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Tosca

Oper in drei Akten
Musik von Giacomo Puccini
Libretto nach Victorien Sardou
von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln



Premiere an den Bühnen der Stadt Köln
am 8. Mai 1998


Von Meike Nordmeyer / Fotos von Klaus Lefebvre






Liebe in Zeiten der Tyrannei


Uwe Hergenröder läßt in seiner Tosca-Inszenierung neben der Liebesgeschichte auch das politische Drama zur Geltung kommen. Rom wird von Scarpia und seinen Schargen kontrolliert und mit grausamer Willkür beherrscht. Doch Napoleons Truppen rücken vor in Richtung Rom, und ihren Sieg erhoffen die Gegner Scarpias, die zahlreichen politisch Verfolgten. So auch Cavaradossi, der versucht Angelotti zu schützen und deswegen selber in Haft und Folter kommt. Aber nicht allein wegen seiner politischen Gesinnung wird er gefangen genommen, sondern vor allem auch, weil er der Geliebte von Tosca ist. Die Politik ist mit den Privatgelüsten des Tyrannen eng verknüpft - das vor allem wird beklemmend deutlich in der Kölner Inszenierung.

Die Szene beginnt in einem kargen Bühnenbild, der dunkle Innenraum der Kirche wird nur angedeutet, im Vordergrund steht allein das enorm große Malergerüst des Cavaradossi, und auf die Rückwand ist riesengroß der Stadtplan von Rom projiziert. Das ist genug um das Spannungsfeld, in dem die Geschichte sich abspielt, ausdrucksstark zu eröffnen. Wenig profiliert ist dagegen, daß die Kostüme ebenso wie das Auftreten und die Gesten der handelnden Personen doch allzu bieder bleiben. Tosca sieht aus wie immer und tritt auf wie eh und je: suchend sich in der Kirche umschauend mit Lilien im Arm. Der Chor spielt die Gläubigen mit Inbrunst und Kniefall usw. Hier hätte man doch auch mehr arbeiten können als nur das Übliche walten zu lassen. Immerhin singt Tosca später ihr "Vissi d'arte" nicht auf Knien und es werden dem ermordeten Scarpia diesmal keine Kerzen beiseite gestellt...

Scarpias erster Auftritt wird äußerst wirkungsvoll gebracht, mit Paukenschlag erscheint er plötzlich mitten in der Menge der Kirchgänger, bedrohlich mit schwarzem Umhang und schlankem gefährlichen Hund. Köln: Tosca Scarpia ist ein Gebrechlicher, das zeigt sich alsbald trotz des diabolischen Chics, mit dem er sich umgibt. Er humpelt und sein Gesicht ist durch Narben entstellt. Der Schwache erweist sich in der Verwendung seiner Macht als besonders gnadenlos. Dieser Charakterzug ist grausam überzeugend.





Die Szenen im Palast machen die doppelte Schicht der Story augenfällig: im Vordergrund sucht Scarpia Tosca zu verführen und alsbald zu zwingen, während im Hintergrund das Personal seines Geheimdienstes fieberhaft an dem übergroßen Stadtplan von Rom recherchiert. Köln: Tosca

Die bestialischen Gepflogenheiten dieser Machtmaschinerie zeigen sich dann bei den Kerkerszenen: Scheinexikutionen werden durchgeführt, um die Todeskandidaten vorab psychologisch zu zermürben. Das ist überzeugend von der Regie in Szene gesetzt und paßt besonders zu der Schein-Scheinexikution, mit der die Geschichte enden wird. Eine interessante Inszenierung, die geboten wird in Köln, sie macht die verschiedenen Schichten des Dramas sichtbar und entwickelt die bedrohliche Atmosphäre, in der die Liebesgeschichte zwischen Tosca und Cavaradossi aufglüht.

Musikalisch lebt die Aufführung vor allem von dem herausragenden Gesang von Georgina Lukacs als Tosca. Sie hat das Feuer der eifersüchtigen Tosca, das Temperament in der Stimme, mit der sie auch alle Extreme der Partie bravourös gestaltet. Der Ausdruck von Empfindsamkeit und Verzweiflung tritt allerdings dagegen etwas zurück, er ist seltener zu hören. Der Tosca ebenbürtig ist Paul Lyon als Cavaradossi mit kräftiger, metallener und schöner Stimme. Als sehr überzeugend in Gesang und schauspielerischer Darstellung erweist sich Ned Barth als Scarpia. Das Orchester spielt mit großen Engagement, dabei sehr genau. Weniger werden allerdings unter Rico Saccanis Dirigats die Nuancen und Zwischentöne der musikalischen Erzählung herausgearbeitet. Hierin entsprechen sich Orchester und Solisten.




FAZIT

Die Inszenierung schöpft die beiden Seiten der Geschichte aus, das politische Drama und die Liebesgeschichte, der Zusammenhang wird spannend und plastisch dargestellt. Im Ausdruck der Personen bleibt einiges allerdings recht brav und bieder. Musikalisch ist die Vorstellung vor allem kraftvoll und feurig in den Stimmen und im Orchester. Besonders Georgina Lukacs als Tosca beeindruckt.

Logo: Bühnen der Stadt Köln







Musikalische Leitung
Rico Saccani

Inszenierung
Uwe Hergenröder

Ausstattung
Carlo Diappi

Choreinstudierung
Albert Limbach

Licht
Manfred Voss

Dramaturgie
Barbara Maria Zollner


Solisten

Tosca
Georgina Lukacs

Cavaradossi
Paul Lyon

Scarpia
Ned Barth

Angelotti
Andrew Collis

Mesner
Ulrich Hielscher

Spoletta
Philip Doghan

Sciarrone
Tobias Scharfenberger

Schließer
Francisco Vergara

Hirt
Oliver Roskopf



Gürzenich-Orchester Kölner
Philharmoniker
Opernchor der Bühnen der
Stadt Köln
Knaben des Kölner Domchores
und Mächenchor am Kölner Dom
Einstudierung Eberhard Metternich
und Oliver Sperling





Weitere Aufführungen

Juni '98: 3., 7., 10., 14., 19., .,








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