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Die Feuersbrunst

Singspiel in Zwei Akten
Marionetten-Oper
Musik von Joseph Haydn

Premiere im Museum Folkwang Essen
am 11. September 1997

Von Stefan Schmöe / Fotos von Rudolf Finkes



[off opera] ist wieder da
Hier juckts im Schritt

[off opera] Essen, von uns beinahe schon für verschollen gehalten, ist wieder da: Mit einem "Singspiel für Handpuppen und Sänger" von Joseph Haydn, namentlich "Die Feuersbrunst", kehrt das junge Team aus dem off zurück in die freie Theaterszene. Spielraum ist diesmal das Museum Folkwang. Wem die Aufführung zu langweilig ist (ein Ereignis, das wir, das sei vorweggenommen, für nicht sehr wahrscheinlich halten), kann sich mit Bildern von Willi Baumeister die Zeit vertreiben. Die ein wenig strenge Atmosphäre hat im übrigen ihren Reiz, gerade weil sie so gar nicht zu dem harmlos-heiteren Puppenspiel paßt.

Haydns Operchen, um 1778 für das Marionettentheater des Esterházys geschrieben und im Stil der Wiener Posse gehalten, beinhaltet durchaus qualitätvolle Musik - die "Zauberflöte", ja auch für Schikaneders Wiener Vorstadttheater geschrieben, steht erkennbar in der Tradition solcher Stücke. An inhaltlicher Armut ist die "Feuersbrunst" allerdings kaum zu unterbieten, eine simple der commedia dell'arte folgende Konstruktion ganz nach dem Boulevardgeschmack der Zeit. Regisseur Christian Tombeil hat (Gott sei Dank !) auf Werktreue verzichtet und theatralisch wirksam aktualisiert. "Juckt's im Schritt ?" Damit bringt der Wiener Dandy Leander, bei Haydn ein "wohlhabender junger Mann von Stand", die Sache auf den Punkt.

Drei Sänger, ein Schauspieler (der gleichzeitig Puppenspieler ist) und zwei Handpuppen ergänzen sich prächtig und entwickeln eine Art Stehgreiftheater der turbulenteren Art in der äußert witzige Ausstattung von Ella Späte. Den Sängern Daniel Böhm, Rachel Robins und Andreas Winkler, musikalisch überzeugend, war anfänglich noch eine leichte Befangenheit in ihrem Spiel anzumerken, die sich allmählich legte. Dennoch dürfte mit der Gewöhnung an den ungewohnten Spielort der Witz der Aufführung noch steigen.

Das PROMETHEUS-Kammerorchester, bestehend aus Streichquartett, Continuo, 2 Hörnern und Oboe, hatte mit der ungewohnten Akustik zu kämpfen. Die klangliche Balance zwischen Bläsern und Streichern geriet bedenklich ins Wanken, was sich hoffentlich schnell nachbessern läßt. Ansonsten bewältigten die Musiker die für Kammerensemble eingerichtete, um Zwischenspiele von Mozart erweiterte Partitur überzeugend.

Das Publikum amüsierte sich und zollte der Aufführung viel verdienten Beifall. Das Konzept von [off opera], Oper einmal "anders" zu machen, ging auf. Ob weitere Produktionen folgen werden, hat uns [off opera] noch nicht verraten - zu wünschen wäre es sehr. Es dürfte dann auch gerne ein Wiedersehen mit dem grandiosen Puppenspieler Volkmar Funke sein.


FAZIT:

Kurzweilige 90 Minuten, die erfrischend anders sind.

Logo: off opera

Musikalische Leitung Günter Albers
Inszenierung Christian Tombeil
Ausstattung Ella Späte
Ausstattungsassistenz und -gestaltung Daniela Bimek
Puppenspieler Volkmar Funke

Besetzung

Hanswurst Daniel Böhm
Colombina Rachel Robins
Leander Andreas Winkler
Pfarrer Volkmar Funke
PROMETHEUS-Kammerorchester


Weitere Aufführungen

jeweils 20 Uhr im Museum Folkwang, Essen

September '97: 12., 14., 16., 17.



off opera Essen: Die Feuersbrunst
Leander (Andreas Winkler) sammelt Reizwäsche
und beeindruckt damit Colombina (Rachel Robins)

off opera Essen: Die Feuersbrunst
Schlechte Feuerlöscher: Leander (Andreas Winkler, links)
und Hanswurst (Daniel Böhm)

off opera Essen: Die Feuersbrunst
Zuletzt haben sich alle lieb: (von links) Leander (Andreas Winkler),
Colombina (Rachel Robins), der Pfarrer (Volkmar Funke)
und Hanswurst (Daniel Böhm)



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