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Les Misérables
Ein Musical von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg

Musik von Claude-Michel Schönberg
Gesangstexte von Herbert Kretzmer
Deutsche Übersetzung von Heinz Rudolf Kunze

Premiere im Opernhaus Bonn am 8. April 2001

Homepage der Oper der Stadt Bonn
(Homepage)




Die Oper Bonn wagt sich an ein richtig kommerzielles Musical:

Hohe Professionalitšt im fremden Metier

Von Ruth Schmüdderich / Fotos von Thilo Beu



"Les Misérables" mit den Mitteln eines Repertoiretheaters zu inszenieren ist nahezu unvorstellbar - doch John Drew ist es gelungen und zwar glänzend. Alleine die ständigen Szenenwechsel ohne Drehbühne und auf einer vergleichsweise kleinen Bühne umzusetzen, das ist eine Meisterleistung. Dabei liefert oftmals lediglich ein Prospekt mit einer stilisierten oder symbolischen Darstellung den Schauplatz für eine Szene. Und nur diese Bilder sind so abwechslungs- wie einfallsreich, dass sich das Auge daran weiden kann. Mit einem Hintergrund und wenigen geschickt gewählten Requisiten wird nicht nur eine Kulisse geschaffen, sondern auch Stimmungen, die die Zuschauer in ihren Bann ziehen. Wozu der gekonnte Einsatz des Lichtes noch einiges beiträgt. Dabei kommt auch die Beleuchtung mit einfachen Mitteln wie Spotlights oder Schwarzlicht aus. Einzig die Kostüme sind so üppig wie man sie von kommerziellen Produktionen kennt.

Szenenfoto

Mit diesen kann sich die Bonner Inszenierung auch in Bezug auf die Auswahl der Darsteller messen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass viele Akteure entweder schon einmal bei einer der bekannten "Les Misérables"-Produktionen mitgewirkt haben, oder zumindest an einer der größeren Musical-Produktionen beteiligt waren. So wird hier der Fehler vermieden, der häufig begangen wird, nämlich Musicalrollen mit Operndarstellern zu besetzten, die für andere Anforderungen ausgebildet sind und eine andere Gesangstechnik haben.
In Bonn ist man so weise, für das 32köpfigen Ensemble nur drei Sänger aus dem Opernensemble zu übernehmen. Zudem sind die Darsteller entweder deutschsprachig, oder sie sprechen akzentfrei Deutsch, was sehr zur Textverständlichkeit beiträgt. Mit Sprachproblemen haben in Deutschland selbst ganz große Produktionen zu kämpfen.

Szenenfoto

Wie bei den Darstellern ist auch bei der Auswahl des musikalischen Leiters Klaus Wilhelm, der seit 1994 ununterbrochen bei Stella tätig war, großer Wert auf Professionalität gelegt worden. Wie er Mitglieder des Beethoven-Orchesters zu einem erstklassigen Musicalorchester geformt hat, ist erstaunlich. Dabei wird das Beethoven-Orchester von hervorragenden Musikern wie beispielsweise dem Gitarristen Werner Hucks und Christian Kiefer unterstützt.
Daher ist es besonders schade, dass die einzige wirkliche Schwäche bei dieser Premiere der Ton war. Häufig wurden die Stimmen von der Musik übertönt. Da wie bei Musicals üblich mit Mikrophonen gesungen wurde, ist dies ein rein technisches Problem, ebenso wie die oftmals schlechte Ausbalancierung.

Mit diesem Problem hatte die Darstellerin der kleinen Cosette (die junge Joanna Nora Lissai) am wenigsten zu kämpfen, denn sie sang so sicher mit ihrer schönen, klaren Kinderstimme, dass sie noch auf dem obersten Rang deutlich zu verstehen war. Das brachte der jungen Sängerin Szenenapplaus und am Ende Beifallsstürme ein. Nicht weniger bejubelt wurde Vera Bolten wegen ihrer stimmgewaltigen Darstellung der Éponine.

Szenenfoto

Genau so wie Hardy Rudholz, der die Figur des Jean Valjean ergreifend spielte, wobei er schon wegen seiner großen Statur die Rolle perfekt ausfüllt, ganz abgesehen von seiner schönen kraftvollen Stimme. Einzig Jesse Webb als Gavert konnte stimmlich nicht so ganz überzeugen, was an Schwierigkeiten mit der deutschen Aussprache lag. Dagegen blieb die Darstellung der Figur der erwachsenen Cosette (verkörpert durch Leah delos Santos) farblos.
Ansonsten waren selbst kleinere Rollen gut besetzt, was sich gerade bei den Ensemble-Auftritten der Studenten bemerkbar machte, denn sie klangen zusammen sehr sonor und sauber.

