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Tosca

Melodram in drei Akten
Dichtung nach dem Drama von Victorien Sardou
von Luigi Illica und Guiseppe Giacosa
Musik von Giacomo Puccini

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere im Aalto-Theater am 22.März 1997

Besetzung
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Fazit
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Von Cajus Steinhauer




Besetzung

Besetzung Musikalische Leitung: Mathias Aeschbacher
Inszenierung: Christine Mielitz
Bühnenbild: Reinhart Zimmermann
Kostüme: Susanne Hubrich
Choreinstudierung: Alexander Eberle
Floria Tosca, berühmte Sängerin		 -	Teresa Erbe
Mario Cavaradossi, Maler		 -	Jeffrey Dowd
Baron Scarpia, Chef der Polizei		 -	Károly Szilgágyi
Cesare Angelotti, politischer Flüchtling -	Vidar Gunnarsson
Der Mesner				 -	Richard Medenbach
Spoletta, Polizeiagent			 -	Rainer Maria Röhr
Sciarrone, Gendarm			 -	Karl-Ludwig Wissmann
Ein Schließer				 -	Peter Holthausen
Stimme des Hirten			 -	Susanne Blattert
Der Opernchor
Kinderchor des Musischen Gymnasiums Werden (Einstudierung: Rainer Buckard)
Die Statisterie des Theaters
Die Essener Philharmoniker






SCHWARZ-WEISS TOSCA

Eine Tosca-Aufführung, die durch ihre Inszenierung das Essener Publikum deutlich in zwei Lager teilte. Doch bevor näher auf die Darstellungsweisen von Christine Mielitz eingegangen wird, richtet sich der Blick auf die musikalische Umsetzung.

Das Orchester unter der Leitung von Matthias Aeschbacher zählte eindeutig durch dargebrachte Meisterleistung zu den Sympathieträgern des Abends. Durch ihr engagiertes und diszipliniertes Aufspielen brachten sie Puccinis Musik authentisch zu Gehör. Diese symphonische Leistung fand bedauernswerter Weise nicht nur Pendants im solistischen Bereich.

Tosca - femme naive und primadonna assoluta - sollte nach Puccini die vergötterte Ausnahme, die Diva, das Glamourwesen darstellen, und zwar völlig unemanzipiert. "Die ungebändigte Katze und der himmlische Gesang" (Attila Csampai). Doch dieser Forderung des Meisters, daß ihre Stimme nicht romantisch und lyrisch, sondern leidenschaftlich, qualvoll und düster sein soll, wurde Teresa Erbe nicht gerecht. Eine zu weiche Intonation dämpfte den Gefühlsgehalt ihrer Tonsprache und nahm ihr gerade diese verlangte Leidenschaft. In ihrer Aufmachung mit kurzen, blonden Harren und moderner Kleidung erinnerte sie eher an Evita Péron als an ein emotionales Wildwesen, von dem alle Männer träumen.

Hingegen kam das Publikum mit Jeffrey Dowd als Mario Cavaradossi voll auf seine Kosten. Sein erstes Arioso ("Recondita armonia") brachte er zwar als melidiösen, einschmeichelnden Canto zum Vortrag; jedoch wandte er sich dabei nicht nur dem Publikum zu, wodurch ein wenig der Akustik an den Bühnenraum verlohren ging. Seine solistischen Qualitäten wurden durch sein spielerisch äußerst treffliches Engagement ergänzt. Ebenso überzeugend war auch Károly Szilágyi als Scarpia.

Dem im Programmheft angeführten Hinweis "Es wäre an der Zeit, nun endlich auch die Aktualität und Modernität von Tosca zu erkennen und zu würdigen" wurde diese Inszenierung konsequent gerecht. Das Bühnenbild wurde nahezu durchgehend durch dezente, vertikale Neonlichtstreifen eingegrenzt, die zur Untermalung der Kanonendonner und Gewehrsalven hell aufleuchteten. Überhaupt wurde intensiv die Wirkung des Lichtes eingesetzt, um die alles umgebende Düsternheit in ihrer tiefen Wirkung zu unterstreichen. So hat man auch nicht versucht, im dritten Akt -während des Gefängnisbesuches von Tosca bei Mario- die grelle Blendung eines Großteils des Publikums zu umgehen.

Weitere Zeichen von Modernität: Kostüme und Teile der Requisiten. Hervorzuheben ist sicherlich der Gerüsteturm, der zu Beginn Mario in der Kirche dient, später als Gesangspodium und zum Schluß als Engelsburg in Erscheinung tritt. Eine Reduzierung, die das Publikum nicht nur begeisterte. Ansonsten wurde nicht so stark mit Wirkungen gespart, eher im Gegenteil. Die Bilder wurden häufig ergänzt, erweitert und gedreht, wobei man im dritten Akt schon von einer Überfrachtung sprechen konnte. Szenische Darstellungen erinnerten teilweise an technische Einblendungen, wie sie sonst nur aus dem Filmerischen bekannt sind.

Wiederum gipfelt diese Form im dritten Akt, als Tosca den Turm emporlief ohne jedoch ein Ende zu erreichen. Kaum war sie oben angekommen, verdunkelte ein schwarzes Tuch kurz den grellen Hintergrund, fiel zu Boden und Tosca setzte von unten ihre Erklimmung fort. Starke Assoziationen mit klassischen Treppenhausszenen amerikanischer Actionfilme wurden wachgerufen. Aber es passierte nicht nur viel mit, sondern auch auf der Bühne; durch eine absolut dynamische, koordinierte Personenführung. Somit wurden im ersten Akt die Freudenszene in der Kirche, die durch den Kinderchor wunderbar ergänzt wurde, sowie das abschließende, perfekt bombastische Te Deum zum visuell absoluten Höhepunkt.

Den für Tosca in dieser Aufführung angelegten Höhepunkt des Abends hat sie allerdings nicht erreicht -im wahrsten Sinne des Wortes- und darin den Zuschauer wohl auch am meisten irritiert. Sie lief und lief den die Engelsburg symbolisiereden Turm hinauf, anstatt sich von ihm hinunterzustürzen.

Die Beifall-Reaktionen zeigten eine starke und eindeutige Teilung des Publikums. Wurden die musikalischen Leistungen durchgehend äußerst positiv quittiert, besonders die des Mario-Darstellers, erlebte die Inszenierung eine selten eindeutige Zweiteilung. Heftige Buhrufe wurden mit ebenso heftigen Bravorufen beantwortet.






Fazit

Eine Tosca ohne "berühmte Sängerin", aber mit interessanter Inszenierung.


Fotos (Rudolf Finkes)




Weitere Aufführungen

April '97: 18., 23.
Mai '97: 23., 29.
Juni '97: 1., 27.


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