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Die Oper Bonn wagt sich an ein richtig kommerzielles Musical:Hohe Professionalität im fremden MetierVon Ruth Schmüdderich / Fotos von Thilo Beu
Mit diesen kann sich die Bonner Inszenierung auch in Bezug auf die Auswahl der Darsteller messen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass viele Akteure entweder schon einmal bei einer der bekannten "Les Misérables"-Produktionen mitgewirkt haben, oder zumindest an einer der größeren Musical-Produktionen beteiligt waren. So wird hier der Fehler vermieden, der häufig begangen wird, nämlich Musicalrollen mit Operndarstellern zu besetzten, die für andere Anforderungen ausgebildet sind und eine andere Gesangstechnik haben.
Wie bei den Darstellern ist auch bei der Auswahl des musikalischen Leiters Klaus Wilhelm, der seit 1994 ununterbrochen bei Stella tätig war, großer Wert auf Professionalität gelegt worden. Wie er Mitglieder des Beethoven-Orchesters zu einem erstklassigen Musicalorchester geformt hat, ist erstaunlich. Dabei wird das Beethoven-Orchester von hervorragenden Musikern wie beispielsweise dem Gitarristen Werner Hucks und Christian Kiefer unterstützt. Mit diesem Problem hatte die Darstellerin der kleinen Cosette (die junge Joanna Nora Lissai) am wenigsten zu kämpfen, denn sie sang so sicher mit ihrer schönen, klaren Kinderstimme, dass sie noch auf dem obersten Rang deutlich zu verstehen war. Das brachte der jungen Sängerin Szenenapplaus und am Ende Beifallsstürme ein. Nicht weniger bejubelt wurde Vera Bolten wegen ihrer stimmgewaltigen Darstellung der Éponine.
Genau so wie Hardy Rudholz, der die Figur des Jean Valjean ergreifend spielte, wobei er schon wegen seiner großen Statur die Rolle perfekt ausfüllt, ganz abgesehen von seiner schönen kraftvollen Stimme. Einzig Jesse Webb als Gavert konnte stimmlich nicht so ganz überzeugen, was an Schwierigkeiten mit der deutschen Aussprache lag. Dagegen blieb die Darstellung der Figur der erwachsenen Cosette (verkörpert durch Leah delos Santos) farblos.
Insgesamt ist die Inszenierung ohne jede Schwäche. Mit dem geschickten Einsatz einfacher Mittel wird hier eine überzeugende Wirkung erzielt, so beispielsweise wenn ein großer, dünner Stoff in Wellenbewegung gebracht wird und einen Fluss darstellt, in dessen Fluten sich ein Selbstmörder stürzt und tatsächlich darin versinkt. (Jetzt wird sich der bekannte Schottische Produzent vieler Musicals Cameron Machintosch fragen, warum er bis jetzt abertausende Pfund in die Produktion seiner Stücke gesteckt hat !)
In dieser Inszenierung hat John Dew auch nicht den Versuch unternommen, das Stück zu modernisieren oder ironisieren, was bei diesem Genere häufig fehl schlägt. Er nimmt die Vorlage ernst und schafft es auf diese Weise, sentimentale Stellen so darzustellen, dass sie berühren und nicht in seichten Kitsch abgleiten. Eine weitere Gratwanderung gelingt ihm bei der Darstellung des grotesken Humors des Paars Thénardier. Wie Karikaturen tauchen diese beiden immer wieder auf der Bühne auf, aber so, dass die Szene nicht in unerträgliche Klamotte abgleitet. Bei so einer glänzenden Inszenierung wie dieser können die Möglichkeiten entdeckt werden, die im Musical stecken, und es ist wirklich eine Schande, dass gerade moderne Musicals nicht inszeniert werden (dürfen!), sondern die Inszenierungen der Originalproduktionen festgeschrieben werden. Dabei kann sich diese Aufführung wirklich mit der Originalproduktion in London messen.Das belohnte das Publikum dann auch stehend mit frenetischem Beifall.
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ProduktionsteamMusikalische LeitungKlaus Wilhelm
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Licht
SolistenJean ValjeanHardy Rudholz
Javert
Fantine
Monsieur Thenardier
Madame Thenardier
Cosette
Eponine
Marius
Enjolras
Gavroche
Klein-Cosette
Klein-Eponine
Grantaire, Bamatabois
Combeferre, Vorarbeiter
Feully
Courfeyrac, Bauer
Lesgles, Bischof
Prouvaire, Wirt
Joly
Montparnasse, Knecht
Claquesous, Zuhälter
Brujon, Armeeoffizier
Babet, M. Fauchelevent
1. Arbeiterin, 1. Hure
2. Arbeiterin, Haar-Käuferin
3. Arbeiterin, 3. Hure
4. Fabrikarbeiterin, Nonne
5, Arbeiterin, Diener Thenardier
Fabrikmädchen, Junge Prostituierte
Junge Hure
Wirtin, Alte Bettlerin
Schmuck-Käuferin
2. Hure
Arbeiterin
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- Fine -