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Ariadne auf Naxos
Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel
Dichtung von Hugo von Hofmannsthal
Musik von Richard Strauss

Premiere in Dortmund am 13.1.2001



Logo:  Theater Dortmund

Theater Dortmund
(Homepage)

Vier Köche verderben das Leid


Von Meike Nordmeyer / Fotos von Andrea Kemper



Sowas kann vorkommen: Eine komödiantische Schauspieltruppe stört die Aufführung einer ernsten Heldenoper. Dies wiederum als Opernstoff zu entfalten, das ist die große Besonderheit der Ariadne auf Naxos von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss.

Regisseur Ralf Nürnberger gestaltet aus der grotesken, heterogenen Situation ein frisches, bewegtes Spiel und kann dabei auf ein glänzendes Ensemble zurückgreifen. Das zeigt sich schon im anspruchsvollen Vorspiel, das im Konversationsstil wie im Rosenkavalier gehalten ist und damit einen schönen Kontrast zum zweiten Teil, zur Opernaufführung bildet.

Foto: Dortmund: Ariadne auf Naxos Gundula Schneider als Komponist
und Eun-Joo Park als Zerbinetta.

Gezeigt wird ein moderner Raum vom kalten Charme einer Fabrikhalle, die Funktion einer Großküche andeutend. So treten die vier Gesellen aus Zerbinettas Truppe auch als Köche verkleidet auf und machen dabei eine gelungen lustige Figur. Frisch und heiter wird im Küchenraum gespielt und beste Sangeskunst bewiesen. Die Sänger meistern bravourös ihre Partien, herausragend erklingt Gundula Schneider als junger Komponist. Ein Höhepunkt bildet dann das Duett des Komponisten mit Zerbinetta, gesungen von Eun-Joo Park. Das Orchester begleitet aufmerksam die Sänger und lässt Gesang und Orchesterklang aufblühen. Ein grandioser Auftakt des Spiels.

Der zweite Teil findet in einem sachlich ausgestatteten Gesellschaftsraum im Hause des Grafen statt. Die Ausstattung ist schon nicht mehr ganz zeitgemäß, so wohl auch die Liebe des Grafen zur barocken Ausstattung, der er selber in Verkleidung seines Haushofmeisters huldigt und damit in dieser Inszenierung selbst in Erscheinung tritt. Auch später wird er am Rande des Spiels amüsiert beobachtend zu sehen sein.

Foto: Dortmund: Ariadne auf Naxos Uwe Eikötter als Tanzmeister, Eun-Joo Park als Zerbinetta,
Sharon Markovich als Ariadne und Thomas de Vries als Harlekin.

Die Opernaufführung beginnt, Sharon Markovich bietet eine große Ariadne, ganz die Diva, mit enormer Bühnenpräsenz und funkelnden verachtenden Blicken für die Schauspieltruppe. Ihre Partie gestaltet sie mit vollen, warmen Tönen und reichhaltiger Gestaltungskraft. Dennoch kann eine Überdeckung der Stimme durch das Orchester nicht ganz vermieden werden. Anders als im ersten Teil ist hier der Zusammenklang von Sängern und Orchester nicht immer ausgewogen, vor allem in den Ensemblestellen ist das hörbar. Das kann aber sicher noch austariert werden. Denn das Orchester erklingt unter der Leitung von Anton Marik sonst bestens, es lässt die ganze Farbenpracht der Partitur entfalten. Bruchlos, sehr geschmeidig sind die Übergänge von pathetischen zu den buffonesken Klängen gemacht.

Foto: Dortmund: Ariadne auf Naxos Eun-Joo Park als Zerbinetta
und Thomas de Vries als Harlekin.

Als Star des Abends erweist sich im zweiten Teil Eun-Joo Park als Zerbinetta. Sie bildet ohnehin mühelos den strahlenden Mittelpunkt auf der Bühne, tänzelnd und lächelnd. Ihre ausufernde Koloraturarie meistert sie schließlich brillant mit perlendem Klang selbst bei Spitzentönen. Wolfgang Millgramm als Bacchus führt, obwohl als erkältet angekündigt, seine Partie sehr beachtlich aus mit nur kleinen hörbaren Einschränkungen in der hohen Lage. Wohltönend erklingen auch die Nymphen, sowie das Männerquartett.

Klangbeispiel Klangbeispiel: Eun-Joo Park als Zerbinetta
Um das Klangbeispiel hören zu können,
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Diesen gibt es kostenlos bei www.real.com

Das störende Spiel der vier Köche und der Zerbinetta zum Auftritt der leidenden Ariadne ist sehr amüsant gemacht. Die Kochmützen, die wiederholt aus dem Schrank stolpern, geben dem Ganzen eine schönen absurden Touch. Schade nur, dass dies schließlich nachlässt, die Begegnungsszene von Bacchus und Ariadne wird schließlich recht statisch und in seiner Ernsthaftigkeit ungebrochen gebracht.

Doch originell gelingt wieder der Schluss: der Baldachin, der Bacchus und Ariadne zusteht, wird mittels eines Tischtuchs von den Köchen gespannt. Das Tuch senkt sich schließlich auf die Gottheiten nieder und wird so zum Leichentuch. Die alte, heroische Form der Liebe ist nun begraben. Ein Koch zückt in Ehrfurcht seine Mütze, während sich die Übrigen, die Nymphen und die Köche, der leichten Gelegenheitsliebe hingeben - die Komödie erweist sich als das Lebbarere.


FAZIT
In glänzender musikalischer Ausführung und amüsanter, teils sehr origineller Inszenierung sollte man sich die Ariadne in Dortmund nicht entgehen lassen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Anton Marik

Regie
Ralf Nürnberger

Bühnenbild
Renato Uz

Kostüme
José Manuel Vazquez

Licht
Georg Schuster



Das Philharmonische
Orchester Dortmund
Pianist: Ralf Lange



Solisten

Primadonna (Ariadne)
Sharon Markovich

Der Tenor (Bacchus)
Wolfgang Millgramm

Ein Musiklehrer
Andreas Becker

Der Komponist
Gundula Schneider

Zerbinetta
Eun-Joo Park

Najade
Sabine Schneider

Dryade
Susan Benkin

Echo
Jillian Anderton

Harlekin
Thomas de Vries

Scaramuccio
Matthias Widmaier

Truffaldin
Thomas Mehnert

Brighella
Alois Riedel

Der Haushofmeister
Hannes Brock

Ein Tanzmeister
Uwe Eikötter

Ein Lakai
Bernhard Modes

Ein Offizier
Henry-Ryall Lankester

Ein Perückenmacher
Thomas Günzler







Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Dortmund
(Homepage)




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