|
Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
|
|
|
Weisheit contra Liebe
Von Anne-Kathrin Koch
/
Foto von Andrea Kremper
Die Bühne ganz in blau, riesige Bücher als Kulisse und eine sündig-rote Schlange stimmten in einen wunderbaren Abend ein.
Die offensichtliche Symbolik der Farben zog sich wie ein roter Faden durch die Aufführung: Die blauen bzw. roten Bücher
wurden je nach Bedarf - Szene der Weisheit oder der Liebe - in den Vordergrund gezogen. Papageno lief als knallgelber
Kanarienvogel über die Bühne und die Königin der Nacht stand in einem schwarzen Kreis, der durch Lichteffekte einer
Sonnenfinsternis gleicht.
Auch sonst fiel das Bühnenbild durch überraschende Details auf: Die drei Knaben in einem Origami-Schwan und Monostatos
im schwarzen Sado-Maso-Outfit aus Leder.
Bei dieser Art von Gestaltung kann man zwar nicht unbedingt von einer "Neu"-Inszenierung sprechen, so wie die Oper groß
angekündigt worden ist, trotzdem trug sie in jeder Hinsicht zu einer gelungenen Aufführung bei. Der Großteil des Erfolgs ist
sicherlich den Solisten zu verdanken. Diese überzeugten nicht nur mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten, sondern vor allen
Dingen mit herausragenden gesanglichen Qualitäten. Eun-joo Park als Königin der Nacht sang die berühmten hohen Passagen
fehlerfrei, noch strahlender in Tiefe und Höhe war jedoch die Stimme der Sarianna Salminen als Pamina. Wenn Thomas Mehnerts
Stimme in der Rolle des Sarastro erklang, war die Ergriffenheit des Publikums spürbar. Die volle Tiefe des Basses
ging durch die Haut. Ein Lob an alle Solisten für die Textverständlichkeit in allen Szenen.
Das Orchester unter der Leitung von Alexander Rumpf war in jeder Situation perfekt. Es begleitete
präzise, klar und zart und trumpfte in rein instrumentalen Passagen mit einer gewaltigen dynamischen
Spanne auf. Die angenehme und zeitgemäße schwungvolle Interpretation wurde leider oft durch das
übertriebene "rubato" der Sänger gebremst.
Das Publikum war begeistert. Immer wieder wurden gelungene Arien mit heftigem Beifall belohnt. Nachdem Pamina und Tamino
die Bücher der Weisheit auf den Boden schmissen und somit zum Schluss symbolisierten, dass die Liebe trotz aller Weisheit siegt,
gab es tosenden Applaus, stehende Ovationen und Bravo-Rufe. Der Gang zur Garderobe schien jedoch wichtiger zu sein als ein
weiterer Vorhang.
|
ProduktionsteamMusikalische LeitungAlexander Rumpf
Regie
Bühnenbild
Kostüme
Chor
Solisten(Besetzung der rezensierten Aufführung) Sarastro Thomas Mehnert
Tamino
Sprecher
1. Priester
2. Priester
Königin der Nacht
Pamina, ihre Tochter
1. Dame
2. Dame
3. Dame
1. Knabe
2. Knabe
3. Knabe
Ein altes Weib (Papagena)
Papageno
Monostatos, ein Mohr
1. geharnischter Mann
2. geharnischter Mann
1. Sklave
2. Sklave
|
- Fine -