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La clemenzia di Tito


Opera seria in zwei Akten
Libretto von Caterino Mazzolà nach Pietro Metastasio
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

In italienischer und deutscher Sprache /deutsch von Kurt Honolka

Premiere am Schillertheater NRW
im Musiktheater Gelsenkirchen
am 11. Oktober 1996

Besetzung
Rezension
Fotos
weitere Aufführungen


Von Meike Nordmeyer



Besetzung

Musikalische Leitung: Samuel Bächli
Choreinstudierung: Nandor Ronay
Inszenierung: Gabriele Rech
Bühne und Kostüme: Jean Bauer
Titus       Thomas Piffka
Vitellia    Noriko Ogawa-Yatake
Sextus      Anke Sieloff
Annius      Ines Krome
Servilia    Anja Harteros
Publius     Joachim Gabriel Maaß
Philharmonisches Orchester der Stadt Gelsenkirchen
Cembalo: Robert Roche
Cello: Walter Gödde
Harfe: Birgit Gieschke
Bassettklarinette, Bassetthorn: Kerstin Grötsch
Chor des Musiktheaters Gelsenkirchen



Titus - seine Milde grenzt an Wahnsinn

"La clemenzia di Tito" ist immer noch eine selten aufgeführte Oper Mozarts, sie bildete lang genug ein Stiefkind der Mozartrezeption. Eine intensive Beschäftigung mit diesem Werk steht noch aus. Gleichwohl sind in letzter Zeit Versuche zu verzeichnen, die aufzuspüren suchen, daß Mozart mit seinem 'Titus' doch nicht nur in Eile eine rückschrittliche Opera seria verfaßte, sondern auch in diesem Auftragswerk die Bühne dazu nutzte, seinen Zeitgenossen den Spiegel vorzuhalten. Das Tituslibretto von Pietro Metastasio wurde also von Mozart und seinem Librettobearbeiter Mazzolà nicht als Huldigung des Herrschers gestaltet, wie seine Auftraggeber es bestellten, und entsprechend den zahlreich vorangegangenen Vertonungen der Vorlage. Mit seiner vorletzten Oper, so lauten die Thesen, richtet Mozart wieder einmal seinen kritischen Blick auf die Herrscher seiner Zeit, des ausgehenden und bereits in seiner Glaubwürdigkeit stark bröckelnden Aufklärungszeitalter. Ein anspruchsvoller Beitrag zu einer solchen neuen Sicht auf das vernachlässigte Werk Mozarts wurde nun in Gelsenkirchen geboten.

Die konzentrierte Inszenierung von Gabriele Rech kommt ohne große Umbauten aus. Die Verschwörungsgeschichte findet in einem einzigen großen Raum statt, der in dunkelrot, zu schwarz und durch die Beleuchtung zu lila changierend, im neoklassizistisch anmutenden Stile ausgestattet ist und einen Lichthof mit Bad vorstellt. Die römische Zeit wird unmißverständlich angedeutet. Durch die Kostüme jedoch werden die Vorgänge ebenso eindeutig ins 18. Jahrhundert verlegt und lassen das Publikum darauf blicken, was Mozart zu seiner Zeit zu sagen hat. Der Bühnenraum bildet den Begegnungsplatz für die beteiligten Personen, ist der Repräsentationsraum des Kaisers, aber auch für den Senat, und hier sind auch die Thermen, in denen der Kaiser sich labt. Das Wasser in den Becken zeichnet bewegte Lichtreflexe auf die Wände und wird wirklich zum Bade genutzt. Singend steigt Titus ins Wasser, singt und planscht. Das knüpft an den Wuppertaler Einfall an, auch hier gab es einst 'Arien' im Wasser.