Szenenfoto

Insgesamt ist die Inszenierung ohne jede Schwäche. Mit dem geschickten Einsatz einfacher Mittel wird hier eine überzeugende Wirkung erzielt, so beispielsweise wenn ein großer, dünner Stoff in Wellenbewegung gebracht wird und einen Fluss darstellt, in dessen Fluten sich ein Selbstmörder stürzt und tatsächlich darin versinkt. (Jetzt wird sich der bekannte Schottische Produzent vieler Musicals Cameron Machintosch fragen, warum er bis jetzt abertausende Pfund in die Produktion seiner Stücke gesteckt hat !)

Szenenfoto

In dieser Inszenierung hat John Dew auch nicht den Versuch unternommen, das Stück zu modernisieren oder ironisieren, was bei diesem Genere häufig fehl schlägt. Er nimmt die Vorlage ernst und schafft es auf diese Weise, sentimentale Stellen so darzustellen, dass sie berühren und nicht in seichten Kitsch abgleiten. Eine weitere Gratwanderung gelingt ihm bei der Darstellung des grotesken Humors des Paars Thénardier. Wie Karikaturen tauchen diese beiden immer wieder auf der Bühne auf, aber so, dass die Szene nicht in unerträgliche Klamotte abgleitet.

Bei so einer glänzenden Inszenierung wie dieser können die Möglichkeiten entdeckt werden, die im Musical stecken, und es ist wirklich eine Schande, dass gerade moderne Musicals nicht inszeniert werden (dürfen!), sondern die Inszenierungen der Originalproduktionen festgeschrieben werden. Dabei kann sich diese Aufführung wirklich mit der Originalproduktion in London messen.Das belohnte das Publikum dann auch stehend mit frenetischem Beifall.



FAZIT
Die Bonner Oper ist eine neue Kultstätte für Musical-Fans geworden - aber auch der interessierte Laie sollte diese Inszenierung nicht verpassen ! ( VORSICHT: Akute Suchtgefahr !)


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Klaus Wilhelm

Inszenierung
John Dew

Bühne
Thomas Gruber

Kostüme
José-Manuel Vázquez

Licht
Matthias Vogel


Mitglieder des Orchesters
der Beethovenhalle Bonn



Solisten

Jean Valjean
Hardy Rudholz

Javert
Jesse Webb

Fantine
Susanna Panzner

Monsieur Thenardier
Tom Zander

Madame Thenardier
Heike Schmitz

Cosette
Leah delos Santos

Eponine
Vera Bolten

Marius
Axel Mendrok

Enjolras
Jens Janke

Gavroche
Kilian Friedrich

Klein-Cosette
Joanna Nora Lissai

Klein-Eponine
Janina Catharina Gasteier

Grantaire, Bamatabois
Ralf Meyring

Combeferre, Vorarbeiter
Steffen Friedrich

Feully
Thomas Christ

Courfeyrac, Bauer
Pierre Yves Duchesne

Lesgles, Bischof
Marc Morouse

Prouvaire, Wirt
Axell Becker

Joly
Chrstian Petru

Montparnasse, Knecht
Wolfgang Sailer

Claquesous, Zuhälter
Oliver Knecht

Brujon, Armeeoffizier
Daniel Coninx

Babet, M. Fauchelevent
Roy Kullik

1. Arbeiterin, 1. Hure
Charlotte Heinke

2. Arbeiterin, Haar-Käuferin
Karin Germann

3. Arbeiterin, 3. Hure
Bettine Meske

4. Fabrikarbeiterin, Nonne
Annabelle Redman

5, Arbeiterin, Diener Thenardier
Jasmin Madwar

Fabrikmädchen, Junge Prostituierte
Fransziska Forster

Junge Hure
Agnes Hilbert

Wirtin, Alte Bettlerin
Fawn Arnold

Schmuck-Käuferin
Amanda Whitford

2. Hure
Michaela Kollar

Arbeiterin
Claudia Wendrinsky


Weitere Informationen
Oper der Stadt Bonn (Homepage)



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