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Idomeneo
Dramma per musica in drei Akten von Giambattista Varesco
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

Wiederaufnahme an der Staatsoper Wien
am 22. September 1999


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Wiener Staatsoper
(Homepage)

Idomeneos Rückkehr löst allerseits Lampenfieber aus

Von Veronika Fáncsik



Bereits seit seiner Uraufführung (1781) galt Mozarts "Idomeneo" als "problematisches" Werk: Mag es an dem Urteil von einem "schwachen" Libretto und "kraftlosen" Dramaturgie gelegen haben oder auch an dem Mißverständnis, welches das Stück falschen Kriterien unterstellte, jedenfalls erlebte die Partitur immer wieder neue Bearbeitungen, man komponierte etlichemal einiges dazu und manches um. (Unter anderem erblickte "Idomeneo" das Tageslicht in einer Fassung von Richard Strauss, die den Mozartschen Klang kaum noch, den späten Strauss aber umso mehr offerierte.) Allerdings wurde und wird in zunehmender Maße Aktualität und Wißbegier am tiefenpsychologischen Sujet und seiner musikalischen Verwirklichung empfunden; die Wiener Staatsoper präsentiert nun mit der Wiederaufnahme des "Idomeneo" die Originalfassung von Mozart und Varesco.

Kontraste und Spannung, die die ganze Oper begleiten werden, sind schon durch Farben der Bühne während der Overtüre und vor allem der ersten Szene hervorgehoben (Inszenierung: Johannes Schaaf, Bühnenbild: David Fielding); im Kerker eines schwarz-weißen königlichen Palastes erscheint Ruth Ziesak in der Rolle der Ilia mit ihrer leichten, lyrischen Stimme, und ihr gelingt die erste Arie ("Padre, germani, addio...") ausgesprochen schön. Die Konzentration der Inszenierung und Bühnenbilds auf klaren jedoch dramatischen Ausdruck hält weiterhin an, die Konzentration der Sängerin auf die nötige Kraft und Textverständlichkeit läßt bedauernlicherweise nach.

Auch Angelika Kirchschlager (Idamante) scheint am Anfang etwas unsicher, aufgeregt zu sein, während sie Ilia von ihren Fesseln befreit. Jedoch noch im ersten Akt, bei der Begegnung mit Idomeneo, bringt sie ihre gewöhnliche Form und bietet einen breiteren, dramatischeren Klang auch da, wo sie über das seltsame Verhalten des Vaters("Il padre adorato") singt.

Die Erscheinung der Elettra (Eliane Coelho) bringt den ersten pompösen Effekt im ersten Akt, indem ihr energischer Auftritt in prunkvoller Kleidung auf einem der oberen Seitenbalkons des Zusachauerraums erfolgt. Diese was die akustische Wirkung betrifft die einen beeindruckende, aber für die rechte Seite des Publikums ebenso schlechte Idee ist mit der Darbietung einer dynamischen, schönen Stimme verbunden; kaum zu glauben, daß diese Interpretation der selben Sängerin gelingt, die im zweiten und dritten Akt mit Intonation und Höhe zu kämpfen hat.

Nach einem eindrucksvollen Bühnenbild vom Sturm (mit Blitzen und einem wankenden Mastbaum) erscheint Idomeneo(von Torsten Kerl verkörpert), dem es allerdings nur selten gelingt, nicht gepreßt und mit einer voller Stimme die Partie des Königs darzustellen. Selbst wo er dann im zweiten Akt die Kontrolle über sich verlieren und das Standbild des Poseidon empört hinuntergießen soll ("Fuor del mar..."), muß sich das Orchester fast mäßigen, damit von ihm etwas zu hören ist.

Zweifellos gelingt der zweite Akt am wenigsten, wo auch die Inszenierung teilweise schwache Einfälle erweist: Die Darstellung Elettras Liebesbegeisterung für den Idamante, die sich unter anderem dadurch äußert, daß von ihr ein rotes Herz mit den Initialen E+I auf den Boden gemalt wird, würde in einer opera buffa eine gute Wirkung erreichen, hier steht aber an der Grenze des Grotesken. Das Terzett ("Pria di partir...") mißlingt, zu der rhythmischen Unsicherheit kommt noch, daß die Holzbläser aus dem sonst auf Sicherheit bedachten Orchester (Dirigent: Bertrand de Billy) offensichtlich zu stimmen vergaßen.

Der Chor, dem in kaum einer anderen Oper von Mozart eine so große Rolle gegeben wird und der bereits im ersten Akt überraschend sauber intonierte, singt im dritten Akt sogar im Hintergrund sehr deutlich und schön, während die Leichen von Gesichtsmasken tragenden Männern in das Loch geworfen werden, das durch das Erdbeben entstand. Die Angelegenheit des Todes gibt offenbar auch allen Sängern die Kraft zurück: Arbace (Michael Roider) singt seine kleine Partie vor seinem Selbstmord ganz akzeptabel und wirklich dramatisch; vor der geplanten Hinrichtung des Sohnes öffnet sich plötzlich die Stimme von Idomeneo; Idamante bietet sich mit einem prachtvollen Klang als Opfer an und nicht weniger gut hält Ilia die Spannung der Szene, wenn sie sich vor den tödlichen Schlag wirft, intensiv und dennoch ohne Anstrengung. Auch der letzte Auftritt von Elettra, die enthusiastisch versucht, sich mit einem Schwert zu töten, hinterläßt keinen schlechten Eindruck.


FAZIT

Bühnenbild und schauspielerische Leistung retten eine musikalisch mittelmäßige Aufführung; vielleicht wird sich eine unter allen Aspekten gelungene Produktion mit den nächsten Vorstellungen ergeben.




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Produktionsteam

Regie
Johannes Schaaf

Musikalische Leitung
Bertrand de Billy

Bühne
David Fielding

Kostüme
Tobias Hoheisel

Choreinstudierung
Ernst Dunshirn



Chor und Orchester der
Wiener Staatsoper



Bühnenorchester der
Wiener Staatsoper


Solisten

*Rollendebut an der
Wiener Staatsoper

Idomeneo
Torsten Kerl*

Idamante
Angelika Kirchschlager

Ilia
Ruth Ziesak*

Elettra
Eliane Coelho

Arbace
Michael Roider

Oberpriester des Neptun
John Dickie*

Die Stimme
Walter Fink


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