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Don Carlos

Oper in fünf Akten
Libretto von Joseph Méry und Camille du Locle
nach Schillers dramatischem Gedicht
Italienische Übersetzung von Achille de Lauzières und Angelo Zanardini
Musik von Giuseppe Verdi

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln



Premiere am Schillertheater NRW
im Musiktheater Gelsenkirchen
am 1. November 1997

Von Cajus Steinhauer / Fotos von Matthias Jung





Die Generalprobe

Die diesjährige Premiere von Verdis längster Oper stand ein wenig im Schatten der Premiere vom 13. Oktober 1996 im Opernhaus Wuppertal. Aber auch nur ein wenig.

Mit dem Orchester, unter der Leitung von Stefan Klieme, hatte man seine große Freude. Die nahezu hervorragend gelungene musikalische Umsetzung des Werkes war vom Start weg geprägt durch das stimmige Zusammenspiel der Symphoniker untereinander. Das Orchester entwickelte durch feinsinnige und konzentrierte Arbeit die Musik Verdis über das gesammte Spektrum hinweg - vom leisesten pizzicato bis zu den großen bewegenden Klangbildern in überzeugender Qualität.

Foto: GELSENKIRCHEN/Don Carlos Der gelungenen Umsetzung im Instrumentalbereich stand die der Solisten in keinem nach. Ein durchweg exzellent besetztes Sängerensemble sorgte für auditiven Genuß. Durch ihr hervorragendes belcantieren trat Ruth Maria Nicolay in ihrer Rolle als Prinzessin Eboli besonders hervor. Ihre Soloszene im vierten Akt gehörte abermals zu den großen Höhepunkten der Aufführung. Ebenso ansprechend gelang Richetta Manager die stimmliche Umsetzung der Rolle Elisabeths. Jedoch verlor sie zwischenzeitlich ihre Hochform im zweiten Bild des dritten Akts, wovon allerdings nach der Pause erfreulicherweise nichts mehr zu spüren war. Posa, ausdrucksstark dargestellt von Nikolai Miassojedov, begeisterte durch seine musikalische Differenziertheit; wohingegen man sich für Don Carlos, gespielt von Olafur Bjarnason, teilweise eine im Ausdruck etwas kräftigere Stimme gewünscht hätte. Im Gesamtbild war die Besetzung der Solisten absolut treffend. Diesen Eindruck bekräftigte das Publikum mit häufigen Unterbrechungen, um den dargebotenen Gesangsleistungen ihren Beifall zu zollen.

Besonders hervorgehoben werden müssen die Chöre (des Opernhauses Wuppertal, des Musiktheaters Gelsenkirchen und der Extrachor), die durch ihren beeindruckenden Auftritt und ihre vortrefflich einstudierten Partien (durch Nandor Ronay und Helmut Sonne) besonders zum Gelingen der Aufführung beigetragen haben.

Foto: GELSENKIRCHEN/Don Carlos Den korrespondierenden Rahmen dieser Inszenierung schuf Herbert Murauer durch sein eingängiges, klar konzipiertes Bühnenbild, sowie mittels funktionell gestalteter und den Charakteren angepaßten Kostümen. Das Bühnenbild bestand aus einem festen Rahmen, der durch Variationen in den verschiedenen Bildern mal abgeschlossener Raum, mal offener Platz, mal Kellergewölbe darzustellen vermochte. Innerhalb wurde der Raum maßgeblich durch Säulen gestaltet, die mal feste vom Boden zur Decke standen, mal von oben herunter schwebten, mal säulenförmige Podeste bildeten, umgelegt wurden, durch Vertreter der Kirche ersetzt um zum Schluß wieder zum soliden Gerüst umfunktioniert zu werden. Der Beleuchtung kam bei der Schaffung des atmosphärischen Rahmens eine besondere Rolle zu. Dank der goldenen Farbe der Wände wurde durch helles, gelbliches Licht eine anheimelnde Wärme erzeugt. Durch weißes und bläuliches Licht eher eine fröstelnde Kälte. Diese leicht nachvollziehbaren Stimmungen paßten perfekt zur Inszenierung.

Die Inszenierung durch Karin Mauksch und Dramaturgie durch Martin Griesemer orientierte sich an einer Verbindung zwischen den (zwei von sieben) uraufgeführten Fassungen in Modena und Paris. Der Gegensatz zur Modena-Fassung: "Erstens fügen wir die erste Szene des ersten Aktes wieder ein, zweitens bringen wir den Pariser Originalschluß. Beide Szenen sind durch und durch unkonventionell und (..) geben dem Gesamtwerk eine neue Perspektive" (Martin Griesemer).

