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Xerxes oder Der verliebte König


Oper von Nicolò Minato und Christian Postel

Musik von Georg Friedrich Händel

In deutscher Sprache

Premiere im Studio des Theater Mönchengladbach am 22.5.1997

Besetzung
Rezension
Fazit
Fotos
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Von Gerhard Menzel




Besetzung

Musikalische Leitung: Ulrich Wagner
Choreinstudierung: Georg Menskes
Inszenierung: Ludger Engels
Bühne und Kostüme: Annette Mahlendorf
Dramaturgie: Wolfgang Mika
Videoproduktion: Thomas Manglitz

Xerxes		-	Rachel Tovey
Arsamenes	-	Mikhail Lanskoi
Amastris	-	Hale Al.Orfali
Romilda		-	Debra Hays
Atalanta	-	Michaela Mehring
Ariodates	-	John T. Gates
Elviro		-	Magnus Baldvinsson

Chor der Vereinigten Städtischen Bühnen (Kammerbesetzung)
Die Niederrheinischen Sinfoniker



Ein stürmisch gefeierter Xerxes - Atalanta als "Drahtzieherin" der Macht

Was dem Produktionsteam Ludger Engels (Inszenierung), Annette Mahlendorf (Bühne und Kostüme), Wolfgang Mika (Dramaturgie) und Ulrich Wagner (Musikalische Leitung) mit dieser Einstudierung im Studio Mönchengladbach gelungen ist, grenzt schon an eine kleine Sensation. Natürlich war in diesem Rahmen keine barocke Ausstattungsoper zu realisieren. Auch mit barocker musizierweise hatte diese Produktion nichts im Sinn. Statt dessen wurde man gleich zu Beginn - das Publikum durfte erst bei den ersten Klängen der Ouvertüre hinter dem einziehenden Chor das Studio betreten und seine Plätze einnehmen - in den turbulenten Strudel der Gefühle hineingezogen und nicht wieder daraus entlassen.

Liebe, Hass, Eifersucht, Hoffnung, Rache und Tod sind die treibenden Momente, die durch Händels Musik in mannigfaltiger Variation und Kombination zu einer abwechslungsreichen Abfolge gegliedert werden, wobei auch das komische Element - durch die Partie des Dieners Elviro - nicht zu kurz kommt. Ein vorzügliches Ensemble sorgt mit einsatzfreudigem Spiel und musikalischer Ausdruckskraft für eine spannende Entwicklung der Geschehnisse, die ihren Höhepunkt am Ende des Stückes erreicht und für einen unerwarteten Ausgang sorgt.

Ein weisses Podest, zwei verschiebbare Stellwände, auf deren Stoffbespannung sowohl Videosequenzen von fallenden Blättern, stürzendem Wasserfall oder lodernden Flammen projiziert werden (Thomas Manglitz), als auch die Konturen von Händen und Gesichtern sichtbar werden, und ein ebenfalls weisser "Stufenthron" vor weiss ausgehängtem Hintergrund bilden einen übersichtlich gegliederten weissen Bühnenraum, in dem sich die Protagonisten mit ihren charakteristischen und farbenprächtigen Kostümen äusserst wirkungsvoll in Szene setzen (Annette Mahlendorf). Kleine Schaukästen, die gleichzeitig Aquarium wie Reliquienschrein sein können, sind weitere Farbtupfer und Symbolträger einer von Ludger Engels bis ins Kleinste ausgefeilten Personenregie.

Dirigent Ulrich Wagner und die Mitglieder der Niederrheinischen Sinfoniker musizierten Händels Musik mit Engagement und aller - in diesem Rahmen - möglichen Differenziertheit und Lebendigkeit.

Mit Ovationen gefeiert wurde vor allem Rachel Tovey als monströses Riesenbaby, das in heiklen Situationen immer seinen - eindeutig männlichen - Teddy sucht und ihn an sich klammert. Was die rassige und willensstarke Amastris/Hale Al.Orfali an diesem kindischen Gecken findet, bleibt ein Rätsel.

Die von Xerxes heiss umworbene Romilda/Debra Hays ist und bleibt die unumstösslich Liebende, die auch in den zweifelhaftesten Momenten ihrem zum Teil völlig irritierten Geliebten Arsamenes/Mikhail Lanskoi die Treue hält. Während Elviro/Magnus Baldvinsson die Verwirrung eher noch vergrössert sorgt Ariodates/John T. Gates - wenn auch wieder einmal durch eine Verwechslung - für eine - zumindest kurzzeitige - glückliche Konstellation für das Liebespaar Romilda - Arsamenes.

In diesem Augenblick überfällt Xerxes der Wahnsinn: Rachel Tovey reisst sich die Perrücke vom Kopf, verschmiert die Schminke im Gesicht, spricht und singt in englisch; eine unglaubliche Wahnsinnsszene! Erst als Amastris (Hale Al.Orfali) ihre Identität als rechtmässig Verlobte des Xerxes offenbart wird Xerxes wieder Herr seiner Sinne und findet auch wieder zur deutschen Sprache zurück.

Ende gut, alles gut!? Mitnichten! Die ebenso verführerische wie intrigante Atalanta/Michaela Mehring, die schon von Anfang an versuchte - bis dahin erfolglos - alles nach ihrem Willen bestimmen zu wollen, ergreift die allgemeine Freude und Sorglosigkeit des Schlussgesangs, um einem nach dem anderen zu ermorden und sich vor dem "lammfrommen" Volk selbst auf dem Thron niederzulassen. Nachdem sich alle Akteure - zur Instrumentalversion des "Largo" - entfernt haben bleibt nur noch der erdolchte Teddy im Scheinwerferlicht zurück..




Fazit

Eine unbedingt empfehlenswerte Produktion, die aus der Begrenztheit ein Übermass an Lebendigkeit und Begeisterung entstehen lässt.


Fotos
(von Matthias Stutte)




Weitere Aufführungen

Mai '97: 25., 31.
Juni '97: 4., 22.
Juli '97: 1.


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