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Die Freiheit zu kaufen
Von Meike Nordmeyer
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Fotos von Andrea Kremper Regisseur Roman Hovenbitzer lässt die Verkaufte Braut in der Gaststätte eines ehemals dem Sozialismus angehörigen Dorfes spielen. Es ist kurz nach der Wende, der große rote Stern, der jahrelang in der Gaststätte von der Decke hing, wird gerade mit Jubel abgehängt. Die Aufsehmänner des vergangenen Regimes wieseln in ihren grauen Anzügen noch herum, werden aber von den Dorfbewohnern verulkt. Nur kurz wehren sich die Besitzer der Gaststätte, die Eltern von Marie, gegen die Neuerungen, mit Geld können sie dann doch schnell ruhig gestellt werden und sind mit allem einverstanden. Nun wollen sie nur noch ihre Tochter lohnend an den Mann bringen. Rasch wird die Gaststätte nun zu einem komplett pink ausgestatteten Kaufhaus umgebaut. Anklänge an die poppige Ästhetik von Barbie-Spielzeug ergeben sich unmittelbar allein durch diese Farbe und den quietschgrünen schematischen Rasen-Hügel-Hintergrund. In seiner hemmungslosen Übertreibung ist das Bühnenbild herrlich gelungen. Schnell greift der Konsumrausch um sich, deutlich wird dies auch an der pinken Farbe, die sich zunehmend an den Leuten findet. Rosarot sind auch die Geldscheine, die schließlich vom Himmel regnen und nach denen die Leute sich begierig dehnen. Aus dem Rot des Sozialismus wird nun eben das Rosarot, allerdings ist auch dies alles andere als eine heile Welt: Die neue Ideologie des Kaufens hält ungeniert Einzug.
Hovenbitzer bietet damit ein deutliches, originelles wie kritisches Regiekonzept, das mit der Story der Oper gut aufgeht. Denn dass hier die Braut verkauft wird, dass um sie getrickst und geschachert wird, fügt sich nur allzu gut in das allgemeine geschäftige Treiben ein - gekauft und verkauft wird eben alles. Die List von Hans hat natürlich, wie es sich gehört, noch keiner durchschaut.
Doch wenn die Aufklärung schließlich ansteht, gibt es nicht wie sonst dargestellt, die Erleichterung, dass der brave Knabe nur seiner Marie wegen getrickst hat.
Hier zeigt sich, dass Hans die List zwar eingefädelt hat, um Marie zu bekommen, aber er nutzt das Spiel auch, um Geld rauszuschlagen. Allzu unverholen freut er sich schließlich über das gewonnene Geld, er sitzt Scheine zählend vor der Kasse und vernachlässigt seine junge Braut darüber. Die hat er ja längst schon im Sack, so meint er. Doch die hat es satt, sie versteht den Satz "Michas Sohn zu heiraten" dann doch als offenes Angebot und wendet sich mit Wenzel dem einzigen zu, der gerade nicht die Dollarzeichen in den Augen stehen hat und der noch echter zarter Empfindung fähig ist. Ein gutes Konzept präsentiert die Regie, das gerade gegen Ende eine schlüssige neue Wendung bringt. Die Erzählweise wird genau aus dem Text entwickelt, der in frischer moderner Übersetzung vom Regiesseur selbst eingerichtet wurde.
Schon zu Beginn fällt da beispielsweise Maries Bemerkung "Hans, du bist mir manchmal so fremd" auf, denn schon an dieser Stelle zeigt sich der gar nicht so traute Umgang des Paares miteinander. So wird Hans ja auch im Folgenden seine Marie nicht in seine Pläne einweihen. Die Dortmunder Auführung rühmt sich erstmals in Deutschland die originale Dialogfassung der Oper zu bieten. Leider werden aber die Dialoge nicht ganz überzeugend gesprochen und klingen doch etwas zu sehr bemüht aufgesagt. Die Schauspielerei der Sängerdarsteller, die freilich stets engagiert beteiligt sind, erweist sich zudem als etwas lärmig und albern, leider. Das ist etwas anstrengend. Hier hätte die Regie wohl besser anweisen müssen. So zeigt sich im Verlaufe des Spiels, dass das anspruchsvolle Regiekonzept
nicht entsprechend anspruchsvoll umgesetzt werden konnte. Das Sängerteam stellt zufrieden. Andreas Becker als Kezal könnte allerdings den auskomponierten Witz seiner Partie etwas profilierter bringen, er verschenkt da zuviel. Norbert Schmittberg singt den Hans stimmschön und geschmeidig, auch Jill-Maria Marsden wird der Partie der Marie gerecht, ihre große Arie bleibt allerdings etwas blass. Jeff Martin als Wenzel überzeugt ebenso, auch darstellerisch. Das Orchester unter der Leitung von Alexander Rumpf begleitet stimmig und temperamentvoll. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
ProduktionsteamRegieRoman Hovenbitzer
Musikalische Leitung
Bühnenbild
Kostüme
Chor
Choreographie
SolistenMarieJill-Maria Marsden
Kruschina
Kathinka
Hans
Wenzel
Micha
Agnes
Kezal
Esmeralda
Zirkusdirektor
Indianer
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- Fine -