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Musiktheater
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Eine Nacht in Venedig

Komische Oper in drei Akten
Musik von Johann Strauß

Premiere am 13. Februar 1999
im Opernhaus Köln

Von Ruth Schmüdderich / Fotos von Klaus Lefebvre




Foto: Köln / Eine Nacht in Venedig Foto 1:
Dorothee Jansen (Annina), Tobias Scharfenberger (Pappacoda) und Chor

Der erste Eindruck von "Eine Nacht in Venedig" läßt einen weniger an Karneval als an Kriegszeiten denken! Denn die Handlung ist in die vierziger Jahre verlegt und so tragen die Leute im ersten Akt triste Alltagskleidung aus dieser Zeit. Dagegen sind die Abendroben der Damen im zweiten Akt sehr elegant und prächtig, zudem sind sie noch auf die Charaktere der Rollen abgestimmt. Später werden diese üppigen Kostüme noch von der Ausstattung der Karnevalisten aus den verschiedensten Epochen übertroffen.

Foto: Köln / Eine Nacht in Venedig Foto 2:
Ulrich Hielscher (Barbaruccio) und Claudia Rohrbach (Coboletta)

So sind die Kostüme wesentlich abwechslungsreicher als das Bühnenbild, das während der ganzen drei Akte im wesentlichen unverändert bleibt. Es stellt im Vordergrund die Trattoria von Papacoda dar, an die sich ein Säulengang anschließt. Hinter diesem fließt Wasser, das an die Augsburger Puppenkiste erinnert, aber sehr stimmungsvoll wirkt. Irritierend ist der Außenbalkon über der Bar der Trattoria. Er erscheint deplaciert in dem ansonsten naturalistischen Bühnenbild, zudem wird er sowieso nur einmal kurz benutzt.

Foto: Köln / Eine Nacht in Venedig Foto 3:
Dorothee Jansen (Annina) und Jürgen Sacher (Caramello)

Von so schwankender Qualität wie das Bühnenbild war auch die Inszenierung. Beispielsweise sind im ersten Akt die Bewegungen der Sänger sehr reduziert, dementsprechend hölzern erscheinen die Akteure, wohingegen die Gruppenszenen im zweiten Akt wesentlich dynamischer sind. Dabei hat der komische Auftritt von Pappacoda (Tobias Scharfenberger) im zweiten Akt schon übertriebenen Elan, der zu sehr zum Klamauk abdriftet.

Foto: Köln / Eine Nacht in Venedig Foto 4:
Dorothee Jansen (Annina) und Chor

Jedoch wäre es wünschenswert, daß die Darsteller mehr Möglichkeit hätten etwas ausgelassener zu agieren, denn so fehlt der Schwung, der von einer Strauß-Operette zu erwarten ist. Nur Claudia Rohrbach als Ciboletta konnte bei einigen ihrer Auftritte das Publikum wirklich in Operetten-Stimmung versetzen. Das lag sicher auch an ihrem ausgesprochenen Talent zur Komödiantin.

Foto: Köln / Eine Nacht in Venedig Foto 5:
Claudia Rohrbach (Coboletta) und Dorothee Jansen (Annina) mit Chor

So ragt sie unter den Akteuren heraus, da sie zu ihrem darstellerischen Können noch eine schöne und volle Stimme hat. An stimmlichen Qualitäten mangelte es ebenso Dorothee Jansen nicht, die allerdings gerade zu Beginn sehr hölzern spielte. Auch die Herren waren gut besetzt. Nur leider trug Jürgen Sachers (Caramello) Stimme anfänglich nicht sehr weit. Besonders erfreulich war bei Tobias Scharfenberger als Papacoda, daß sich eine sehr schöne Stimme mit zumindest einer gewissen Leichtigkeit in der Darstellung verbindet.

Foto: Köln / Eine Nacht in Venedig Foto 6:
Ensemble

Der Opernchor sang trotz seiner riesigen Größe bemerkenswert homogen und akkurat, dementsprechend wurde er auch am Ende beklascht. Viel Applaus erntete auch der Dirigent für seine hervorragende Leistung, der sichtlich bemüht war der Aufführung Schwung zu verleihen, ohne gekünstelt zu wirken. Dazu trugen die herausragend spielenden Streicher bei. Die Verantwortlichen für die Inszenierung wurden am Ende mit Bravo- als auch mit Buh-Rufen bedacht.



FAZIT:

Vom Musikalischen her erfreulich, nur ist die Inszenierung etwas fad.

Logo: Oper Köln

Musikalische Leitung
Manfred Mayrhofer

Inszenierung
Christof Loy

Bühne
Herbert Murauer

Kostüme
Bettina Walter

Chor
Horst Meinardus

Licht
Manfred Voss

Dramaturgie
Hans-Holger Pollack


Solisten

Der Herzog von Urbino
Jon Ketilsson

Delacqua
Michael Vier

Barbaruccio
Ulrich Hielscher

Testaccio
Werner Sindemann

Barbara
Magnea Tómasdóttir

Agricola
Andrea Andonian

Constanzia
Sarah Crane

Centurio, Page des Herzogs
Karen Sourry

Annina, ein Fischermädchen
Dorothee Jansen

Caramello, Leibbabier des Herzogs
Jürgen Sacher

Pappacoda, Maccheronikoch
Tobias Scharfenberger

Coboletta, Zofe Barbaras
Claudia Rohrbach

Enrico Piselli
Bernard Bauer



Gürzenich-Orchester
Kölner Philharmoniker

Opernchor der Bühnen
der Stadt Köln



Weitere Informationen

Bühnen der Stadt Köln
(Homepage)



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