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Arena der menschlichen Schicksale
Von Markus Bruderreck
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Fotos von Rudolf Majer-Finkes
Totales Theater in Gelsenkirchen: Dem Schillertheater, das bald wieder aus seiner missglückten Ehe mit Wuppertal entlassen wird, ist mit der Inszenierung von Claudio Monteverdis Il Ritorno d'Ulisse in Patria ein großer Wurf gelungen. Das Spektakel beginnt schon vor der eigentlichen Vorstellung. John Riley-Schofield als "Menschliche Zerbrechlichkeit" beklagt von einer Harfe begleitet neben einem überdimensionalen Stundenglas sinnend die Hinfälligkeit des Daseins. Als Allegorien von Vergänglichkeit, Schicksal und Amor verkleidete Sänger flanieren durch das Foyer und leiten ein in eine üppige und heitere Inszenierung, in der es viel zu sehen und zu hören gibt.
Foto links:Der von seinen Irrfahrten zurückgekehrte Ulisse (John Riley-Schofield) wird von der als Hirtenjunge verkleideten Göttin Minerva (Claudia Braun) in einen Greis verwandelt..
Regisseurin Gabriele Rech setzt auf barocken Überfluss, aber auch auf die komischen Elemente des Werkes. Das Einheitsbühnenbild von Nicola Reichert, die auch für die fantasievollen Kostüme verantwortlich ist: Ein hölzernes Amphitheater, gleichzeitig die geistig verlängerten Planken von Ulisses Schiff und eine Arena der menschlichen Schicksale. Auf einer erhöhten Etage dieses Welttheaters lenken und beeinflussen Jupiter, Neptun und Minerva ihre Untergebenen, allen voran natürlich Ulisse, der nach zehn Jahren Irrfahrt an den heimatlichen Strand von Ithaka gespült wird. Minerva, die Ulisse aufklärt, wo er sich befindet, verwandelt ihn in einen Greis, damit dieser unerkannt seine Gattin Penelope prüfen kann.
Foto rechts:Von den unbarmherzigen Göttern beobachtet, umgarnen die drei Freier Anfinomo (Angela Froemer), Antinoo (Joachim Gabriel Maaß) und Pisandro (Mark Adler) die trübsinnige Penelope (Anke Sieloff).
Wie steht es um ihre Treue, nach so vielen Jahren? In den allesamt indiskutablen Freiern hat Ulisse keine Konkurrenz. Er wartet beim Schweinehirten Eumete auf seine große Stunde. Zunächst erfährt Ulisses Sohn Telemaco von seiner Rückkehr. Ungläubig verhält sich bis zum Schluss aber Penelope. Auch die berühmte Bogenprobe überzeugt sie nicht. Am Ende sieht das Paar, dass sich auf dem großen runden Bett im Zentrum der Bühne wiederfindet, nicht unbedingt glücklich aus. Ulisse verfällt ins Grübeln: Auch das Eheglück ist vergänglich.
Foto links:Minerva (Claudia Braun) führt Ulisse (John Riley-Schofield) und seinen Sohn Telemaco (Elise Kaufman) zusammen. Die Wiedersehensfreude kennt keine Grenzen.
Gabriele Rech ist zu Monteverdi eine Menge eingefallen. Vieles passiert gleichzeitig auf der Bühne, nicht selten sind dies recht alberne Scherze: Neptun in der Badewanne angelt einen Hummer, den er in einem großen Goldfischglas unterbringt und spielt Schach mit Jupiter, der im roten Ledersessel das Geschehen überblickt. Gesungen wird respektabel: John Riley-Schofield als Ulisse ist stimmlich und schauspielerisch überzeugend, wie meist im Gelsenkirchener Haus. Ihm zur Seite steht neben dem Telemaco von Elise Kaufman vor allem die stimmlich und schauspielerisch eindringliche Penelope Anke Sieloffs. Ein Name, den man sich merken sollte, ist Erin Caves. Er gibt einen glänzend-geschmeidigen Eumete, von ihm möchte man mehr hören. Krzysztof Klorek (Bass) als Nettuno ist so schwarz und düster wie eh und je, aber auch so diffus und kratzig tief wie immer. Ein herrliches schauspielerisches Solo als Vielfraß Iro liefert Florian Simson. Er wird am Ende mit besonders vielen Bravos bedacht.
Foto rechts:Happy end? Gibt es nach 20 Jahren Trennung für Ulisse (John Riley-Schofield) und Penelope (Anke Sieloff) wirklich noch eine gemeinsame Zukunft?
Die musikalische Realisation liegt in den Händen von Samuel Bächli. Er hat selber zur Feder gegriffen und die Monteverdi-Musik bearbeitet. Die 24 Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen, die so konzentriert spielen wie selten, hat Bächli in zwei Ensembles aufgeteilt, eines mit historischen und eines mit heutigen Orchesterinstrumenten bestückt. Dass diese Mischung nicht zum musikalischen Gemischtwarenladen wird sondern zum geschmack- und spannungsvollen Arrangement, dass der Musik Monteverdis behutsam weitere Farben hinzufügt, ist Bächlis musikalischem Gespür zu danken. Sein Ensemble klingt zwar stellenweise wie der Orff-Spielkreis der heimischen Grundschule, es ergibt sich jedoch durchaus ein schlüssiges musikalisches Gesamtbild. Für den Beginn des zweiten Teils hat dazu der Komponist Johannes Harneit ein Stück zeitgenössische Musik geschrieben, das Madrigal "M'illumino d'immenso".
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Dramaturgie
Lichtgestaltung
Einstudierung der Kampfszene
SolistenUlisse / Menschliche Zerbrechlichkeit John Riley-Schofield
Nettuno / Vergänglichkeit
Jupiter / Schicksal
Minerva / Amor
Penelope
Telemaco
Ericléa
Eumete
Iro
Antinoo
Pisandro
Anfinomo
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- Fine -