Die erste Szene, bestimmt die Schlüsselszene im Bezug auf Verständlichkeit des Stückes, hatte besondere Wirkung durch den Einbezug eines künstlichen Schneeschauers (der allerdings seine Flöckchen die gesamte Aufführung hindurch immer wieder von oben unbeabsichtigt einbrachte) und die hervorragende Leistung des Chors.

Das Ende des Stücks wirkt jedoch auf den Zuschauer (und der hat den Eindruck auch auf die Darsteller) sehr abrupt. Es ist eben nicht der eigentlich verlangte mitreißende Schluß, der eine Rettung bringt. Es sind leise Töne, kein Vorhang, ein Verhaften der Solisten in ihren eher geduckten Positionen. Das wars.

Eine Inszenierung, geprägt durch ihre dramaturgische Geschlossenheit und musikalische Qualität. Jedoch verblieb diese musikalische Qualität in jeweils ihrem Bereich. Das Orchester brillierte zum größten Teil, die Solisten waren bestmöglich besetzt, aber die Zusammenarbeit zwischen Bühne und Orchester ließ zu wünschen übrig. Dieses unkoordinierte Zusammenspiel gipfelte in einer musikalischen Unterbrechung, die Stefan Klieme für einen Biß in seinen Taktstock spontan nutzte, um seiner Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen.

Ein grösseres Problem scheint in Gelsenkirchen auch die Übertitelung zu sein. Das Publikum im zweiten Rang jedenfalls kann nur einen geringen Teil der eingeblendeten Texte lesen, während diese im Parkett bei heller Bühne leicht verblassen.



FAZIT:

Somit läßt sich nach begeisternden 4,5 Stunden Verdi zusammenfassen: Abgesehen von den Koordinationsschwierigkeiten, die ansich in Proben zum letzen Mal oder eben in der Generalprobe noch vorkommen dürften, kann sich der Besucher auf eine gelungene Umsetzung des Don Carlos freuen. Je häufiger die Produktion in Gelsenkirchen aufgeführt werden wird, desto eingespielter dürfte sie sein.

Logo: Schillertheater NRW

Musikalische Leitung
Stefan Klieme

Inszenierung
Karin Mauksch

Bühnenbild und Kostüme
Herbert Murauer

Choreinstudierung
Nandor Ronay und Helmut Sonne

Dramaturgie
Martin Griesemer


Solisten

Philipp II.
Krzysztof Klorek

Don Carlos
Olafur Bjarnason

Posa
Nikolai Miassojedov

Großinquisitor
Theo van Gemert

Ein Mönch
Claudius Muth

Elisabeth von Valois
Richetta Manager

Prinzessin Eboli
Ruth-Maria Nicolay

Tebaldo
Elise Kaufman

Stimme von oben
Anja Harteros

Gräfin Aremberg
Stefanie Boebé

Graf Lerma
José Montero

Holzfäller
Javier Horacio Zapata Vera

Sechs flandrische Gesandte
Gottfried Jähnigen
Günther Kroll
Manfred Lehnert
Bernhard Lopper
Manfred Schienagel
Alexander Wilhelm



Neue Philharmonie Westfalen

Chor und Extrachor
des Opernhauses Wuppertal

Chor des
Musiktheaters Gelsenkirchen

Statisterie des
Musiktheaters Gelsenkirchen




Weitere Aufführungen

November '97: 12. (19.00 Uhr),
16. (15.00 Uhr),
23. (18.00 Uhr)
Dezember '97: 14. (18.00 Uhr),
26. (18.00 Uhr)
Januar '98: 4. (18.00 Uhr),
9. (19.00 Uhr),
17. (19.00 Uhr),
31. (19.00 Uhr)
Februar '98: 6. (19.00 Uhr),
13. (19.00 Uhr),
21. (19.00 Uhr)



Foto: GELSENKIRCHEN/Don Carlos

Richetta Manager (Elisabeth von Valois)
und Olafur Bjarnason (Don Carlos)



Foto: GELSENKIRCHEN/Don Carlos

Theo van Gemert (Großinquisitor) und
Krzysztof Klorek (Philipp II.)



Foto: GELSENKIRCHEN/Don Carlos

Richetta Manager (Elisabeth von Valois)
und Ruth-Maria Nicolay (Prinzessin Eboli)





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