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Die verkaufte Braut
Oper von Bedrich Smetana
Komische Oper in 3 Akten
Text von Karel Sabina

Textfassung der Oper Leipzig, nach der Übersetzung
von Winfried Höntsch und Carl Riha

Premiere in der Oper Leipzig
am 20. Februar 1999

Spieldauer etwa 2 3/4 Stund - Pause nach dem 2.Akt

Von Nadja Naumann / Fotos von Andreas Birkigt



Gratwanderung zwischen Tradition und Gegenwart

Bedrich Smetana (1824-1884) schrieb eher unbeabsichtigt mit der komischen Oper "Die verkaufte Braut" die tschechische Nationaloper schlechthin. Bis heute ist sie es geblieben. Der eigentliche Grund für ihn, eine komische Oper zu schreiben war, seinen ärgsten Kritikern zu beweisen, eben nicht ein verschriener Wagnerianer zu sein. Uraufgeführt wurde das Werk am 30. Mai 1866 - jetzt erlebte es in Leipzig seine Premiere.

Foto: Leipzig / Die verkaufte Braut Foto 1:
Christoph Stephinger (Kezal) und Louis Gentile (Hans)

Stark geprägt ist die Musik von bodenständig-rustikalen, spielerisch-filigranen und dramatisch expressiven Elementen, nicht zu vergessen die Volkstänze wie Polka und Furiant. Die glanzvolle Ouvertüre, am Dirigentenpult Jiri Kout, wurde phanstastisch vom Gewandhausorchester gespielt.

Das Bühnenbild mag hier möglicherweise in einem krassen Gegensatz zu der zauberhaften Muskik stehen. Grau ist es, abstrahiert zu einer Anklage gegen das Verschwinden der dörflichen Idylle von Smetana, die es so kaum noch gibt (Bühnenbild Hans Dieter Schaal). Folkloristische Elemente in den Kostümen (Uta Winkelsen) werden in der ersten Szene sehr stark stilisiert.

Foto: Leipzig / Die verkaufte Braut Foto 2:
Louis Gentile (Hans) und Chor

Genial ist die schauspielerische Leistung aller Künstler auf der Bühne, bei dieser einfallsreichen Inszenierung (Nicolas Brieger, Choreographie Tomasz Kajdanski). Oper wird hier erlebbar gemacht.

Das Thema ist Geld und Handel. Gehandelt wird mit Marie (Snezana Stamenkovic), sie soll an Wenzel (Jörg Schörner) als Braut verkauft werden und zwar von Kezal (Christoph Stephinger), dem Heiratsvermittler. Maries Eltern (Cornelia Wulkopf und Jürgen Kurth) stehen in seiner Schuld. Marie liebt aber Hans (Luis Gentile), der noch nicht sehr lange im Dorf lebt.

Gewitzt und mit bäuerlicher Schläue geht es bei Smetana zu. Die Verwicklungen und Verwirrungen lösen sich am Ende in Wohlgefallen auf. Stimmlich und musikalisch ist diese Produktion ein Genuss. Jörg Schörner als stotternder Wenzel unterstreicht einmal mehr mit seinem Talent das Komische in dem Werk. Schön das Duett "Komm mein Söhnchen auf ein Wort" zwischen Christoph Stephinger in der Rolle des Kezals und Louis Gentile (Hans). Snezana Stamenkovic ist ungemein ausdrucksstark in der Doppelrolle als Marie und Esmeralda.

Foto: Leipzig / Die verkaufte Braut Foto 3:
Jürgen Kurth (Kruschina, ein Bauer) und Cornelia Wulkopf (Ludmila, seine Frau) mit Snezana Stamenkovic (Marie/Esmeralda) und Christoph Stephinger (Kezal)



FAZIT:

Auf den ersten Blick mag sich der Besucher an dem ungewöhnlichen Bühnenbild stossen, die Meinungen des Publikums waren sowohl positiv als auch negativ. Allerdings kann man den immer stärker werdenen Opern inszenierenden Theaterregisseuren einen Zeitbezug verdanken, denn die Oper ist alles andere als tot. Gesanglich ist es phantastisch. Da Jiri Kout nach dieser Spielsaison in Pension geht, sollte man sich diesen musikalischen Hochgenuss keinesfalls entgehen lassen.

Logo: Oper Leipzig

Musikalische Leitung
Jiri Kout

Inszenierung
Nicolas Brieger

Bühne
Hans Dieter Schaal

Kostüme
Uta Winkelsen

Dramaturgie
Maria Müller

Choreographie
Tomasz Kajdenski

Choreinstudierung
Anton Tremmel


Solisten

Kruschina, ein Bauer
Jürgen Kurth

Ludmila, seine Frau
Cornelia Wulkopf

Marie/Esmeralda
Snezana Stamenkovic

Wenzel
Jörg Schörner

Hans
Louis Gentile

Kezal
Christoph Stephinger/Tomasz Koniecny

Micha, Grundbesitzer
Hidekazu Tsumaya

Agnes, seine Frau
Annelott Damm


Opernchor

Gewandhausorchester



Weitere Informationen

Oper Leipzig
(Homepage)



Weitere Aufführungen am
20., 23. und 30. Mai 1999


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