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Götterdämmerung
Der Ring des Nibelungen - Dritter Tag
von Richard Wagner

Aufführungsdauer: ca. 5h 45' (zwei Pausen)

Premiere im Opernhaus Bonn am 10. September 2000

Homepage der Oper der Stadt Bonn
(Homepage)



Das Ende des Bonner Rings
Verbrechen, Katastrophen, Wahnsinn, Emotionen

Von Gerhard Menzel / Fotos von Thilo Beu



Es ist vollbracht. Bonn schloss nach drei Jahren und den Premieren von Das Rheingold (7. September 1997) Die Walküre (6. September 1998) und Siegfried (6. September 1999) nun mit der Götterdämmerung Wagners Ring des Nibelungen ab.

Szenenfoto Foto 1:
Siegfried hat als gestandener Handwerker sich und Brünnhilde auf dem "Walkürenfelsen" eine "niedliche" Behausung gezimmert. Nachdem Brünnhilde Siegfried den letzten Knopf angenäht hat und der Held endlich ausgeschlafen hat, schickt sie ihn mit Landkarte, Rucksack und Sattel ausgerüstet "zu neuen Taten".

Siegfried Schoenbohm gelingt es fabelhaft, sein Konzept vom Rheingold bis zum Ende der Götterdämmerung hin durchzuziehen. Von den Rokoko-Göttern und frühindustriellen Alben des Rheingoldes, dem großbürgerlichen Kaminzimmer und den Weltkriegs-Szenarien der Walküre, über die Nachkriegswehen des Siegfried, endet die Götterdämmerung nun in unserer Zeit, in einer Zweiklassengesellschaft einer geldstrotzenden Großstadt mit imposanter Skyline.

Szenenfoto Foto 2:
Der als Gunther erscheinende Siegfried nimmt der verwunderten und geschockten Brünnhilde - trotz einiger zweifelnden Augenblicke, was er jetz eigentlich tue - den Ring ab und annektiert sie als Gunthers Braut.

Die Bühnenaustattung von Wolfgang Reuter setzt weiterhin auf den schon in den drei vorherigen Werken eingesetzten "quasi barocken" Theaterzauber: wehende Tücher markieren den wogenden Rhein und die züngelnden Flammen, die Verwandlungen geschehen bei offener Bühne und zeigen die Maschinerie des Theaters in voller Aktion. Die Götter erscheinen im Hintergrund in der malerischen Hochgebirgslandschaft des Rheingolds, auf Stühlen in einer Reihe kauernd. Während der Verwandlung zum letzen Bild des ersten Aufzuges fällt dann der leere Stuhl auf, worauf kurz zuvor noch Waltraute gesessen hatte. Anschließend jagd sie durch den Zuschauerraum, um von Brünnhilde den Ring zurück zu erbitten. Diese und viele weitere Details, machen diese Götterdämmerung zu einer wahren Fundgrube an ausgeprägter und gut getimter Personenregie. Ein Kabinettstück bildet auch die Szene bei den Gibichungen, als sich Gunther und Gutrune nach Zeitungsschlagzeilen machenden Ausschweifungen wieder "aufpäppeln" müssen um ein gutes Bild bei der Ankunft Siegfrieds abzugeben. Sicherlich hat man das alles schon irgendwann einmal gesehen, aber so liebevoll und bis ins kleinste Detail ausgefeilt wohl noch nicht. Für das "große Finale" spart sich Schoenbohm allerdings noch einige Überraschungen auf.

Szenenfoto Foto 3:
Hagen ruft die Bediensteten des Hauses zusammen, damit sie ihren Herren und dessen frisch gewonnene Braut würdig empfangen.

Der detailverliebte Realismus Schoenbohms mit leicht humorvollem Augenzwinkern fordert von den Protagonisten - neben den ohnehin strapaziösen sängerischen Anforderungen - einen unglaublich hohen schauspielerischen Einsatz, dem sie auch weitgehend gerecht werden können. Überhaupt zeichnet diesen Bonner Ring seine großartige Ensembleleistung aus!

