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Der Widerspenstigen Zähmung

Ballett von John Cranko
Musik von Kurt-Heinz Stolze
nach Domenico Scarlatti



Premiere im Aalto-Musiktheater Essen
am 18. Oktober 1997

Von Monika Jost / Fotos von Matthias Jung




"A rose is a rose is a rose"


Blumen für das Publikum! Beim Verlassen des Opernhauses nach der Essener Samstagabendpremiere gab es Rosen: majestätisch in ihrer Form und dunkelroten Farbpracht, erdig-vergänglich in ihrem schwachen Duft, dornig in der Berührung. Gestiftet von einem hiesigen Einrichtungshaus.

Ein Abbild:

John Crankos ursprünglich für das Stuttgarter Ensemble choreographierte "Der Widerspenstigen Zähmung" zählt zum exklusiven einen Abend füllenden Choreographien-Inventar nationaler und internationaler Tanzbühnen. Die Popularität, die das Ballett seit der Uraufführung im Jahre 1969 genießt, scheint ungebrochen. Zu sehen war ein fast getreues Abbild; ein vergangener Hauch von Cragun und Haydée, von Clauss, Madsen oder Neumeier liegt in der Essener Theaterluft; aber statt 1969 schreiben wir 1997 - ein Jahr, in dem eine prachtvolle Hommage an den Choreographen John Cranko gerechtfertigt erscheint.

ESSEN: Der Widerspenstigen Zähmung

Zeitlose Zähmung?

Immer noch wird diese Geschichte erzählt - und, wie sie erzählt wird, verstanden? Shakespeares Dramaturgie auf den plot hin klar verkürzt und erweitert um eine sich problemlos einfügende Verwechslungs-Maskerade: auf dem Hintergrund dieses Gerüsts erzählt Cranko mit charakterzeichnendem Bewegungsvokabular seine "Zähmung". Der Vorhang öffnet sich und der Zuschauer wird Zeuge einer Auseinandersetzung, deren Wurzeln in jahrhundertalten Bewegungstraditionen liegen und die hier sehr pointiert dargeboten werden. Pantomimen-Gestik und Tanz: Wo liegen ihre jeweiligen Grenzen? Ersteres wirkt als handlungstreibende Kraft; Slapstick-Elemente von überbordender Fülle, dem Stummfilm auf die Tanzbühne zurück-entrissen, bestimmen Haupt- wie Nebenfiguren in ihrer Erscheinung und Wandlung. Tanz in variierter Klassizität vernetzt feine Persiflage und eine Erinnerung an humane "Bewegungsaussage" beispielhaft in den drei zentralen Pas de deux der Hauptdarsteller Katharina und Petruccio. Diese drei auf Harmonisierung hinzielenden Entwicklungsstationen im Konzept Crankos sind es auch, die den Zuschauer davon abhalten können, in allzu radikale Geschlechterrollen-Diskussionen zu verfallen. Jene bewegliche Streitkultur Katharinas und Petruccios ist nicht mehr ummäntelt - obwohl kostümlich sehr wohl - vom elisabethanischen Rollenkodex, sondern versucht, sicherlich auch idealisierend, Konsensfähigkeit im Bereich von Macht, Abhängigkeit und Liebesverständnis im Rahmen einer fiktiven Paarbeziehung zu vermitteln. Shakespeares Zähmungsmethoden rechtfertigen sich als bunte Hülsen in der Gratwanderung zwischen Elementen tänzerisch-pantomimischer Komik und aufgebrochener Klassizität im Tanz.

1997

Es gefällt. Ein jeder freut sich auf Gremios niesende Explosionen und spätestens gegen Ende der "Komödien-Kunst" klatscht eine Publikumsmehrheit in traditionellen Bahnen: Die Wogen des Jubels gelten bestechender Clownerie und perfekter Tanzbrillanz. Wo bleibt beim Zuschauer die Erkenntnis der "dornigen" Berührung dieser Darstellungswelten? Erinnern Sie sich an Ralf Rossas unlängst in Dortmund neu inszenierte "Fille mal gardée"? Hier wurden überlieferte Tanzelemente zergliedert und wiederverpackt in eine postmodern schreiende Bilderwelt. Das sticht! Was aber, wenn 1997 eine Abbild-Hommage das Publikum be-sticht?



FAZIT:

Der Kritiker empfiehlt:

Begriffe wie "mega-in" oder "mega-out" helfen hier nicht weiter. Besuchen Sie diese Inszenierung! Genießen Sie und lassen Sie sich - je nach Perspektive - intensiv (be-)stechen.

Logo: Aalto-Musiktheater Essen

Musikalische Leitung
Davor Krnjak

Choreographie
John Cranko

Choreographische Einstudierung
Jane Bourne

Ausstattung
Elisabeth Dalton


Solisten

Katharina
Gorica Stankovic

Petruchio
Vladimir Grigoriev

Bianca
Taciana Cascelli

Gremio
Mario Perricone

Lucentio
Zlatko Panic

Hortensio
Mathias Brühlmann

Dirnen
Annette MAy,
Veronika Nagy

Wirt
Adil Laraki

Priester
Adil Laraki

u.v.a.



Essener Philharmoniker




Weitere Aufführungen

Oktober '97: 21., 25., 31.
Februar '98: 6., 13., 15.
März '98: 27., 29.
April '98: 29.
Mai '98: 8. , 29.



ESSEN: Der Widerspenstigen Zähmung

Taciana Cascelli (Bianca)
und Gorica Stankovic (Katharina)



ESSEN: Der Widerspenstigen Zähmung

Cyrille Dauboin, Wladislaw Solounov
und Claus Irsa



ESSEN: Der Widerspenstigen Zähmung

Gorica Stankovic (Katharina)
und Vladimir Grigoriev (Petruchio)





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