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Der Kuhhandel


Fahne Operette in zwei Akten
von Kurt Weill
Text von Robert Vambery

Premiere im Theater Hagen
am 19. Mai 2001


Logo: Theater Hagen

Stadttheater Hagen
(Homepage)
Liedblatt-Vergrößerung

Die Kuh tanzt in Hagen

Von Anne-Kathrin Koch / Fotos von Olaf Struck



Mit Fähnchen und Liederblatt ausgestattet betraten wir den reichlich gefüllten Saal und blickten auf ein riesiges Gemälde naiver Malerei, das mit seinen Dschungel-Motiven und den bunten Farben gleich in einen Südsee-Flair einstimmte. Gespannt warteten wir auf die Wiederentdeckung der Weillschen Operette, die erst zum vierten Mal aufgeführt wurde. Das im Offenbach-Stil gehaltene Stück versprach einen humoristischen Umgang mit einem etwas heiklen Thema: Der Militär-Diktatur in Deutschland in der Entwicklung von der Weimarer Republik bis zum 3. Reich. Die Atmosphäre in den beiden Inselstaaten Santa Maria und Ucqua ist vorerst noch entspannt.

Eine Strandidylle, das verliebt-schwülztige Paar - Juan und Juanita - und vor allem der Chor, allesamt im Hawai-Look, lassen keine Hektik aufkommen. Doch durch die Intrigen eines Waffenhändlers, Felipe Chao, entwickelt sich die Harmonie über Unruhen fast bis zum Krieg. Verwickelt in die Sache sind der Präsident von Santa Maria - Mendez - , sein Sekretär Ximinez und der General Garcia Conchas. Alle drei Oberhäupter becircen das Publikum immer wieder mit ihrem Charme, der aus Tollpatschigkeit und Witz resultiert. Jürgen Dittebrand, Werner Hahn und Stefan Adam überzeugen vor allem durch ihre schauspielerischen Fähigkeiten, doch auch in den Stimmen klingt die Ironie des Stückes raus. Im Trio der Staatsmänner fällt die Sprachgewandtheit und die witzige Choreographie auf. Kostüme, Verhalten und Lieder der drei sind dem jeweiligen Charakter angepasst und gut umgesetzt.


Szenenfoto Magdalena Bränland (Juanita Sanchez) und Volker Thies (Juan Santos)

Im Mittelpunkt der Handlung stehen immer wieder Juan und Juanita als Beispiel für normale Bürger. Volker Thies und Magdalena Bränland spielen die verliebten unbescholtenen Inselbewohner perfekt. Ihre Stimmen sind anfangs zu leise, doch später kommen der melodische Tenor und der ausdrucksstarke Sopran zur Geltung. In der einzigen ernsthaften Arie der Operette erklingen die wunderschön strahlenden Höhen der Magdalena Bränland.


Szenenfoto Jürgen Dittebrand (Präsident Mendez) und Werner Hahn (Ximinez)

Im Hintergrund - als ständiger Begleiter - eine Kuh, die an die Werbeschilder Andalusiens erinnert. Nach der Pause tanzte sogar eine Kuh über das Parkett. Denn der Wahlspruch des Generals "Jedem eine Kuh" hallte immer wieder über die Bühne. Auch das verliebte Paar muss um den Besitz einer Kuh kämpfen. Nachdem zwei der milchspendenden Tiere eingezogen wurden, können sie die dritte beim Happy End behalten. Die damit verbundene Hochzeit wurde dementsprechend auch dreimal fast wortwörtlich begonnen. Leider kamen solche Wiederholungen des öfteren im Stück vor. Wenn man die Rede des Präsidenten schon fast mitsprechen kann, ist der witzige Effekt schnell verblasst. Witzige Details wie ein ferngesteuertes Motorboot und diverse Slapstickeffekte lockerten die auf Dauer etwas langweilig werdenden Szenen wieder ein wenig auf.


Szenenfoto Werner Hahn (Ximinez), Jürgen Dittebrand (Präsident Mendez) und Richard van Gemert (Felipe Chao)

Ähnliche Wiederholungen waren auch in der musikalischen Begleitung zu hören. Auch wenn die Südwestfälische Philharmonie Hilchenbach ansonsten mit einer sehr farbenreichen Instrumentation auffiel, in der entsprechend der Handlung der Blechbläser- und Schlagwerkanteil natürlich überwog. Arn Goerke, musikalische Leitung, nahm teil am Geschehen auf der Bühne. Er musste zu Beginn eine Schwimmbadleiter in den Orchestergraben hinabsteigen. Die Märsche dirigierte er rhythmisch präzise. Nur das Zusammenspiel mit dem Chor klappte nicht immer ganz. Wuchtig und laut hielt uns das Orchester aber wach.


Szenenfoto Stefan Adam (General Garcias Conchaz)

Das Publikum war zum Schluss sichtlich erschöpft und eilte schnell zum Ausgang. Trotzdem wurde zwischendurch immer wieder gelacht und geklatscht. Die Mit-Mach-Aktion wurde jedoch gründlich missverstanden: Die Animateure, die im Publikum saßen, wurden scharf zurechtgewiesen, als sie stehend anfingen zu singen. Vielleicht war es eine Überforderung gleichzeitig Fähnchen zu schwingen und zu singen?


FAZIT

Ein ungewöhnliches Theatererlebnis mit neuen Ideen und witzigen Details. In wesentlich gekürzter Fassung wäre das Stück sicherlich amüsanter und kurzweiliger gewesen. Kein Wunder, dass es erst die vierte Aufführung weltweit war!


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Arn Goerke

Inszenierung
Rainer Friedemann

Bühnenbild und Kostüme
Hartmut Krügener

Dramaturgie
Wolfgang Haendeler

Choreinstudierung
Konrad Haenisch



Südwestfälische Philharmonie
Hilchenbach

Opernchor und Extrachor
des Theaters Hagen

Statisterie des Theaters Hagen


Solisten


Juanita Sanchez
Magdalena Bränland

Juan Santos
Volker Thies
Dominik Wortig *

Felipe Chao
Richard van Gemert

Präsident Mendez
Jürgen Dittebrand

Ximinez
Werner Hahn

General Garcias Conchaz
Stefan Adam

Emilio Sanchez
Arnd Gothe

Juans Mutter
Verena Michael

Madame Odette
Edeltraud Kwiatkowski

Gerichtsvollzieher
Boris Leisenheimer

Rektor
Theo Paul

Bürgermeister
Cud Kegel

Bimbi, Sohn des Präsidenten
Annabelle Hahn

Redakteur
Dirk Achille

Minister von Ucqua
Klaus Nowaczyk

* Alternativbesetzung


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Hagen (Homepage)




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