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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Die Witwe als Armutszeugnis
Von Markus Bruderreck
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Fotos von Andrea Kremper
Mit dem Musical Victor/Victoria ist den Verantwortlichen am Theater Dortmund sicher eine herausragende Inszenierung gelungen. Schade, das für die "Lustige Witwe" fast nichts mehr an Elan übrig war. Was man derzeit in Dortmund sehen kann, ist ein Festival der Einfallslosigkeit: Auf Operetten, die so inszeniert sind, kann man getrost verzichten. Nicht, dass hier etwa ein qualitativer Mindeststandard unterschritten wird. Alles ist bester - oder besser gesagt: ödester - Durchschnitt.
Hingerissen von einer so lustigen Dame (wieder Lynda Kemeny) ist allerdings Graf Danilo (hier: Thomas de Vries)
In der Einheitsbühne von Karin Fritz, einem hohen Jahrhundertwende-Raum, der zur pontevedrinischen Botschaft, zur Parklandschaft (rund geschnittene Büsche in den Ecken deuten es an) und zum Salon mit Grisettenbühne wird, entfaltet sich Wolfgang Quetes' extrem witzlose Personenregie. Sie könnte man, wollte man gutmütig sein, als "solide" bezeichnen. Quetes scheint jedoch angetreten zu sein, um zu demonstrieren, wie man alle nur denkbaren Operettenklischees einlöst. Er ist Erfüllungsgehilfe der vielen müden Scherzchen des Textbuchs, die er getreu und absolut ohne die geringste Spur von Interesse für die Charaktere umsetzt. Die Witwe darf sich dekorativ bewundern lassen, mehr als glanzvolle Erbin, vor der die Männer knien, ist sie nicht. Graf Danilo hat ebenfalls keine Konturen, allein Valencienne (Jillian Anderton) und Camille de Rosillon (Jeff Martin) wirken schauspielerisch einigermaßen frisch. Der Regisseur verschenkt alle inszenatorischen Gelegenheiten. Peinlichkeiten wie das Männerballett in "Das Studium der Weiber ist schwer" bleiben dem Zuschauer nicht erspart. Hierfür, wie auch für den Grisettenauftritt und die unsäglich läppischen Tänze des zweiten Aktes, muss allerdings George Giraldo zur Rechenschaft gezogen werden.
Was das Ensembles hier über die lustige Witwe (natürlich auch hier Lynda Kemeny) denkt, wissen wir nicht.
Nur einige Solisten können gesanglich diese heißen Kastanien aus dem Feuer holen. Unter ihnen die Glawari von Barbara Dobrzanska sowie wiederum Jillian Anderton als Valencienne und Jeff Martin als Camille de Rosillon. Sven Ehrke ist als Danilo eine Fehlbesetzung: farblos, ohne schauspielerische Präsenz und stimmlich ohne Kraft muss sich mächtig anstrengen, um angemessen über die Bühne zu kommen. Axel Kober nimmt das Philharmonische Orchester stark zurück, und wenngleich auch hier leider weniger Pep als Durchschnitt ist, bleibt doch die musikalische Leitung Kobers eines der wenigen positiven Aspekte des Abends. Zu solchen Lichtblicken zählen auch die schicken crèmefarbenen Anzüge der Herren sowie die spektakulären Kleider und transparenten Hüte der Damen, die José-Manuel Vazquez entworfen hat.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Regie
Choreografie
Bühne
Kostüme
Chor
SolistenHanna GlawariBarbara Dobrzanska
Graf Danilo
Valencienne
Camille de Rosillon
Baron Mirko Zeta
Vicomte de Cascada
Raoul de St. Brioche
Njegus
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- Fine -