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Der Freischütz

Romantische Oper in drei Aufzüge
von Carl Maria von Weber



Premiere im Grossen Haus der Städtischen Bühnen Münster
am 5. September 1998
Besuchte Aufführung am 9. September 1998

Von Gerhard Menzel / Fotos von Michael Hörnschemeyer




Ein deutscher Alptraum
"Finstere Mächte" verführen das Volk

WILLKOMMEN SCHÜTZENBRÜDER

Ein riesiges Spruchband mit dieser Aufschrift begrüsst das Publikum beim Eintritt in den Zuschauerraum. Die Bühne, ein grosser, weisser Raum mit Balkon und hohen Fenstern, erinnert an einen geräumigen Festsaal, an dessen Seiten zahlreichen Fahnen von Schützenvereinen aufgestellt sind. Der "Hausmeister" (?) gewährt einem Mann Einlass in den Raum (wie sich später herausstellt, ist dies der Kantor). Er begrüsst das Publikum mit:

O mein herrliches deutsches Vaterland,
wie muß ich dich lieben, wie muß ich für dich schwärmen,
wäre es nur, weil auf deinem Boden der "Freischütz" entstand.

Richard Wagner

Hiernach erklingt die Ouvertüre.

MÜNSTER: 
Der Freischütz Max (Thorsten Scharnke) wird von Caspar (Renatus Mésznár) bedrängt, seinen Ideen zu folgen.

Gleich zu Beginn der Auffürung wird klar, dass hier nicht ein pseudoromantisches Märchen, sondern eine "anstössige" Geschichte aus dem Leben auf die Bühne gebracht werden soll. Mit "anstössig" ist hierbei gemeint, dass sie Denkanstösse vermitteln soll - was auch wirklich gelingt, wie man bei den Reaktionen des Publikums durchaus feststellen konnte.

Passend zu dieser Produktion ist im Foyer - auf jeden Fall noch bis Mitte November - eine Ausstellung zu sehen, die zum Gedenkjahr des Westfälischen Friedens (1648 - 1998) vom Theaterring Volksbühne Münster e.V. und der Christlichen Theatergemeinde für Münster und das Münsterland e.V. unter der Leitung von Dr. Gisela Schwarze zusammengestellt wurde: Der Krieg und die Stadt Münster 1939 - 1945. Eine historische Fotoinstallation.

Gerade Jugendlichen, sei diese Ausstellung und dieser Freischütz - möglichst noch vor den Wahlen - sehr empfohlen!

Zur szenischen Umsetzung durch Regisseur Peter Beat Wyrsch sei nur so viel bemerkt (Details sollen hier nicht verraten werden!), dass sie äusserst intensiv und spannend ist und weder gegen das Stück, bzw. die Handlung, noch gegen die Musik inszeniert ist. Manche Gesten in der Personenführung mögen zwar etwas übertrieben wirken, aber im Zusammenhang werden sie durchaus verständlich.

Das sich an Traditionen klammernde Volk, das verzweifelt nach einem politischen Zusammenhalt sucht und den der Fürst Ottokar nur unzulänglich vermitteln kann, die Ängste des Max, die Verzweiflung des Caspar und das "Wilde Heer", vor dem man wirklich entsetzt zusammenzuckt, wann hat man dieses schon mal so treffend und hautnah erleben können?!

MÜNSTER: 
Der Freischütz Ännchen (Anke Krabbe) versucht Agathe (Caroline Thomas) aus ihren Angstträumen zu reissen.

Auch musikalisch kann diese Produktion durchaus bestehen. Die Partie der Agathe scheint Caroline Thomas - zumindest vom Typ her - zwar nicht besonders zu liegen, aber musikalisch war sie einwandfrei. Entsetzlich waren allerdings ihre gesprochenen Dialoge! Der Max war mit Thorsten Scharnke respektabel besetzt und Renatus Mésznár als Caspar kostete all seine "Triebhaftigkeit" voll aus.

Herausragend aus dem Ensemble war allerdings Anke Krabbe als quirliges Ännchen. Sowohl darstellerisch, als auch stimmlich, stahl sie allen die Show. Von ihr kann man in Zukunft wohl noch einiges erwarten!

MÜNSTER: 
Der Freischütz Caspar (Renatus Mésznár) steigt in die Wolfsschlucht hinab, wo ihn Samiel (Georg Zeppenfeld) erwartet.

Nur einer konnte noch ähnlich überzeugen: Georg Zeppenfeld als Samiel, der "Schwarze Jäger", bzw. als Eremit .... (seine Partie(n) bildet/n bei dieser Produktion übrigens ein konzeptionelles Zentrum).

Will Humburg liess das Symphonieorchester der Stadt Münster beherzt aufspielen und sorgte durch die vielen dynamischen, klanglichen und tempomässigen Abstufungen für eine farbige und ungemein spannende musikalische Interpretation (kleine Unpässlichkeiten konnte man dabei wohlwollend überhören).


FAZIT:

Musikalisch auf gutem Niveau und szenisch ungeheuer intensiv und packend. Für Freunde des Musiktheaters unbedingt empfehlenswert!!!

Logo: Städtische Bühnen Münster

Musikalische Leitung
Will Humburg

Regie
Peter Beat Wyrsch

Ausstattung
Dieter Klaß

Choreinstudierung
Peter Heinrich

Dramaturgie
André Meyer


Solisten

Ottokar, bhömischer Fürst
Radoslaw Wielgus

Cuno, sein Erbförster
Donald Rutherford

Agathe, dessen Tochter
Caroline Thomas

Ännchen, deren junge
Verwandte und Freundin
Anke Krabbe

Caspar, erster Jägerbursche
Renatus Mésznár

Max, zweiter Jägerbursche
Thorsten Scharnke

Ein Eremit / Samiel,
der "Schwarze Jäger"
Georg Zeppenfeld

Kilian, ein reicher Bauer
Ulrich Gentzen

1. Brautjungfer
Anne Baensch

2. Brautjungfer
Ingrid Klinkhammer

3. Brautjungfer
Gabriele Marnet-Tsihlis

4. Brautjungfer
Lawinia Kepetzis

Kantor
Eberhard Kaehler



Statisterie der Städtischen
Bühnen Münster

Chor und Extrachor der Städtischen
Bühnen Münster

Symphonieorchester
der Stadt Münster


Weitere Aufführungen

September '98: 20., 22.
Oktober '98: 2., 8., 16., 20.
November '98: 19., 25., 29.
Januar '99: 24.
Februar '99: 11.



MÜNSTER: Der Freischütz

Radoslaw Wielgus (Ottokar),
Donald Rutherford (Cuno),
Max (Thorsten Scharnke)
und Herren des Chores






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