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Così fan tutte

Dramma Giocoso in zwei Akten
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart
Text von Lorenzo Da Ponte

Premiere am 6. Februar 2000


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Oper Bonn
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Così fan tutte auf dem Tablett



Von Meike Nordmeyer / Fotos von Thilo Beul



Regisseur Alfred Kirchner erarbeitete in Bonn eine Così fan tutte mit ganz reduziertem Bühnenbild. Nur eine erhöhte quadratische Fläche steht auf der dunklen leeren Bühne, dazu gibt es sehr genaue Lichtarbeit zu sehen. Eine solche Konzeption verweist deutllich auf einen bestimmten Inszenierungsstil, der in Bayreuth geprägt wurde. In der aktuellen Bayreuther Lohengrin-Produktion setzt Keith Warner ein solches Quadrat für seine spannungsreiche Inszenierung ein.

Foto: Bonn: Cosi fan tutte Hochzeit über Kreuz im Quadrat.

Diese quadratische Fläche, auf der Kirchner die Darsteller der Così meistenteils agieren läßt, ist das Spielfeld auf dem die Beziehungen konzentriert beobachtet werden sollen. Es hat auch etwas von einem Tablett, die Figuren stehen gleichsam auf dem Präsentierteller - aber wer oder was wird wem präsentiert, das wird nicht ganz deutlich. Die Geschichte wird dem Publikum vorgeführt als Situation des Sezierens oder des Servierens? Die Frauen finden sich stets auf den Präsentierteller versetzt durch das herrschende gesellschaftliche Bewußtsein, das sie als Objekte der Verführung auffaßt? Das sind mögliche Deutungen, die aber nicht durch entsprechendes Spiel deutlich gemacht werden.

Eingeleitet wird die Geschichte mit einem Film, der von der Kunsthochschule für Medien in Köln erarbeitet wurde. In prosaischem schwarz-weiß sind Fiordiligi und Dorabella zu sehen, wie sie es sich gut gehen lassen: sie gehen einkaufen, Cafe trinken, vergnügen sich im Schwimmbad und beim Tanzunterricht. Zwei verwöhnte Frauen also, die sich um ihren Lebensunterhalt nicht kümmern müssen? Der Film läuft, während Ferrando und Gugliemo über ihre Geliebten mit ihrem Freund sprechen. Die Männer stellen sich also wohl nur vor, wie die beiden Frauen leben? Das Spiel zeigt in seinem weiteren Verlauf keinen erkennbaren Bezug mehr zu dem Film.

Foto: Bonn: Cosi fan tutte Anja Harteros als Fiordiligi
und Mark Clear als Ferrando.

Auf die Personen und ihre Beziehungen also soll das Spiel auf dem Quadrat ohne Ablenkungen und aufwendige Ausstattung konzentriert werden, aber leider wird hier nichts Besonderes gezeigt. Die Frauen tragen Brillen und sind etwas spröde. Die üblichen Spielchen von Verstellung und Verführung laufen ab. Die Despina ist ein unterkühltes Persönchen, berechnend und blitzgescheit, nicht ohne erotische Wirkung auf die Männer. Allein die Figur des Don Alfonso (Georg Zeppenfeld) bietet ein interessantes Charakterbild. Alfonso ist einmal nicht der väterliche Freund, der weise und erfahren die Sache mit Humor betrachtet, seine Freunde zur Einsicht bringen will und dann trotzdem für die Liebe spricht. Er ist vielmehr der etwa gleichaltrige Kamerad, selbst glücklos und daher kalt theoretisierend. Weil er keine Liebe leben kann, mißgönnt er den Freunden das Glück, denn er hält es für trügerisch. Er will ihnen seine Wahrheit vor Augen führen. Das gelingt zunächst, er entzweit die Paare. Umso ärgerlicher für ihn, daß sie sich schließlich wieder versöhnen. Das hatte er der Liebe wohl nicht zugetraut. Letztlich wird er also über die Liebe belehrt. Überzeugend herausgearbeitet ist diese Figur jenseits der üblichen Darstellungen. Sonst aber passiert nicht Überraschendes, werden keine neue Einsichten herausgearbeitet auf diesem Tableu.

Foto: Bonn: Cosi fan tutte Susanne Blattert als Dorabella und
Heikki Kilpeläinen als Guglielmo.

Die Sängerdarsteller spielen engagiert mit. Musikalisch wird es ihnen allerdings nicht gerade leicht gemacht, denn sie müssen ihre Partien auf deutsch singen. Die Sänger werden dabei ungedenk dieser zusätzlichen Erschwernis vom Dirigenten in raschen Tempi ungnädig getrieben. Das durchweg junge Ensemble hat dabei hörbare Schwierigkeiten mit der Bewältigung der zeitweilig enormen Textmenge, die im Parlando verlangt wird. Vor allem die Ensemble-Sätze erklingen aufgrund dieser Schwierigkeiten unsicher, die Stimmen finden meistens nicht richtig zusammen, wozu das unnachgiebige Dirigat erheblich beiträgt. Am besten kommt hier noch Claudia Rohrbach als Despina zurecht. Etwas besser ergeht es den Sängern wenn sie zum Hammerklavier gespielt von Georg Leiße singen, sie werden hier angemessener begleitet. In den Arien kommt die stimmliche Leistung der Solisten besser zu Geltung, so wie Mark Clear als Ferrando mit seinem "Der Odem der Liebe" ("Un' aura amorosa") deutlich macht. Überzeugen können Anja Harteros als Fiordiligi und Susanne Blattert als Dorabella nach der Pause mit Beginn des zweiten Aktes. Das Duett der beiden Frauen wurde stimmschön und sicher gesungen, hier konnten sie das Parlando humorvoll und lebensnah gestalten. Die anspruchsvolle Arie der Fiordiligi erklang stimmlich beachtlich, zeigte sich aber noch nicht ganz schlüssig durchgestaltet.

Das Orchester unter der Leitung von Reinhard Seifried gab sich wuchtig und nicht überzeugend stilsicher. In den Einzelstimmen wurde allerdings sehr verläßlich ausgeführt. Dirigent Seifried bevorzugt zügige Tempi und treibt die Sänger unerbittlich, Unstimmigkeiten zur Bühne konnten da nicht vermieden werden, auch der beschwörende Blickkontakt zu den Sänger half da nicht.


FAZIT

Die Inszenierung von Kirchner zeigt sich bewußt reduziert dabei aber wenig profiliert. Ein junges, engagiertes Ensemble ist in Bonn zu erleben und bringt teils beachtliche Leistung. Der musikalische Zusammenklang ist jedoch nicht ganz stimmig.




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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Reinhard Seifried

Regie
Alfred Kirchner

Bühne
Colin Walker

Kostüme
Ann Poppel

Chor
Sibylle Wagner

Licht
Kurt-Rüdiger Wogatzke

Dramaturgie
Vera Sturm



Chor der Oper der Bundesstadt Bonn
Orchester der Beethovenhalle Bonn

Hammerklavier: Georg Leiße


Der Film wurde produziert von der
Kunsthochschule für Medien Köln
Film/Video-Team:
Maximilian Erbacher, Frederik Walker,
Richard Barde und Egon Bunne



Solisten

Fiordiligi
Anja Harteros

Dorabella
Susanne Blattert

Guglielmo
Heikki Kilpeläainen

Ferrando
Marc Clear

Don Alfonso
Georg Zeppenfeld






Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Oper Bonn
(Homepage)




Da capo al Fine

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