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Das Ende des Bonner Rings Verbrechen, Katastrophen, Wahnsinn, Emotionen Von Gerhard Menzel / Fotos von Thilo Beu
Siegfried Schoenbohm gelingt es fabelhaft, sein Konzept vom Rheingold bis zum Ende der Götterdämmerung hin durchzuziehen. Von den Rokoko-Göttern und frühindustriellen Alben des Rheingoldes, dem großbürgerlichen Kaminzimmer und den Weltkriegs-Szenarien der Walküre, über die Nachkriegswehen des Siegfried, endet die Götterdämmerung nun in unserer Zeit, in einer Zweiklassengesellschaft einer geldstrotzenden Großstadt mit imposanter Skyline.
Die Bühnenaustattung von Wolfgang Reuter setzt weiterhin auf den schon in den drei vorherigen Werken eingesetzten "quasi barocken" Theaterzauber: wehende Tücher markieren den wogenden Rhein und die züngelnden Flammen, die Verwandlungen geschehen bei offener Bühne und zeigen die Maschinerie des Theaters in voller Aktion. Die Götter erscheinen im Hintergrund in der malerischen Hochgebirgslandschaft des Rheingolds, auf Stühlen in einer Reihe kauernd. Während der Verwandlung zum letzen Bild des ersten Aufzuges fällt dann der leere Stuhl auf, worauf kurz zuvor noch Waltraute gesessen hatte. Anschließend jagd sie durch den Zuschauerraum, um von Brünnhilde den Ring zurück zu erbitten. Diese und viele weitere Details, machen diese Götterdämmerung zu einer wahren Fundgrube an ausgeprägter und gut getimter Personenregie. Ein Kabinettstück bildet auch die Szene bei den Gibichungen, als sich Gunther und Gutrune nach Zeitungsschlagzeilen machenden Ausschweifungen wieder "aufpäppeln" müssen um ein gutes Bild bei der Ankunft Siegfrieds abzugeben. Sicherlich hat man das alles schon irgendwann einmal gesehen, aber so liebevoll und bis ins kleinste Detail ausgefeilt wohl noch nicht. Für das "große Finale" spart sich Schoenbohm allerdings noch einige Überraschungen auf.
Der detailverliebte Realismus Schoenbohms mit leicht humorvollem Augenzwinkern fordert von den Protagonisten - neben den ohnehin strapaziösen sängerischen Anforderungen - einen unglaublich hohen schauspielerischen Einsatz, dem sie auch weitgehend gerecht werden können. Überhaupt zeichnet diesen Bonner Ring seine großartige Ensembleleistung aus! Allen voran verdient sich Alfons Eberz als Siegfried den größten Respekt. Wie er - auch wenn es ihm an einigen Stellen (noch) an Klangschönheit fehlt - diese Partie gestaltet und bis zum Ende ohne Schwächen aussingt, kann so manch anderen "jungen Helden" nur vor Neid erblassen lassen. Neben Julia Juon als verzweifelt eine Lösung herbeiführen wollende Waltraute, Franz-Josef Kapellmann als heruntergekommenr, auch dem Alkohol zugeneigter Alberich und Hans Georg Moser als "graue Eminenz" Hagen, blieben John Wegener (Gunther) und Eva Maria Westbroek (Gutrune) leider stimmlich etwas blass. Gegen die drei Nornen konnten sich die Rheintöchter mit ihren frischen, homogeneren Stimmen weitaus besser profilieren.
Nicht genügend Stimmvolumen hatte wohl für viele Renate Behle als Brünnhilde, was ihr einige beim Schlussapplaus auch lautstark mitzuteilen zu müssen glaubten. Sicherlich ist sie von der Phonzahl her nicht die "ideale" Wotanstochter, doch wie sie die Partie musikalisch ausfüllt und im Gegensatz zu manch anderer ihrer Kolleginnen auch wirklich aussingt und nicht nur "schreit", sollt man ihr doch hoch anrechnen.
Marc Soustrot, der schon in den vorangegangenen Werken dadurch auf sich aufmerksam machte, dass er die Sänger in erster Linie begleitet und auf einem Klangteppich trägt (auch wenn das manchmal etwas zu wenig ist), blieb sich auch im letzten Teil der Tetralogie treu, was nicht nur dem Schlussgesang der Brünnhilde zugute kam. Leider blieb sich auch das Orchester der Beethovenhalle in der Beziehung treu, dass es immer wieder in Einzelstimmen patzte und auch bei gemeinsamen Einsätzen von Instrumentengruppen oft unpräzis und unsensibel spielte.
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ProduktionsteamMusikalische LeitungMarc Soustrot Wolfgang Ott *
Inszenierung
Bühne
Bühnenbildmitarbeit
Kostüme
Chor
SolistenSiegfriedAlfons Eberz
Gunther
Tero Hannula *
Alberich
Hagen
Brünnhilde
Gutrune
Waltraute
Leandra Overmann *
1. Norn
2. Norn
3. Norn
Woglinde
Wellgunde
Ingrid Bartz *
Floßhilde
* Alternativbesetzung
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- Fine -