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The Black Rider
(The Casting of the Magic Bullet)


Musical von Robert Wilson, Tom Waits und William S. Burroughs

Premiere am Schillertheater NRW
im Musiktheater Gelsenkirchen
am 22.03.1997

Besetzung
Rezension
Fazit
Fotos
weitere Aufführungen
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Von Dr. Jens Wolff



Besetzung

Besetzung Musikalische Leitung: Salvador Caro / Koen Schoots
Inszenierung: Werner Eggenhofer
Bühne: Maren Christensen
Kostüme: Petra Beyer, Anna Sofie Tuma
Choreographie: Bennie Voorhaar
Dramaturgie: Oda Mahnke
Wilhelm		-	Jörn Knebel
Käthchen	-	Marion Plieth
Pegleg		-	Stefan Bergel
Bertram		-	Thorsten Kaphahn
Anne		-	Claudia Visca
Kuno		-	Marcis Lesins
Robert		-	David Schroeder
Bette		-	Patricia Pallmer
Auguste		-	Waldemar Mauelshagen
Petrucchio	-	Pedro Malinowski
Petrosinella	-	Elena Margarolo
Die Band:

Uli Klöpfer* / Wilfried Ressel* (Klarinette); Shunji Kamo* / Uwe Rebers (Fagott); Yoshitake Kuchiba* / Markus Schleich* (Horn); Steve Prott (Posaune); Richard Güth (Gitarre); Günter Jachowiak* (Kontrabaß); Andy Pilger (Schlagzeug); Salvador Caro / Koen Schoots (Klavier / Keyboards)

* Mitglieder der Neuen Philharmonie Westfalen

Statisterie des Musiktheaters Gelsenkirchen




Der Freischütz als Rocky Horror Picture Show

Warum sind unsere Schauspielhäuser und Musiktheater immer nur dann ausverkauft, wenn Altbekanntes und Breitgetretenes zum 1000sten Male auf die Bühne gebracht wird? Es mag der Drang des Deutschen zum Mitklatschen sein. Und die Musik muß gefällig sein, bloß nichts Neues. Zum Mitsingen, immer schön ein Muster einhalten und nie mehr als drei Akkorde verwenden! Lord Webber muß es sein, viel Licht, noch mehr Technik, na klar, Schlagermusik. Bunt gemischt, ‘mal ‘was Neues, überraschend? Um Himmels Willen, doch nicht am Sonntagabend!

Wenn die alte Geschichte des Freischütz, aufgeschrieben 1812 im „Gespensterbuch“ von Friedrich Laun und Johann August Apel und 1821 eindrucksvoll und unvergeßlich von Carl-Maria von Weber als Romantische Oper umgesetzt, einmal neu erzählt wird, so kann man sich doch angenehm überraschen lassen.

Für alle, die jetzt noch nicht wissen sollten, warum es geht, hier kurz die Geschichte: Mädchen (Käthchen) liebt Junge (Wilhelm), Junge liebt Mädchen, Vater des Mädchens (Bertram) ist Förster und will nur einen Jäger o.ä. zum Schwiegersohn, Junge muß Schußprüfung bestehen, um heiraten zu dürfen, der Junge ist ein schlechter Schütze und schließt Pakt mit dem Teufel (Pegleg). An dieser Stelle gibt es nun zwei Alternativen für den Schluß: Bei Carl-Maria von Weber gibt es ein Happy End, im Black Rider landet der Junge letztendlich im Irrenhaus.

The Black Rider wurde 1990 im Hamburger Thalia-Theater uraufgeführt. Musikalisch zeigt sich dieses Stück sehr abwechslungsreich. Tom Waits führt einen Rundumschlag aus verschiedenen Musikstilen durch, angefangen bei der typischen Musicalherrlichkeit, über U-Musik im Stile der 20er und 30er Jahre, dem Jazz bis hin zu dem, was man typischerweise als Akustische Kunst bezeichnen könnte. Allein wegen dieser äußerst vielseitigen Musik lohnt sich schon ein Besuch in Gelsenkirchen.

