Premiere an den Bühnen der Stadt Köln am 6. Dezember 1996
Laura Karan Armstrong Eduard Andrzej Dobber Der schöne Herr Herrmann Sidwill Hartmann Herr M. Matthias Klink Frau M. Dalia Schaechter Hoteldirektor Klaus Bruch Standesbeamter Ulrich Hielscher Fremdenführer Johann Smari Saevarsson Oberkellner Darren Jones Zimmermädchen Laura Cabiria 6 Manager Matthias Klink, Erlingur Vigfusson, Darren Jones, David Aston, Klaus Bruch, Andrew Collins Cellistin Franziska Leube Pianisten Glenn Lewis, Michael Avery, Howard Lubin
"Neues vom Tage", 1929 entstanden, ist eine Satire auf die große romantische Oper. Ein bewußt banales Sujet, parodistische Elemente und Anklänge an Jazz und Varieté machen die Nähe zu Brecht und Weill deutlich und hatten damals wohl einigen provokanten Gehalt, der für das Werk substantiell ist. Inzwischen hat sich das Medium Oper gegenüber so vielen Provokationen als resistent erwiesen, daß auch Hindemiths raffiniert konstruiertes Opus museale Patina angesetzt hat.
Die Handlung: Laura und Eduard wollen sich scheiden lassen, benötigen aber der Bürokratie wegen einen handfesten Scheidungsgrund. Den liefert der eigens dafür engagierte schöne Herr Hermann, der seine Rolle allerdings etwas überzieht und Laura auch nach Erfüllung seines Auftrages noch im Bade nachstellt. Die Scheidung, die zum öffentlichen Ereignis mutiert, schmiedet das Ehepaar unerwartet wieder zusammen, doch jetzt ist es zu spät: Das Volk fordert "Neues vom Tage", sprich die Fortsetzung des Boulevard-Dramas.
Die Musik ist teils konkret parodistisch, etwa im "gestellten" Liebesduett zwischen Laura und dem schönen Herrn Hermann , das so ziemlich alles zwischen Wagner, Korngold und Puccini aufgreift, teils Verschnitt amerikanischer Tanzformen, teils das, was Hindemith sich unter Parlando vorgestellt hat. Zur Ruhe kommt diese Musik nie, alles ist ständig in Bewegung, jeder geringfügig längere Notenwert macht sofort mißtrauisch, ob es sich hier nicht um eine Falle handelt. Kurz: Die Musik raubt einem den letzten Nerv. Das hat der Komponist wohl auch so geplant, und es ist adäquates Ausdrucksmittel für das Sujet, das ja auch die Kurzlebigkeit und Hektik der 20er Jahre widerspiegelt.
Obwohl sich an der vordergründigen Aktualität nichts geändert hat, funktioniert die Dramaturgie nicht mehr recht: So "lustig", wie Hindemith und Schiffer die Oper ironisch überschrieben haben, ist sie nun auch nicht. 1929 mag man noch schallend gelacht haben, wenn eine Dame im Bad die Segnungen der Warmwasserversorgung arios besingt, heute trägt das nicht mehr über 2 Stunden hinweg. Günter Krämer benötigt einen inszenatorischen Kraftakt und einige Kürzungen, um dem Stück die notwendigen Unterhaltungsqualitäten zu verleihen. Dabei imponiert vor allem der Chor, der nicht nur hervorragend singt, sondern auch spielerisch und tänzerisch Akzente setzt.
Krämers Inszenierung, bis ins Detail ausgefeilt, beläßt den Stoff im Ambiente des Varietés der 20er Jahre, ohne zu konkret zu werden. Die Personenführung reicht vom Klamauk (wenn die Ehefrau mit Kettensäge auf ihren ungeliebten Gatten losgeht) bis zu höchst virtuosen Ensembles, vor allem im "ersten Finale" vor der Pause: Im Museum soll Eduard seine Frau mit dem dafür angemieteten Hermann überraschen, wird aber unversehens wirklich eifersüchtig und verursacht ein ordentliches Chaos. Krämer läßt den Chor über die rotierende Drehbühne hetzen, daß der Zuschauer die Orientierung verliert, die er als Zuhörer im Hindemithschen Tongewirr an dieser Stelle längst verloren hat.
Berühmt-berüchtigt ist die Badeszene, wo Laura, während ihr Gatte im Gefängnis schmort, badend die Vorzüge der Warmwasserversorgung preist. Karan Armstrong tut das überzeugend und offensichtlich mit erheblichem Vergnügen. Ihr zur Seite steht ein gesanglich solides Ensemble, das aber gegenüber dem Chor und dem exzellenten Orchester etwas abfiel.
Das Publikum freute sich am munteren Treiben auf der Bühne und bejubelte das Regieteam. Kleinere Durststrecken bleiben im Rahmen des Erträglichen. Im fast oratorischen Finale gewinnt die Inszenierung dann auch ihren Zeitbezug zurück - die Forderung des Chores nach Sensation spricht für sich und relativiert das vorangegangene Spiel.