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Dortmund: Die Fledermaus-Programmheft Die Fledermaus
Operette in drei Akten
Text von Carl Haffner und Richard Genée
Musik von Johann Strauß

Premiere im Theater Dortmund
am 06. November 1999


Logo:  Theater Dortmund

Theater Dortmund
(Homepage)

Schöne Stimmen
kontra einfallsloser Inszenierung

Von Anne-Kathrin Koch



Das Titelbild des Programmheftes verspricht uns eine interessante und erotische Inszenierung der so bekannten Operette. Voller Erwartung lauscht das Publikum im ausverkauften Haus der Ouvertüre und den darin angerissenen populären Schlagermelodien.

Als sich der Vorhang hob, wurde man leider von einer sehr kitschigen "Blumenpracht" überwältigt. Die ansonsten geschmackvoll eingerichtete Bühne im klassisch - festlichen Stil kam durch diese bunte Wand überhaupt nicht zur Geltung. Nur die Bar fiel auf. Überhaupt schien Alkohol eine wichtige Rolle zu spielen, wie man auch im Verlauf des Stückes erkennen konnte.

Denn davon bedienten sich die Akteure - ohne Ausnahme - immer wieder. Sei es, um Sorgen zu vertreiben, aus Verzweiflung oder einfach um sich zu betrinken und Spaß zu haben. Manchmal schien der Alkohol auch Auswirkungen auf die schauspielerischen Fähigkeiten zu haben: Irgendwie hat mich keiner der Protagonisten überzeugt. Alles wirkte aufgesetzt, ja zu albern für eine Operette, die eh jeder kennt. Jeder Witz wurde mit übertriebenen Gesten und Bemerkungen ins Lächerliche gezogen. Die ohnehin nicht allseits beliebte Schlageratmosphäre steigerte sich durch Tanzeinlagen und Schunkeleien.

War im zweiten Akt das dominierende Blau - an den Wänden und den übrigens schönen Kostümen der Chormitglieder - auch ein Symbol für Trunkenheit und Alkohol? Diese Frage ließ der Regisseur offen. Zumindest bildete die Farbe einen starken Kontrast zur feuerrot gekleideten Rosalinde (Eun-Joo Park). Mit ihrem Auftritt als ungarische Künstlerin änderte sich auch die Stimmung. Nicht nur das Rot dominierte, sondern auch ihr etwas erhabenes Verhalten verlieh dem Stück eine ernsthaftere Note. Zur ungarischen Musik tanzte und sang sie fremd und geheimnisvoll, aber mit Temperament. Die anschließende Polka, an der alle beteiligt waren, zeigte deutlichst den Unterschied zum "einfachen" Volk. Rosalinde ließ alle zum Schluß umfallen (Anlehnung an den "Domino Day"?).

Erst der dritte Akt ließ das Publikum auch mal herzlich lachen. Der Gefängniswärter Frosch (Uwe Falkenbach) lenkte die Aufmerksamkeit auf sich. Durch sein clownhaftes Auftreten - natürlich sturzbetrunken - wirkte der Humor endlich mal gelungen. Auch die anderen Akteure schlossen sich dem natürlichen Witz an. So blieb zum Schluß doch ein guter Eindruck haften.

Zum Glück verfügt das Theater Dortmund über äußerst faszinierende Stimmen. Nicht nur der Chor hat mich mit seiner Klangfülle überrascht, auch und vor allem die Hauptdarsteller überzeugten durch ihre gesangstechnischen Fähigkeiten. Besonders volltönig klang Dr. Falke (Thomas de Vries), ebenso der Gefängnisdirektor Frank (Andreas Becker), der zwar etwas steif, aber resolut wirkte. Am besten gefiel mir Rosalinde (Eun-Joo Park), die nicht nur als Ungarin auf der Bühne brillierte, sondern auch sonst einfach wunderschön sang. Alfred (Joan Cabero) hatte zwar auch eine schöne Stimme, aber war etwas schwach. Ähnliche Probleme schien auch Adele (Marisol Montalvo) zu haben, denn sie sang anfangs zu leise und auch später blieb die Stimme flach.

Unterstützt wurden die Sänger von dem gut eingespielten Orchester unter der Leitung von Anton Marik. Fast zu dominant wirkte die Begleitung, denn sie nahm nicht immer Rücksicht auf die Hauptakteure, so daß schon mal einiges aus dem Takt geriet. Aber die Atmosphäre wurde dennoch gut auf das Publikum übertragen: Schwungvoll, aber nicht schmalzig erklangen die Schlager.

Die Zuschauer zeigten sich dennoch begeistert, der Applaus war kräftig und langanhaltend. Bravo-Rufe wurden laut als Frank, von Eisenstein und Frosch auf die Bühne traten. Stehende Ovationen und zujubelnde Pfiffe gab es für Rosalinde und das Orchester. Für die Regie blieb der Beifall mäßig.


FAZIT

Insgesamt eine klassisch-langweilige Inszenierung. In der heutigen Zeit müßte eigentlich bei einer so populären Operette etwas besonderes geboten werden, irgendwie fehlte der Pep bei der ganzen Sache.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Anton Marik

Regie
Wolfgang Quetes

Choreographie
Jean Renshaw

Bühne
Heinz Balthes

Kostüme
José Manuel Vazquez

Choreinstudierung
Granville Walker



Das Philharmonische Orchester Dortmund

Chor und Statisterie des
Theater Dortmund
Bewegungschor der Statisterie


Solisten

Gabriel von Eisenstein
Hannes Brock

Rosalinde
Eun-Joo Park

Frank
Andreas Becker

Prinz Orlowski
Susan Benkin

Alfred
Joan Cabero

Dr. Falke
Thomas de Vries

Dr. Blind
Fredric Hellgern

Adele
Marisol Montalvo

Frosch
Uwe Falkenbach

Ivan
Lothar Becher

Ida
Sybille Specht



Weitere Informationen
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Theater Dortmund (Homepage)




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