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Giulio Cesare (Julius Caesar)

Oper von Nicola Haym
Musik von Georg Friedrich Händel

Premiere im am 3. Februar 1996 im Aalto Musiktheater Essen

Besetzung
Musik
Inszenierung
Fotos
Publikumsreaktionen
Fazit
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Von Gerhard Menzel




Besetzung

Musikalische Leitung: Howard Arman
Inszenierung: Nicholas Broadhurst
Ausstattung: Simon Higlett
Choreinstudierung: Alexander Eberle
Bewegungschoreographie: Marleen Taylor

Römer:

	Julius Caesar	-	Axel Köhler
	Curio		-	Joachim Maaß-Geiger
	Cornelia	-	Claudia Rüggeberg
	Sextus		-	Susanne Blattert
Ägypter:
	Cleopatra	-	Inga Fischer
	Ptolemäus	-	Bernhard Landauer
	Achillas	-	Michael Nelle
	Nirenus		-	Richard Medenbach
Der Opernchor
Die Statisterie des Theaters
Tanzschüler des Musischen Gymnasiums Werden
Die Essener Philharmoniker




Musik

Zur Verpflichtung von Howard Arman als musikalischem Leiter dieser Produktion muß man den Verantwortlichen der Essener Oper anerkennend gratulieren. Diese Entscheidung erwies sich als ein fast sensationeller Glücksfall. Nicht nur, daß Howard Arman den an der Produktion beteiligten Mitgliedern der Essener Philharmoniker die Grundzüge barocker Musizierpraxis nahebringen konnte, diese brachten es sogar fertig, die fundierten Kenntnisse Howard Armans in ein bemerkenswert differenziertes, äußerst lebendiges Musizieren umzusetzen. Das manches etwas "einstudiert" und nicht so souverän wie bei den barocken Spezialistenensembles klang, kann man den "klassisch" ausgebildeten Philharmonikern nun wirklich nicht anlasten. Dafür jedenfalls, daß es sich hier nicht um eine spezielle Festivalproduktion sondern um ein ganz "normales" Repertoirstück handelt, läßt sich nur das allerhöchste Lob für diese musikalische Interpretation aussprechen.

Auch die Sänger überzeugten durch eine ausgezeichnete Ensembleleistung, was im voraus nicht unbedingt zu erwarten war. Abgesehen von den als Gäste verpflichteten zwei Countertenören (Axel Köhler und Bernhard Landauer) waren nämlich alle anderen Partien ausschließlich mit hauseigenen Ensemblemitgliedern besetzt.

Dem in jeder Beziehung überlegen wirkenden Axel Köhler als Julius Caesar stand Bernhard Landauer - als stimmlich leichtgewichtiger, aber in der Rolle des machtgierigen, intriganten Bruders der Cleopatra durchaus überzeugend - gegenüber.

Die überraschendste Leistung des Abends gelang wohl der jungen Sopranistin Inga Fischer. Ihre musikalisch und darstellerisch begeisternde Darstellung der Cleopatra dürfte eine weitere Stufe in der Entwicklung ihrer noch jungen Laufbahn bedeuten. Ebenfalls faszinierend fiel der Sesto von Susanne Blattert aus, die ihre sängerischen und spielerischen Qualitäten erneut glänzend unter Beweis stellen konnte.

Auch die übrigen Sänger des Ensembles verstanden es, ihren Rollen Profil zu verleihen und bestätigen damit die große Qualität dieser Produktion.




Inszenierung

Nicholas Broadhurst - der in Essen durch seine kongeniale Inszenierung von Rossinis 'Barbier von Sevilla' für Furore sorgte - hatte sich mit Simon Higlett (Ausstattung) und Marleen Taylor (Bewegungschoreographie) einen schweren Brocken vorgenommen. Zwar sind die handlungstragenden Motive des Julius Caesar auch heute noch aktuell, doch die dramaturgische Anlage und die mehr oder weniger beziehungsvolle Abfolge von Rezitativen und Arien, stellt einen Regisseur - gerade bei einem Versuch einer Aktualisierung - vor große Probleme.

Daß es Nicholas Broadhurst auch diesesmal wiederum gelungen ist, ein fast vierstündiges, spannendes Drama zu gestalten, spricht für sein äußerst sensibles Einfühlungsvermögen in die Musik und die Charaktere (soweit diese überhaupt als solche vorgegeben sind).

Allein schon der Brückenschlag von der ersten Szene der Oper, der Ankunft des "Befreiers" Julius Caesars (in einer durch Einschläge und Brände gezeichneten Landschaft), zum Finale, in dem er ein befriedetes Land (mit asphaltierter und Sicherheitszaun befestigten Hafenanlage) seiner eigenen Verantwortung überläßt, stellte vom Bühnenbild und der Personenführung her eine überragende Interpretation dar.

Solche bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Szenen folgen eine nach der anderen, so daß sich eigentlich nie der Eindruck von Hilflosigkeit oder unlogischer Dramaturgie entsteht.

Der sehr direkte Einstieg in das - optisch an die heutige Kriegsberichterstattung angelehnte - Geschehen kann zwar erst sehr verstörend oder schockierend wirken, doch Broadhurst kommt sehr schnell zum Kern der Handlung, sprich zu den dramatischen Beziehungen der handelnden Personen untereinander. Alles Äußere interessiert eigentlich nicht mehr, sondern nur noch die persönlichen Haß-, Rache- und Liebesgefühle. Und darum geht es in der Barockoper bzw. in der Musik.




Fotos

Axel Köhler (Julius Caesar), Michael Nelle (Achillas), Claudia Rüggeberg (Cornelia),
Susanne Blattert (Sextus), Joachim Maaß-Geiger (Curio), Chor

Susanne Blattert (Sextus), Claudia Rüggeberg (Cornelia)



Susanne Blattert (Sextus), Claudia Rüggeberg (Cornelia)



Inga Fischer (Cleopatra), Bernhard Landauer (Ptolemäus)



Bernhard Landauer (Ptolemäus), Axel Köhler (Julius Caesar), Michael Nelle (Achillas)



Bernhard Landauer (Ptolemäus), Axel Köhler (Julius Caesar), Michael Nelle (Achillas)



Inga Fischer (Cleopatra), Axel Köhler (Julius Caesar)



Inga Fischer (Cleopatra), Axel Köhler (Julius Caesar), Chor und Statisten






Publikumsreaktion

Ovationen für das Produktonsteam (Howard Arman, Nicholas Broadhurst) und die Solisten Axel Köhler (Julius Caesar), Inga Fischer (Cleopatra), Susanne Blattert (Sextus) und Bernhard Landauer (Ptolemäus).




Fazit

Eine durchdachte, spannende und handwerklich perfekte Inszenierung (stoff- und aktualitätsbezogen), hervorragende Sängerschauspieler und eine exzellente musikalische Interpretation machen diesen Essener 'Julius Caesar' zu einem der ganz großen Theaterereignisse!




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