Besetzung
Floria Tosca, berühmte Sängerin - Caroline Thomas Mario Cavaradossi, Maler - Salvatore Ragonese Baron Scarpia, Chef der Polizei - Willem Laakmann Cesare Angelotti, politischer Flüchtling - Jari Saarmann Der Mesner - Mark Coles Sciarrone, Gendarm - Donald Rutherford Spoletta, Polizeiagent - Wolfgang Theis / Ulrich Gentzen Ein Schließer - Eberhard Kaehler Ein Hirt - Dominique Lepeudry Ein Offizier - Alexandros Tsihlin / Lars Hübel
Herausragend an der Premiere in Münster war die musikalische Umsetzung des Werkes von Puccini. Das Orchester brillierte sowohl durch den im Ensemble fein abgestimmten Klang, als auch durch die enorm dynamische Spannbreite vom leisesten pianissimo zum kraftvollen, wuchtigen fortissimo; die dadurch entstandenen Klangbilder wurden aufs höchste der Komposition Puccinis gerecht. Das Publikum spürte, daß die Musiker nicht nur mit Präzision und Konzentration, sondern eben auch mit der erforderlichen Leidenschaftlichkeit dabeiwaren.
Eine ebensolche Leidenschaft wurde natürlich auch von den Solisten auf der Bühne erwartet. "'Tosca' ist ein ausgesprochen starkes Werk, sowohl hinsichtlich seiner Konzeption als auch in bezug auf die Ausführung; für die Hauptrollen sind Sänger mit außergewöhnlichem schauspielerischen Talent erforderlich" (Mosco Carner). Dieses Talent muß Caroline Thomas in Ihrer Rolle als Tosca unumwunden zugesprochen werden; mit perfektem Auftritt in Bezug auf Mimik, Bewegung und Erscheinung gibt sie authentisch ein "emotionales Wildwesen ab, von dem alle Männer träumen". Jedoch bleibt hinter diesem konsequent hervorragenden Auftritt ihre sängerische Leistung zurück. Man gewinnt eher den Eindruck, Ihre musikalische Karriere im Laufe der drei Akte nachvollziehen zu können. Zu Beginn eine viel zu dünne Intonation, wodurch besonders die tiefen und schwachen Töne unmelodiös hervorkommen. Erst ab einer gewissen Tonhöhe und -stärke gewinnt Toscas Tonsprache ihren Gefühlsgehalt. Die von allen musikalisch erwartete Höchstleistung erreicht Caroline Thomas allerdings erst im dritten Akt - und somit gerade noch rechtzeitig - bevor der Vorhang fällt.
Geradezu im krassen Gegensatz dazu steht die schauspielerische Leistung des Salvatore Ragonese alias Mario Cavaradossi. Steif und unbeweglich trägt er sein erstes Arioso ("Recondita armonia") vor. Nichts zu bemerken von einem leidenschaftlichen, impulsiven Künstler. Diese statische, im positiven Sinne vielleicht auch als lethargisch zu definierende Darstellungsweise, kommt ihm im dritten Akt natürlich zugute. Seine sängerischen Qualitäten entwickeln sich parallel zu denen der Tosca. Somit sichert auch er sich einen gelungenen Abgang.
Absolut überzeugend war hingegen sowohl im Hinblick auf seine sängerischen Qualitäten als auch im Hinblick auf sein spielerisches Engagement Willem Laakmann in der Rolle des scrupellosen Polizeichefs Vitelio Scarpia.
Der bereits zu Beginn angesprochene veristische Anspruch des Stückes wurde durch Frank Bernd Gottschalks Regie ganz einfach dadurch umgesetzt, daß er eine absolut klassische Inszenierung realisierte. Das Bühnenbild, den Kapazitäten des Großen Hauses angepaßt, gab sich entsprechend den Vorgaben der historischen Schauplätze. Ebensowenig wurde bei Requisiten und Köstümen herumexperimentiert. Beeindruckende Roben und im jeweils angepaßten Licht funkelnder Schmuck unterstrichen Toscas Auftritte als hochverehrte Diva, als Primadonna und Glamourwesen.
An einigen - wenigen - Stellen hätte man sich jedoch ein etwas Mehr der Inszenierung wünschen können. So hatte das Te Deum nur eine musikalische, aber nicht wie in der Oper gewünschte visuelle Wirkung; und auch die Personenführung - gerade während der Freudenszene in der Kirche Sant´Andrea della Valle - wirkten unkoordiniert und eher hilflos.
Somit rettete sich der Betrachter über die ersten beiden Akte mit wunderbaren Eindrücken in musikalischer Hinsicht durch das Orchester, in visueller Hinsicht durch Bühnenbild, Requisiten und Roben hinweg zum dritten Akt, der dann allerdings auch durch sängerische Leistungen die Premiere abrundete.
Ein absolut begeistertes Münsteraner Publikum, daß ganz außerordentlich die Solisten, das Orchester und die Regie durch Standing ovations bedachte, gab somit dem Ensemble recht:
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