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Cavalleria rusticana

Melodrama in einem Akt
Text von Giovanni Targioni-Tozzetti und Guido Menasci
Musik von Pietro Mascagni

I Pagliacci

Drama in zwei Akten
Musik von Ruggero Leoncavallo
Text vom Komponisten

Aufführung in italienischer Sprache

Premiere am Schillertheater Nordrhein-Westfalen
in Wuppertal am 1.6.1997

Besetzung
Rezension
Fazit
Fotos
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Von Meike Nordmeyer



Besetzung

Musikalische Leitung: Thomas Leyer
Inszenierung: Gabriele Rech
Bühne und Kostüme: Jean Bauer
Dramaturgie, Regiemitarbeit: Carin Marquardt
Chorleitung: Nandor Ronay

Cavalleria rusticana:

Santuzza	-	Richetta Manager
Lucia		-	Eva Tamulénas
Turiddu		-	Ingus Petersons
Alfio		-	Adam Hollmann
Lola		-	Anke Sieloff

I Pagliacci:

Canio,
in der Commedia Pagliaccio	-	Christian Franz
Nedda,
in der Commedia Colombina	-	Ines Krome
Tonio, 
in der Commedia Taddeo		-	Nikolai Miassojedov
Peppe				-	Bernhard Schneider
Silvio				-	Bernhard Spingler
Zwei Bauern			-	Ferenc Cserhalmi
                                  	Jerzy Kwika
Sinfonieorchester Wuppertal
Chor und Extra-Chor des Musiktheaters Gelsenkirchen
Ölberg Kinderchor Wuppertal
Huhntrainer: Maik Rohr



Das Leben, das Spiel und der Tod -
Gelsenkirchener Inszenierung von "Cavalleria" und "Bajazzo" hatte Premiere in Wuppertal

Die "Cavalleria rusticana" und der "Bajazzo", die beiden Hauptwerke des italienischen Verismus - immer wieder stehen diese beiden Opern gemeinsam auf dem Programm, obwohl sicher auch einmal Kombinationen mit anderen Werken erprobt werden könnten. Es sieht sich der Regisseur oder die Regisseurin eines solchen wiederkehrenden Ereignisses also vor die Anforderung gestellt, etwas über die Beziehung dieser beiden beliebten Opern auszusagen. In der Regel wird die Verknüpfung der Werke angestrebt, wie auch in der Gelsenkirchener Inszenierung von Gabriele Rech, die jetzt in Wuppertal Premiere hatte. Den Prolog der zweiten Oper, des "Bajazzos", stellt die Regisseurin bereits der "Cavalleria", und somit dem ganzen Opernabend voran. Dies ist zwar nicht neu, aber durchaus schlüssig, besingt der Schauspieler Tonio doch die Beziehung von Schein und Sein, und stellt fest, daß nur das wirkliche Leben die Kunst, insbesondere das Theater, bedienen kann. Schlüssig ist damit auch, daß die reisenden Schauspieler das Eifersuchtsdrama der "Cavalleria" als Gäste in diesem Dorf zunächst miterleben. Die Erfahrungen wirken bei ihnen gleichsam als Nährboden, so daß ihre eigene Geschichte während einer Theatervorstellung schließlich zur Katastrophe führt: Die Grenzen von Spiel und Leben entgleiten, fest steht allein nur noch der Tod.

Eine weitere Verbindung der beiden Opern erreicht die Regisseurin durch Überraschungseffekt: Bevor die letzten Takte der "Cavalleria" ganz verklungen sind, tritt mit großem Hallo die Schauspielertruppe herein und wirbt für ihre abendliche Aufführung. Das Orchester spielt die ersten Takte des "Bajazzos" auf, bricht dann aber jäh ab und - es ist Pause.

