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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Signale aus der Kunstgalaxie
Unsere irdische Zivilisation unternimmt gelegentlich Anstrengungen, mit Außerirdischen in Kontakt zu treten. So rast zum Beispiel eine kleine goldene Plakette an Bord einer Sonde durchs All, die bei einer etwaigen Begegnung der höheren Art die wichtigsten Informationen über unseren Planeten samt seiner Bevölkerung vermitteln soll. Unter physikalischen Gesichtspunkten haben solche Bemühungen etwas anrührend Naives, zumal ausgesprochen fraglich ist, wie ein extraterrestrisches Wesen diese Information entschlüsseln sollte. Wir selbst jedenfalls haben genug Probleme damit, unsere eigenen Zeichen, darunter die unserer zeitgenössischen Kunst, zu entschlüsseln. Wie sollten wir da noch auf intergalaktische Zeichen reagieren?
Von irgendwo aus der Ferne erklingt Musik. Sphärische Klänge in den extremen Lagen, Stimmen, aufsteigende Skalen immer wieder einzelne irgendwie vertraute Elemente, kleine Zeichen in einem rätselhaften Zusammenhang. Febels Musik kreist in sich, entwickelt sich nicht, ist plötzlich da und dann wieder verschwunden. In einer Nummer implodiert sie regelrecht. Sie pulsiert, ohne ein eigentliches Metrum zu haben. Sie erscheint tonal, polytonal und atonal gleichzeitig. Febel streut mit dieser Musik Zeichen unserer Musikkultur, die es wahrzunehmen gilt, und die doch nicht fassbar werden. Nach außen hin gibt sich Besuchszeit als Science-Fiction-Oper, aber Febel (der auch den Text geschrieben hat) interessiert sich weder für konkrete Visionen noch für technische Aspekte. Dennoch greift die Musik in ihrer geheimnisvollen Aura unsere musikalischen Vorstellungen von Sciencefiction auf (eine Parallele etwa besteht zu Gustav Holst, der seine Planeten-Symphonie mit einem sphärischen Frauenchor in ganz ähnlichen Klängen schließen lässt). Das Kammerorchester ist ausschließlich mit Bläsern und Schlagwerk besetzt (dazu kommen sieben instrumental geführte Singstimmen), und mit diesem Instrumentarium erzeugt Febel immer wieder eine Art "Maschinenklang": Gerade Töne ohne Entwicklung überlagern sich, als wären sie von Robotern oder ähnlichen Wesen erzeugt. Das alles ist jedoch nur angedeutet: Eine konkrete Maschinenmusik hat Febel keineswegs geschrieben. Regisseur Michael Simon hat - wie bei seinen Produktionen von Narcissus, Stimme allein und KÖNIGIN ÖK sein bewährtes Bühnenbildmodell mit halbtransparenten, von Schriftzügen bedeckten Wänden verwendet, das wie eh und je hübsch anzusehen ist, aber auch gewissen ästhetischen Verschleißerscheinungen unterliegt. Dennoch passt es zur Besuchszeit besser denn je, und auch der Aufführungsort (die Kunst- und Ausstellungshalle der BRD) mit ihrer unterkühlten Architektur drängt sich geradezu auf: An diesem Ort geheimnisvoller Kunst-Zeichen hat das Gesamtkunstwerk Besuchszeit die passende Umgebung gefunden. Dabei ist das Stück eher leichtgewichtig: Febel zeigt durchaus Humor (und Simon greift diesen in der Inszenierung auf). Die musikalische Spurensuche ist eine ganz amüsante Angelegenheit und dauert gerade einmal eine Stunde (wovon nur ein nicht allzu großer Teil auch musikalisch unterlegt ist). Das Ensemble musikFabrik und die Sänger musizierten aus dem Off unter der Leitung von Anton Zapf auf dem in der Reihe BonnChance! gewohnt hohem Niveau; Francesco Russo, Sascha Schiffbauer und Nikolaus Haenel irrten mit viel Spielfreude durch das Labyrinth der optischen wie akustischen Zeichen.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung, Raum und Kostüme
SolistenSchauspielerFrancesco Russo Sascha Schiffbauer Nikolaus Haenel
Stimmen
Patricia Vivanco Eva Valentin Andrea ten Haar Martin Hermann Oliver Aigner Jörg Bräuker
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- Fine -