorhebung der Parallelität der Ereignisse gerechtfertigt: senkt sich der Vorhang am Ende der ersten Szene über Alberich, der in imposanter Pose den geraubten Ring in die Höhe streckt, steht am Beginn der nächsten Szene Wotan an derselben Stelle und in ähnlicher Haltung, begeistert von dem Anblick der in seinem Auftrag fertiggestellten Burg. Wie sich die Bilder gleichen. Robert Carson erfindet nichts an den Haaren herbeigezogenes hinzu, sondern schärft den Blick für wesentliche Aussagen des Werkes. Vieles hat man zwar schon gesehen, was nun wirklich nicht verwundern kann, aber es fügt sich (fast) alles harmonisch zusammen.
Auch musikalisch legt sich diese Kölner Produktion ordentlich ins Zeug: mit Jeffrey Tate steht dem Produktionsteam auf der Bühne ein ebenso kompetenter als auch ausstrahlungsfähiger Dirigent vor der Bühne und entfacht im Graben mit dem Gürzenich-Orchester Kölner Philharmoniker über weiteste Strecken einen wahren Klangzauber. Blieb dem Vorspiel auch jener Zauber des noch Unberührten, erst langsam Entstehenden versagt, was allerdings der Inszenierung voll entspricht (das Geschehen setzt eben nicht am Beginn der Schöpfung ein, sondern erst kurz vor dessen Untergang), war das, was Jeffrey Tate im Laufe des Abends aus dem Orchester - trotz kleiner Schönheitsfehler - herausholte, schon sehr bewundernswert. Nie schleppend, immer mit Spannung gestaltete große Bögen und Phrasierungen zeichneten seine immens ausdrucksstarke Interpretation aus.
Von den Solisten, die sich insgesamt als ein homogenes Ensemble präsentierten, wurden vor allem Alan Titus, als imposanter Wotan, Hubert Delamboye, als dessen diplomatisch-listiger Diener Loge und Doris Soffel, als selbstbewusste First Lady Fricka, ausgiebig gefeiert. Mit Petra-Maria Schnitzer war die Freia übrigens erstklassig besetzt. So präsent und eindrucksvoll - auch von der Regie her liebevoll gestaltet - habe ich diese Partie noch nie gehört!
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Eine Produktion von
Regie
Ausstattung
Licht
Dramaturgie
Solisten
Wotan
Donner
Froh
Loge
Alberich
Mime
Fasolt
Fafner
Fricka
Freia
Erda
Woglinde
Wellgunde
Floßhilde
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- Fine -