Sicher, so nah liegen Schmerz und Heiterkeit beieinander im dörflichen Leben, so schnell geht das Treiben laut und heiter weiter, auch nach einem Todesfall. Die Worte Canios "È un spettacolo", nach denen abgebrochen wird und die daher programmatisch im Raume stehen bleiben, verweisen sinnig wieder auf die Einsicht: Das ganze Leben ist ein Spiel... Dennoch wirkt diese Art der Verbindung beider Opern über die Pause hinweg doch eher plakativ und gewaltsam. So bleibt es auch überflüssig demonstrativ, wenn Turiddu, der Tote aus der ersten Oper, während des "Bajazzos" im Gasthaus des Dorfes aufgebahrt wird. Weitere Konsequenzen über die äußere Vorführung hinaus hat die Vereinigung beider Opern denn auch nicht.

In der "Cavalleria" fällt bereits die sorgsam gearbeitete und bewegte Personenführung der Inszenierung auf, denn diese wird sehr konzentriert umgesetzt vom Chor und den Solisten. Manchmal erweist sich das Gegenüberstellen von Männern und Frauen im Dorf allerdings doch als etwas einfach gestrickt. Überzeugend gestalten die Sänger sowohl ihr Spiel als auch den Gesang. Richetta Manager gibt mit ihrer starken Ausstrahlung eine eindrucksvolle Santuzza ab, und sie verfügt über das richtige Timbre und die nötige Tiefe für diese Partie. Sie könnte allerdings mit der Intonation etwas sorgsamer umgehen, man wird den Verdacht nicht los, daß sie gewisse Unsauberkeiten für Ausdrucksmittel hält. Turiddu wird von der Regie vor allem als Muttersöhnchen gezeichnet. Er ist einfach nur überfordert mit der Situation, in die er geraten ist. Diese einspurige Charakterisierung bringt Ingus Petersons als Turiddu um einiges seiner Gestaltungsmöglichkeiten, dennoch konnte er in seiner Rolle zufriedenstellen, ebenso wie Eva Tamulénas als Lucia.

Das Orchester vermag die Sänger in ihrer guten Leistung leider gar nicht zu unterstützen. Es fehlt an Führung des Dirigenten, an Linie und Eleganz, die Spannung der Musik wird nicht vermittelt. Allzuhäufig sind Bühne und Orchester nicht zusammen. Im "Bajazzo" bessert sich der Ton aus dem Orchestergraben glücklicherweise, die Musik scheint dem Dirigenten Thomas Leyer etwas besser zu liegen, und Spannung kommt endlich auf.

Auch die Inszenierung legt an Intensität im "Bajazzo" gehörig zu. Anspruchsvoll wird die Spannung ausgespielt von den Solisten. Mit schöner Stimme, bewegt und facettenreich, gestaltet Ines Krome die Partie der Nedda. Ein klangvolles jugendliches Paar bildet sie zusammen mit Bernhard Spingler als Silvio. Außerordentlich packend gelingt Christian Franz seine Darstellung des Canio, bzw. des Bajazzos. Mit seiner großen, metallischen Stimme, die Franz differenziert zu führen weiß, gerät seine Arie "Recitar - Vesti la giubba" zum Aufschrei des Schmerzes. Franz verkörpert darüber hinaus seine Rolle auch gestisch besonders ausdrucksstark. Wahnhaft und zerüttet zeigt sich sein Bajazzo, aber auch zerbrechlich, ebenso die zarte, verzweifelte Liebe des Ehemanns flackert auf. Unausweichlich treiben in dieser dichten Inszenierung mit dem starken Spiel der Solisten die Ereignisse dem tödlichen Ende zu. Dieser "Bajazzo" bleibt in Erinnerung.




Fazit

Neben einer nicht ganz überzeugenden Verknüpfung der beiden Opern, bietet die Inszenierung eine dichte, bewegte Personenführung. Eindrucksvoll gelingt den Sängerschauspielern die Darstellung des "Bajazzos", in der vor allem Franz' Leistung in der Titelrolle herausragt. Die Leitung des Orchesters bildet einen erheblichen Schwachpunkt der Aufführung.


Fotos
(Rudolf Finkes)




Weitere Aufführungen

Juni: 11.,14.,

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