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Die lustige Witwe

Operette von Franz Lehár (Musik)
Textbuch von Victor Léon und Leo Stein

Premiere im Theater Dortmund
am 16. September 2000
Besuchte Vorstellung: 29. September 2000


Logo:  Theater Dortmund

Theater Dortmund
(Homepage)

Die Witwe als Armutszeugnis

Von Markus Bruderreck / Fotos von Andrea Kremper



Szenenfoto Immer lustig: Die Witwe (hier die Premierenbesetzung Lynda Kemeny). Der Rezensent indes amüsiert sich nur in Maßen.

Mit dem Musical Victor/Victoria ist den Verantwortlichen am Theater Dortmund sicher eine herausragende Inszenierung gelungen. Schade, das für die "Lustige Witwe" fast nichts mehr an Elan übrig war. Was man derzeit in Dortmund sehen kann, ist ein Festival der Einfallslosigkeit: Auf Operetten, die so inszeniert sind, kann man getrost verzichten. Nicht, dass hier etwa ein qualitativer Mindeststandard unterschritten wird. Alles ist bester - oder besser gesagt: ödester - Durchschnitt.

Szenenfoto Hingerissen von einer so lustigen Dame (wieder Lynda Kemeny) ist allerdings Graf Danilo (hier: Thomas de Vries)

In der Einheitsbühne von Karin Fritz, einem hohen Jahrhundertwende-Raum, der zur pontevedrinischen Botschaft, zur Parklandschaft (rund geschnittene Büsche in den Ecken deuten es an) und zum Salon mit Grisettenbühne wird, entfaltet sich Wolfgang Quetes' extrem witzlose Personenregie. Sie könnte man, wollte man gutmütig sein, als "solide" bezeichnen. Quetes scheint jedoch angetreten zu sein, um zu demonstrieren, wie man alle nur denkbaren Operettenklischees einlöst. Er ist Erfüllungsgehilfe der vielen müden Scherzchen des Textbuchs, die er getreu und absolut ohne die geringste Spur von Interesse für die Charaktere umsetzt. Die Witwe darf sich dekorativ bewundern lassen, mehr als glanzvolle Erbin, vor der die Männer knien, ist sie nicht. Graf Danilo hat ebenfalls keine Konturen, allein Valencienne (Jillian Anderton) und Camille de Rosillon (Jeff Martin) wirken schauspielerisch einigermaßen frisch. Der Regisseur verschenkt alle inszenatorischen Gelegenheiten. Peinlichkeiten wie das Männerballett in "Das Studium der Weiber ist schwer" bleiben dem Zuschauer nicht erspart. Hierfür, wie auch für den Grisettenauftritt und die unsäglich läppischen Tänze des zweiten Aktes, muss allerdings George Giraldo zur Rechenschaft gezogen werden.

Szenenfoto Was das Ensembles hier über die lustige Witwe (natürlich auch hier Lynda Kemeny) denkt, wissen wir nicht.

Nur einige Solisten können gesanglich diese heißen Kastanien aus dem Feuer holen. Unter ihnen die Glawari von Barbara Dobrzanska sowie wiederum Jillian Anderton als Valencienne und Jeff Martin als Camille de Rosillon. Sven Ehrke ist als Danilo eine Fehlbesetzung: farblos, ohne schauspielerische Präsenz und stimmlich ohne Kraft muss sich mächtig anstrengen, um angemessen über die Bühne zu kommen. Axel Kober nimmt das Philharmonische Orchester stark zurück, und wenngleich auch hier leider weniger Pep als Durchschnitt ist, bleibt doch die musikalische Leitung Kobers eines der wenigen positiven Aspekte des Abends. Zu solchen Lichtblicken zählen auch die schicken crèmefarbenen Anzüge der Herren sowie die spektakulären Kleider und transparenten Hüte der Damen, die José-Manuel Vazquez entworfen hat.

Szenenfoto Diese Herren jedenfalls scheinen sich auch an freizügigen Aufnahmen unverheirateter Damen zu erfreuen.







FAZIT

Mit seiner "Lustigen Witwe" versteht es Quetes, jegliches Interesse an diesem Stück zu ersticken. Als einer der Totengräber des abgestorbenen Genres wirft er der schönen Leiche noch eine Schaufel mehr ins Grab. Es gibt wirklich keinen Grund, warum man hier nekrophil werden sollte.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Axel Kober

Regie
Wolfgang Quetes

Choreografie
George Giraldo

Bühne
Karin Fritz

Kostüme
José-Manuel Vazquez

Chor
Granville Walker



Das Philharmonische
Orchester Dortmund

Chor des Theater Dortmund


Solisten

Hanna Glawari
Barbara Dobrzanska

Graf Danilo
Sven Ehrke

Valencienne
Jillian Anderton

Camille de Rosillon
Jeff Martin

Baron Mirko Zeta
Andreas Becker

Vicomte de Cascada
Bernhard Modes

Raoul de St. Brioche
Michael-Silvan Scheel

Njegus
Uwe Falkenbach


Weitere Informationen
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