Unverständliche Szenen und skurrile Gestalten, seltsame Fratzen und ab und zu ein nahezu esoterisch angehauchter Dia- oder Monolog erinnern den Zuschauer an die Rocky Horror Picture Show eines Richard O’Brien. Die Bühne ist entsprechend der Thematik eher düster und modern, d.h. einfach gehalten, ganz im Gegensatz zu dem, was man bei Carl-Maria von Weber erwarten sollte. Dies steht sowohl mit der Musik als auch mit der Dramaturgie des Stückes sehr gut im Einklang. So entsteht ein einheitliches Bild, in dem die verschiedenen Charaktere eingebaut sind und sich nicht aus dem szenischen Ganzen herausheben. Hier kann Absicht unterstellt werden. Dem Zuschauer wird gänzlich die Möglichkeit entzogen, sich mit dem traurigen Helden Wilhelm zu identifizieren oder mit diesem zu fühlen.

Gesanglich konnte Jörn Knebel in dieser Rolle ein solide Leistung ablegen. Einzig allein der „Teufel“ Pegleg erspielte sich etwas wie die „Sympathie des Publikums“, in dem er von den Schreibern des Black Rider mit den schwungvollsten und eingängigsten Gesangspartien ausgestattet wurde. Genau aus diesem Grunde konnte Stefan Bergel in der Rolle des Pegleg den größten Beifall des Publikums erhaschen.

Marion Plieth in der Rolle des Käthchen hatte doch wohl nicht geringe Probleme mit ihrer Kopfstimme und erinnerte ab und zu für den Bruchteil einer Sekunde an Ingrid Steeger in den unvergessenen Klimbim-Shows beim Sichten einer Maus. Das konnte man ihr aber doch nicht sehr übel nehmen, es paßte irgendwie zu ihrer Rolle, die sie in dieser Inszenierung von Werner Eggenhofer als Aushilfs-Punk in die Geschichte einbrachte.

Apropos Inszenierung: Es gehört wohl bei einem derartigen modernen Stück dazu, daß der geneigte Zuschauer nicht alles versteht, was sich vor ihm auf der Bühne ereignet. Weiterhin erwähnenswert sind drei Cowboys, die in einigen Szenen auf die Bühne treten und mit Wilhelm nicht gerade freundlich umgehen. Sie sorgen für die Komik in diesem Stück, wenn sie wie die letzten Proleten wohl choreographiert in die Ecke spucken. Sie vereinigen in sich alle Vorurteile gegen Mantafahrer und ähnliche Spezies.

Mit der musikalischen Leitung und Leistung der Band darf man eigentlich zufrieden sein. Ein kleiner Schnitzer ist schnell vergessen, aber - leider, ach leider - war das Schlagzeug so wie fast immer zu laut und zerstörte die Einheit aller Instrumente. Wenn man aber von diesem Allerweltsproblem einmal absieht, war es doch ok..

So konnte das Publikum auch nach mehr als zwei Stunden Aufführung zufrieden nach Hause gehen. Der Beifall war lang anhaltend, wenn auch nicht frenetisch. Dies war aber auch bei einem derartigen Stück nicht zu erwarten. Gebuht wurde jedenfalls nicht, was auch keinesfalls gerechtfertigt gewesen wäre. Der Gelsenkirchener Black Rider darf als „Gesamtkunstwerk“ gesehen werden, ohne daß bestimmte Charaktere herauszuheben sind.




Fazit

Zumindest bei der Premiere des Black Rider hätte ich mir ein ausverkauftes Haus gewünscht. Alle an Musicals wirklich interessierten sollten einmal ein paar Mark investieren und sich dieses Stück anzuschauen. Sie müssen nicht, sie sollten!!! Obwohl ich nicht alles verstanden hatte, habe ich mich doch irgendwie amüsiert.




Fotos




Weitere Aufführungen

April '97: 2., 11., 12., 25. und 27.
Mai '97: 3., 9., 11., 16., 21., 23., 25., 30. und 31.
Juni '97: 6., 14. und 20.
Juli '97: 3. (zum letzten Mal in dieser Spielzeit)


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