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Geschlossene Gesellschaften

Choreographien von Nacho Duato, Maurice Béjart und Daniela Kurz

Premiere am 8. Februar 1997
Aalto Ballett Theater Essen

Besetzung
Rezension
Fazit
Weitere Aufführungen
Fotos

Von Petra Kuhnau



Besetzung

Jardi Tancat

Choreographie: Nacho Duato
Einstudierung: Tony Fabre
Musik: Maria del Mar Bonet
Ausstattung: Nacho Duato
Lichtdesign: Nicholas Fischtel

Tänzerinnen und Tänzer: Meret Hagenbüchle und Christian Maier, Andrea Shaw,
Mathias Brühlmann, Gorica Stankovic und Oliver Detelich


Sonate à trois

Choreographie: Maurice Béjart
Einstudierung: Hervé Palito
Musik: Béla Bartók (Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug, 1. und 2. Satz)

Tänzerinnen und Tänzer: Irina Dimova, Brit Rodemund, Raoul Raimondo Rebeck


Ashes

Choreographie: Daniela Kurz
Einstudierung: Hilke Rath
Musik: Michael Torke (Ash)
Ausstattung: Stefan Morgenstern

Tänzerinnen und Tänzer: Taciana Cascelli, Meret Hagenbüchle, Alexandra Milne,
Adelina Nigra, Chiara Olocco, Andrea Shaw, Mami Shimazaki, Philippa Ward;
Mathias Brühlmann, Cyrille Dauboin, Oliver Detelich, Christoph Hegewald, Daniel Heinrich,
Markus Knopp, Christian Maier, Wladislaw Solounov





Geschlossene Gesellschaften - ohne schlüssige Interpretation

'Geschlossene Gesellschaften' präsentiert das Essener Aalto Ballett Theater in seiner neuesten Produktion: um Maurice BBéjarts Choreographie Sonate à trois, die mit ihrem Bezug auf Jean-Paul Sartres Drama Huis clos (Geschlossene Gesellschaft, 1945) dem Abend seinen Namen gegeben haben dürfte, gruppieren sich Jardi Tancat von Nacho Duato und Ashes von Daniela Kurz.

Im Katalanischen bedeutet Jardi Tancat 'geschlossener Garten', und dies ist zugleich auch der Titel einer Sammlung alter Volksdichtungen, die die Sängerin Maria del Mar Bonet vertont hat. Zu ihrer Stimme tanzen drei Paare in erdfarbenen Gewändern auf einer Bühne, die durch Holzpflöcke begrenzt wird. Daß hier die Schwierigkeiten einer sozial und ökonomisch geschlossenen Gesellschaft thematisiert werden, scheint naheliegend, aber die Dramatik der Texte, die das harte Leben der katalanischen Bauern auf dem trockenen Boden beschreiben, wird letztlich nicht umgesetzt. Leid, Melancholie und Sehnsucht der Bauern - in den Texten immer wieder in der Bitte um Wasser artikuliert - spiegeln sich auf den Gesichtern und in den Körpern der Tänzer kaum wider. Im Gegenteil: der Tanz der Paare ist harmonisch, zum Teil fast formationsmäßig choreographiert; in der ästhetisierenden Darstellung bleibt der geschlossene Garten vor allem ein Garten.

Die Problematik solcher schönen Darstellung findet sich Überraschenderweise auch in Béjarts Sonate à trois wieder, die das Zusammentreffen dreier Wesen nach ihrem Tod in einem Raum ohne Ausgang zum Gegenstand hat. Die Energien der beiden Frauen - in die Komplementärfarben Rot und Grün gekleidet - neutralisieren sich auf der Ebene des Mannes, der ganz in Grau erscheint. Auf der Basis dieser farbsymbolischen Darstellung werden die Beziehungen jedoch nicht bis zum Äußersten - bis zum berühmten "Die Hölle, das sind die anderen" (Sartre) - weitergetrieben. Obwohl als Klassiker des modernen Balletts gehandelt, merkt man Sonate à trois inzwischen an, daß die Choreographie aus dem Jahr 1957 stammt. Spannend dagegen ist noch immer die Musik - Béla Bartóks Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug (1937) -, die tatsächlich so explosiv ist, wie die Beziehungen zwischen den drei Protagonisten sein sollten.

Ashes schließlich, das jüngste und 'modernste' Ballett dieses Abends, ist 1995/96 entstanden und Teil eines Choreographie-Zyklus von Daniela Kurz über die Farben Grau, Blau, Gold, Weiß und Rot - also in seiner Abstraktion nur bedingt dem konkreten Thema der 'Geschlossenen Gesellschaften' zuzuordnen.

Die Tänzerinnen und Tänzer tragen Kostüme in unterschiedlichen Grautönen; zu Beginn des Balletts werden sie aus einem Würfel in der Bühnenmitte in den durch Aluminiumwände begrenzten Raum entlassen, bewegen sich dann quer durch den Raum, gehen - nicht nur metaphorisch - die Wände hoch und erreichen durch Verschiebung einer Metallwand schließlich die Vergrößerung dieses Raums. Das Spiel mit dem Raum und die eruptiven Aktionen gegen die Geschlossenheit des Raumes sind jedoch auf den ersten Blick nicht mit der Farbe 'Grau', die eher mit Depression, Resignation und Melancholie oder auch Gleichgültigkeit assoziiert wird, in Verbindung zu bringen. Das - im übrigen hervorragende - Programmheft kann hier allerdings Abhilfe schaffen mit dem Hinweis auf die Asche als uraltes Symbol der Reinigung.

Das Ballett von Daniela Kurz macht neugierig auf einen Vergleich mit ihren anderen Farb-Choreographien, die dem Publikum vielleicht auch einen interessanteren und vor allem inhaltlich geschlosseneren Abend geboen hätten. Denn die nur sehr oberflächliche Zuordnung der drei Ballette zum Thema 'Geschlossene Gesellschaften' ist in ihrer starken Heterogenität ebenso störend wie die Tatsache, daß die mit ca. 1 Stunde und 40 Minuten angegebene Vorstellungsdauer sich aus 60 Minuten Tanz und 45 Minuten Pause zusammensetzt.


Fazit

Obwohl die Tänzerinnen und Tänzer technisch ausgezeichnete Leistungen boten, litt der Abend interpretatorisch unter der weitgehenden Emotionslosigkeit der konkreten Ballette und musikalisch unter der leider immer etwas sterilen Musik vom Band.


Weitere Aufführungen

März 97: 26. (19.30 Uhr), 29. (19.00 Uhr)


Fotos



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