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So schön wie heut...
Filmmusik aus 1000 Jahren



Ein Stück von Peter Junk
für Sänger und Pianist
mit Benno Berlin & Gerwald von Innstetten



Premiere am 9. Oktober 1999 in der probebühne Osnabrück

(rezensierte Vorstellung: 15.10.99)

Musiktheater
......alternativ


Kleinkunst, Varieté etc.


 Benno Berlin & Gerwald von Innstetten

Benno Berlin & Gerwald von Innstetten

Was ziehe ich für den Führer an?

Von Stefan Schmöe


Filmmusik aus 1000 Jahren - gemeint sind die 1000 Jahre von 1933 bis 1945 - steht im Mittelpunkt eines Musiktheaters der etwas anderen Art. Peter Junk, Mitarbeiter des Osnabrücker Kleinkunsttheaters die probebühne, hat dem Duo Benno Berlin & Gerwald von Innstetten, die sich in der Vergangenheit mit Schlagern der 20er und 30er Jahre einen Namen im Osnabrücker Raum gemacht haben, ein brillantes Stück über Marika Rökk und Johannes Heesters auf den Leib geschrieben.

Mit den Comedian Harmonists fängt es scheinbar harmlos an, aber die gibt es nicht mehr: Wir schreiben das Jahr 1933, und die jüdischen Mitglieder des Ensembles sind emigriert. Das Radio, das via Radio Hilversum die letzte Brücke zur undeutschen Unterhaltungsmusik bildet, geht vor Schreck kaputt, doch Benno Berlin hat bereits einen Volksempfänger als Ersatz gekauft, noch ahnungslos, was ihn erwarten wird: Gute Laune nach des Führers Geschmack, und das sind, mangels volksdeutschen Stars, die Ungarin Marika Rökk und der Niederländer Johannes Heesters. Und siehe da: Abwechselnd treten die beiden, von Benno Berlin mit herrlich schrägem ungarischen bzw. niederländischen Akzent überzeichnet, leibhaftig aus dem Volksempfänger hervor.

Auf Requisiten kann die exzellente Regie des niederländischen Regisseurs Ernst Braches getrost verzichten: Eine folkloristische Weste oder Federboa als Merkmal für Marika Rökk, Frack und Schal für Heesters und ein paar Gesten reichen den Herren Berlin und Innstetten völlig aus, um die Situation zu umreißen. Natürlichen singen Rökk und Heesters, was Benno Berlin mit viel parodistischem Schmelz tut, aber das Publikum jederzeit mitreißt: Auch heute noch sind das zündende Songs mit erschreckend kitschigem Text. Gerwald von Innstetten unterbricht die Monologe der beiden ebenso eitlen wie naiven Stars mit zynischen Kommentaren vom Klavier. Die heile Welt ("Heut ist der schönste Tag in meinem Leben") wird dadurch immer wieder mit der alles andere als heilen Gegenwart konfrontiert: "In einer Nacht im Mai" säuselt Frau Rökk romantisch. "In einer Nacht im November" kommt in Anspielung auf die Reichsprogromnacht die trockene Antwort vom Klavier zurück.

"Aber ich war doch immer unpolitisch" schmollt Marika Rökk mit treudoofem Augenaufschlag, und der vor lauter Jugendlichkeit ganz verklemmte Johannes Heesters fragt sich und die Welt "Was hätte ich denn machen können?" Als Publikum kann man sich darüber köstlich amüsieren, aber ein ungutes Gefühl bleibt. Marika Rökks größte Sorge: Was ziehe ich für den Führer an? bringt die Schwierigkeit, unpolitisch zu sein, auf den Punkt. Die Ambivalenz von Entertainment und Verdrängung wird deutlich, ohne dass der Abend irgendwie belehrend wird.



Im November immer freitags und samstags 20 Uhr in der probebühne in Osnabrück. Interessierte Kleinkunstbühnen haben die Möglichkeit, ein Gastspiel von So schön wie heut... zu vereinbaren; Informationen hierzu bei Benno Berlin oder der probebühne.


FAZIT

Gelungene Unterhaltung mit Nadelstichen


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Produktionsteam

Benno Berlin &
Gerwald von Innstetten

Regie
Ernst Braches


Weitere Informationen
erhalten Sie von der
probebühne Osnabrück
(Homepage)


Szenenfoto

Vielseitig schlüpft Benno Berlin...


Szenenfoto

...in die Rollen von Johannes Heesters...


Szenenfoto

... und Marika Rökk ...


Szenenfoto

...und fühlt sich immer völlig unpolitisch.


Da capo al Fine

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