Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Homepage Musiktheater-Startseite E-mail Impressum



KÖNIGIN ÖK

Musiktheater von Klaus Lang
Text von Steffen Kopetzky



Auftragswerk des Theaters der Bundesstadt Bonn

Bonn Chance! Experimentelles Musiktheater
Eine Kooperation der Oper Bonn mit der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Uraufführung im Forum der der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland am 16. März 2000


Logo: Oper Bonn

Oper Bonn
(Homepage)

Eine Frage der Perspektive

Von Stefan Schmöe / Fotos von Thilo Beu

Das Areal der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn ist ein Ort größtmöglicher Künstlichkeit. Unter konsequenter Vermeidung jedweder Urbanität ist dort eine geheimnisvolle Gegenwelt fern des Alltags entstanden, und wer noch an ein demokratisches Ideal der Kunst glaubt, wird spätestens beim Blick auf die Preisliste des Museumscafés belehrt, dass eine gewisse finanzielle Potenz in diesem aseptisch reinen Ambiente zumindest hilfreich ist. Diese Aura wird seit geraumer Zeit regelmäßig von der Oper Bonn gesucht, um experimentelles Musiktheater zu machen. Da liegt es quasi in der Luft, ein Gesamtkunstwerk zu versuchen, und dazu hat man bei Klaus Lang ein Stück Musiktheater in Auftrag gegeben.

Szenenfoto

Für das gewünschte Gesamtkunstwerk ist aber nicht Lang allein verantwortlich, sondern offenbar entstanden gleichzeitig zur Komposition der Text (Steffen Kopetzky) und die Inszenierung (Michael Simon). Eine konkrete Handlung als gemeinsame Grundlage gibt es nicht, was die verschiedenen Ebenen verbindet ist die gewollte Uneindeutigkeit. Kopetzky hat einen rätselhaften Text geschrieben, der nur vereinzelt Orientierungspunkte gibt (es wird offenbar jemand erschossen); in der Musik wird er auf einzelne Silben oder Konsonanten reduziert. Wäre nicht das Wissen um das Vorhandensein dieses Textes (und gelegentliche Einblendungen per Diaprojektion), Lang hätte auch seine Lieblingsparagraphen aus dem Handelsgesetzbuch vertonen können.

Szenenfoto

Regisseur Michael Simon wiederum wählt einen völlig anderen Ansatzpunkt, nämlich Diego Velázquez' geheimnisvolles Gemälde "Las Meninas" von 1656, das sich einer eindeutigen Interpretation entzieht. In seinem Bühnenbild hat Simon den Bildaufbau konturenhaft nachgezeichnet, allerdings vollständig abstrahiert, und nur eine Staffelei ist als halbwegs konkretes Element verblieben. Ein großflächiges Gitternetz ist vor die Bühne gehängt, erinnert an Konstruktionen zur Perspektivischen Malerei zu Velázquez' Zeit. Text wie Bühne spielen ein Vexierspiel mit ständig wechselnden Perspektiven, lassen nur Bruchstückhaft einzelne Elemente durchschimmern. Auch das titelgebende Palindrom KÖNIGIN ÖK spielt auf die variable Perspektive an. Das konsequente Vermeiden von Linearität, Kausalität, Eindeutigkeit- das scheint der Schwerpunkt zusein, der die beteiligten Künstler verbindet.

Szenenfoto

Die Musik von Klaus Lang ist alles andere als theatralisch, sondern negiert sogar alles Dramatische. Die etwa 70 Minuten lange Komposition, die durch Zäsuren in drei Blöcke unterteilt ist, beginnt mit hingetupften Klangpunkten, die sich allmählich flächig verdichten. Die Vokalstimmen sind in den Orchesterpart integriert, bilden eine zusätzliche Klangfarbe, treten aber nie im Sinne von Protagonisten einer wie auch immer gearteten theatralischen Aktion hervor. Die Lautstärke bewegt sich den ganzen Abend am Rande des Unhörbaren. Der zweite Abschnitt ist bewegter und geprägt von Polyrhythmik, was eine flirrende, kaum fest zu machende Klangfläche erzeugt. Im dritten Abschnitt mischen sich die Elemente, bis sich am Schluß alles beinahe emphatisch in ein rauschhaftes Mezzopiano steigert.

Szenenfoto

Wirklich gleichberechtigt sind die Künste an diesem Abend nicht, denn, prima la musica, die Musik dominiert ganz eindeutig. Ist der Text immerhin subkutan vorhanden und damit noch konstituierendes Element, so wirkt die Inszenierung wie eine aparte Zugabe. Im Detail hat Michael Simon durchaus gute und wirkungsvolle Ideen, aber so recht zwingend ist es nicht, wenn Hannes Hellmann etwas verloren auf der Bühne umherirrt und Ute Halaschka durch den Zuschauerraum schleicht. Eher lenkt es die Konzentration von der Musik ab, als dass es eigenständige Impulse gibt. Es wäre spannend, die Komposition einmal im Konzertsaal zu hören.

KÖNIGIN ÖK schließt die Trilogie ab, die mit Narcissus (Beat Furrer) begann und mit Stimme allein (Furrer, Lang) fortgesetzt wurde. Das experimentelle Musiktheater hat sich in gewisser Hinsicht seine eigene Negation geschaffen. Spannend war das allemal, dazu auch an diesem Abend wieder musikalisch hochrangig. Das Publikum, spärlicher als bei den vorangegangenen Aufführungen vertreten, beklatschte KÖNIGIN ÖK allerdings eher höflich als freundlich. Mit der nächsten Produktion an diesem auratischen Ort darf die Bonner Oper aber ruhig wieder an das pralle Leben heranrücken.


FAZIT

Beeindruckende Komposition, in schicker (gehobener) Atmosphäre zu goutieren.


Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Anton Zapf

Bühne, Kostüme
und Inszenierung:
Michael Simon

Licht
Klaus Richter
Michael Simon

Einstudierung der
Vocalensembles
Sibylle Wagner



Mitglieder des
Orchesters der
Beethovenhalle Bonn

Vocalsolisten:

Brigitte Jung
Eun-Young Lee
Andrea ter Haar
Martin Hermann
Jörg Bräuker


Solisten

Grand Marquis
Hannes Hellman

Bibliothekarin
Ute Hallaschka


Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Oper Bonn (Homepage)




Da capo al Fine

Homepage Musiktheater-Startseite E-mail Impressum

©1999 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de

- Fine -