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Sind so gute Soldaten, prall und lustig
Ein besonderes Projekt hatte die Deutsche Oper am Rhein sich vorgenommen: Donizettis Regimentstochter wurde in Kooperation mit der Opera de Monte Carlo und dem Grand Theatre de Geneve produziert. Emilio Sagi inszenierte und für die Ausgestaltung von Bühne und Kostüme konnte der international renormierte kolumbianische Künstler Fernando Botero gewonnen werden.
Marie singt das Regimentslied.Der Künstler gestaltete konsequent die beiden Bühnenbilder für den 1. und 2. Akt durch. Seine künstlerische Handschrift ist deutlich erkennbar: pralle Formen und satte Farben. Im ersten Bild sieht man einen Dorfplatz, die Häuser nett und dichtgedrängt, eine große Frauenstatue steht in der Mitte, riesengroß, ein fülliger nackter Körper. Botero wandte sich in letzter Zeit verstärkt der Skulptur zu und konnte hier seine Erfahrungen einbringen. Die Personage der Oper ist ebenfalls entsprechend vom Künstler ausstaffiert worden: üppige Formen werden durch gestopfte Kostüme produziert. Freilich sieht man sich unmittelbar an die Bilder Boteros erinnert. Es bleibt aber dennoch sehr fraglich, ob eine Stilbildung, mit der ein Künstler seine Malerei konsequent durchprägt, ob die sich an lebenden Darstellern auf der Bühne nachzeichnen läßt. Die Personen sehen in realo, wie sie da so über die Bühne watscheln, doch einfach nur recht ausgestopft aus. Die Gesichter konnten dazu eben nicht nach Malart Boteros modelliert werden, sodaß ein gewisser Gesamtton der Bilder nicht erreicht wird. Etwas geht von der starken Aura der Bilder Boteros verloren, das echte, ernste Anliegen des malerischen Werkes geht hier nicht auf. Das ganze Spiel gerät vielmehr zum einfachen Genrebild, zur naiven Groteske.
Bruno Balmelli als Sulpice, Jeanine Thames als Regimentstochter und Jörg Schneider als Tonio. Dementsprechend gestaltet sich auch die Personenkonzeption der Regie. Heiter bis albern, mitunter lärmig geht es auf der Bühne zu. Immerhin ist die Führung der Darsteller stets bewegt und weist einige nette Einfälle auf. Die Hauptfigur Marie zeigt sich einfältig, trampelig und trotzig - naiver geht es nicht, das paßt wenigstens in gewisser Weise zum Text. Die Marquise de Berkenfield gibt sich stets überzogen nervig, ebenso wie ihr Diener. Das Regiment agiert dazu munter und drollig - alles ganz liebe Soldaten und sorgende Papas der Marie. Im Programmheft wurde eigens der Hinweis gegeben, daß das Soldatenleben ein sehr beliebtes Thema der Opéra comique ist und stets äußerst realitätsfern als heiter und unbeschwert dargestellt wird. An diese Komödientradition hat man sich offenbar gehalten und dementsprechend operettenhaft inszeniert. Dieser kulturgeschichtlichen Anbindung, die hier zur Absicherung vorgenommen wurde, sind aber trotzdem ernsthafte Bedenken entgegenzuhalten: kann man, sollte man das heute immer wieder so machen, sollte man an diese Spieltradition einfach anschließen? Täte nicht wenigstens etwas Biß gut statt allzu brave Albernheit? Wäre es nicht doch angebracht, diese naive Verherrlichung von Militär, Kriegsleben und Kampf zu entlarven gerade angesichts der Kriegsgeschehen, die in jüngster Zeit die Welt wieder erschütterten? Ob es wirklich reicht, nur alles recht einfältig und albern zu gestalten, und dann sei Maries froher Ruf "Es lebe der Krieg" schon entschärft - das bleibt fraglich. Nun, immerhin kann man jetzt in Duisburg die seltener gespielte Oper auf leichtgängige Weise kennenlernen, aber man fragt sich, ob es nicht doch auch redliche Gründe sind, diese Oper entweder weniger zu schätzen oder sie zumindest kritischer zu behandeln. Vielleicht scheut man aber auch den Skandal. Diese Inszenierung würde auf jeden Fall problemlos in Dresden durchgehen.
Jeanine Thames als Regimentstochter und Jörg Schneider als Tonio. Das Ensemble spielt bei der Gestaltung der Oper gut mit. Das Werk steht und fällt mit der Titelfigur. Das Duisburger Haus kann hier mit einem guten Koloratursopran aufwarten: Jeanine Thames bietet sichere, klingende Koloraturen. Schönstimmig ertönt Jörg Schneider dazu mit seiner kleinen aber wohlgeführten Stimme, wenngleich einige Spitzentöne etwas ungeschickt markiert wurden. Auch Bruno Balmelli als Sulpice stellt zufrieden. Die Marquise erklingt stets penetrant, aber das wurde eben von der Regie verlangt. Der Duisburger Chor erbringt durchaus vollen Klang, die Stimmen müssen aber noch richtig zusammenfinden. Das Orchester erklingt unter der Leitung von Francesco Corti teilweise wenig geordnet, wird im Verlauf des Abends aber besser. Schließlich begleitet es die Sänger gut und spielt die Kantilenen schön aus.
Von der Mitarbeit des berühmten Kolumbianischen Künstlers Fernando Botero an einer Opern-Produktion hatte man sich mehr versprochen. Gerade auch bei dieser Oper, da Botero sich selbst in seinen Bildern immer wieder kritisch mit dem Thema Militär befaßte. Insgesamt findet sich wenig reflektierte Auseinandersetzung, die aber doch angebracht wäre. Immerhin kann man die seltener gespielte Oper so einmal mit gut besetzten Hauptrollen live erleben und sich am Spiel amüsieren, wenn man Sinn fürs Alberne hat.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Szenische Einstudierung
Bühne und Kostüme
Szenische Umsetzung
Chor
Licht
SolistenMarieJeanine Thames
Tonio
Sulpice
Marquise de Berkenfield
Hortensius
Duchesse de Crakentorp
Duc de Crakentorp
Korporal
Bauer
Pianistin
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- Fine -