Thomas Piffka gestaltete seine Rolle als Titus sehr differenziert und mit psychologischem Profil. Er zeichnete einen aufgewühlten Machthaber. Nachdenklich, voll Sorge, steht er vor dem Modell seines Reiches, der Gedanke, dieses zu beherrschen, ist ihm unheimlich. Liebend und zornig ist Pfiffkas Titus und immer wieder klagend über seine quälende Pflicht zu herrschen, zu der auch wesentlich das Strafen gehört, dem er nicht gewachsen ist. Stimmlich wirkte Piffka jedoch nicht ganz sicher und etwas angestrengt, er wurde aber lockerer im Verlaufe des Abends. Noriko Ogawa-Yatake trat wieder einmal strahlend und stolz auf und bot eindrucksvollen Gesang. Sie verkörperte überzeugend die berechnete erotische Macht der Vitellia. Die vom Publikum nachher dementsprechend gefeierte Leistung des Abends bot Anke Sieloff als Sextus. Mit klarer Stimme gestaltete sie die Partie ausdruckstark, und bot exellente Koloraturen. Auch in Mimik und Gestik machte sie die Verzweiflung des Sextus absolut glaubhaft. Als Sextus stieg auch sie ins Wasser, nicht zum planschen, sondern das verzweifelte Gemüt trieb ihren Sextus umher. Ines Krome bot als Annius ein anspruchsvolles Gegenüber des Sextus. Anja Harteros (Servilia) und Joachim Gabriel Maaß (Publius) komplettierten das hervorragende Ensemble.

Das Orchester unter Samuel Bächli arbeitete das Geschehen auf der Bühne sehr konzentriert auf, machte die Brüchigkeit der Figuren, die Mozart in seiner Musik anlegte, deutlich. Die Holzbläser boten das erforderliche zusammenstimmende Spiel. Der Brand des Kapitols, auf der Bühne am Modell der Anlage dargestellt, an dem selben, an dem Titus zuvor sinnierte, wird vom Orchester durch intensiven, bedrohlichen Klang hörbar gemacht. Gegen das kräftige Spiel des Orchesters mußten sich die Sänger einige Male sehr behaupten, es gelang jedoch allen erstaunlich gut. Bei den sicherlich gut musizierten Ensembles war allerdings der Zusammenklang der Stimmen nicht herauszuhören, sondern eine jede einzelne Stimme hatte sich in den Klang des Orchesters einzufügen.

Im zweiten Akt verdichtet sich das Bild, das Gabriele Rech von Titus zeichnet: der Kaiser, der vorm Herrschen Angst hat. Titus ist der, der nur eins will: verzeihen und milde sein. Es quält ihn seine Herrscherrolle, die ihm solches oft verwehren will. Das ungeheuere Verbrechen, das ihn treffen sollte, scheint ihn nun zum strafen zu zwingen. Als sich Vitellia schließlich als weitere Täterin, ja als Anstifterin zu erkennen gibt, die Pflicht zu verurteilen dadurch nur noch dringender wird, begnadigt Titus doch, nun erst recht. Und diese Vergebung ist Wahnsinn. Besessen von seinem Selbstentwurf als milder Herrscher will Titus sich treu bleiben, und er zeigt es allen, schlägt ihnen seine Güte ins Gesicht, indem er allen verzeiht, obwohl keiner es will. Hier wird die Milde zur Willkür, damit zur Gewalt, auch hier liegt zu fürchtender, inhumaner Machtgebrauch vor. Sextus und Vitellia sind fassungslos, der Senat protestiert, denn sein Urteilsspruch wurde mißachtet und durch ungeheures, unnachvollziehbares Handeln des Kaisers unterlaufen. Titus selbst blickt wahnhaft, auftrumpfend um sich. Der Schlußgesang, in dem alle bitten , Titus der Kaiser möge lange erhalten bleiben, wird statt zum Preisgesang zum höchst sorgenvollen Abschluß.




Fotos




Weitere Aufführungen

Oktober: 18., 20., 27.
November: 8., 17., 22., 30.
Dezember: 5., 7., 29.
Januar: 8., 19.
Februar: 4., 15.
März: 9.


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