Allen voran verdient sich Alfons Eberz als Siegfried den größten Respekt. Wie er - auch wenn es ihm an einigen Stellen (noch) an Klangschönheit fehlt - diese Partie gestaltet und bis zum Ende ohne Schwächen aussingt, kann so manch anderen "jungen Helden" nur vor Neid erblassen lassen. Neben Julia Juon als verzweifelt eine Lösung herbeiführen wollende Waltraute, Franz-Josef Kapellmann als heruntergekommenr, auch dem Alkohol zugeneigter Alberich und Hans Georg Moser als "graue Eminenz" Hagen, blieben John Wegener (Gunther) und Eva Maria Westbroek (Gutrune) leider stimmlich etwas blass. Gegen die drei Nornen konnten sich die Rheintöchter mit ihren frischen, homogeneren Stimmen weitaus besser profilieren.

Szenenfoto Foto 4:
Hagen mordet Siegfried

Nicht genügend Stimmvolumen hatte wohl für viele Renate Behle als Brünnhilde, was ihr einige beim Schlussapplaus auch lautstark mitzuteilen zu müssen glaubten. Sicherlich ist sie von der Phonzahl her nicht die "ideale" Wotanstochter, doch wie sie die Partie musikalisch ausfüllt und im Gegensatz zu manch anderer ihrer Kolleginnen auch wirklich aussingt und nicht nur "schreit", sollt man ihr doch hoch anrechnen.

Szenenfoto Foto 5:
Brünnhildes "Wahnsinnsszene" als "großes Finale"

Marc Soustrot, der schon in den vorangegangenen Werken dadurch auf sich aufmerksam machte, dass er die Sänger in erster Linie begleitet und auf einem Klangteppich trägt (auch wenn das manchmal etwas zu wenig ist), blieb sich auch im letzten Teil der Tetralogie treu, was nicht nur dem Schlussgesang der Brünnhilde zugute kam. Leider blieb sich auch das Orchester der Beethovenhalle in der Beziehung treu, dass es immer wieder in Einzelstimmen patzte und auch bei gemeinsamen Einsätzen von Instrumentengruppen oft unpräzis und unsensibel spielte.



FAZIT
So hinterließ diese Götterdämmerung letztendlich doch einen relativ zwiespältigen Gesamteindruck, aber mit dem hoffnungsvollen Ausblick auf die zyklischen Aufführungen im nächsten Jahr, dass - im Gegensatz zum sonst meist umgekehrten Verhältnis - hier die szenische Umsetzung eine feste Größe bildet, während sich die musikalische Umsetzung, vor allem im orchestralen Bereich, (hoffentlich) noch steigern kann.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Marc Soustrot
Wolfgang Ott *

Inszenierung
Siegfried Schoenbohm

Bühne
Wolfgang Reuter

Bühnenbildmitarbeit
Bernd Knetsch

Kostüme
Barbara Kugel

Chor
Sibylle Wagner


Chor und Extrachor der
Oper der Bundesstadt Bonn

Orchester der Beethovenhalle Bonn



Solisten

Siegfried
Alfons Eberz

Gunther
John Wegener
Tero Hannula *

Alberich
Franz Joseph Kapellmann

Hagen
Hans Georg Moser

Brünnhilde
Renate Behle

Gutrune
Eva Maria Westbroek

Waltraute
Julia Juon
Leandra Overmann *

1. Norn
Leandra Overmann

2. Norn
Anne Salvan

3. Norn
Ingeborg Zwitzers

Woglinde
Ann-Christine Larsson

Wellgunde
Susanne Blattert
Ingrid Bartz *

Floßhilde
Asta Zubaite

* Alternativbesetzung


Weitere Informationen
Oper der Stadt Bonn (Homepage)



Da capo al Fine

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