Online Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Homepage zur&uumlck e-mail Impressum




Padmâvatî


Opera-Ballet in zwei Akten
Dichtung von Louis Laloy
Musik von Albert Roussel

In französischer Sprache
mit deutschen Übertiteln

Deutsche Erstaufführung

Premiere am 22.03.1997 im grossen Haus des Theaters der Stadt Dortmund

Besetzung
Rezension
Fazit
Fotos
weitere Aufführungen
Kartenbestellung

Von Tilman Lücke, Berlin.


Besetzung

Musikalische Leitung: Anton Marik
Choreinstudierung: Markus Oppeneiger
Regie: John Dew
Choreographie: Mei Hong Lin
Bühne: Thomas Gruber
Kostümet: José Manuel Vazquez
Padmavati 	-	Susanne Schimmack
Nakamti 	-	Gundula Schneider
Ratan-Sen 	-	Norbert Schmittberg
Alaouddin 	-	Karl-Heinz Lehner
Der Brahmahne 	-	Thomas Harper
Gora 		-	Sven Ehrke
Badal 		-	Geral Seminatore
Der Wächter 	-	Gerald Michel
Ein Priester 	-	Hans-Werner Trede
Palastdamen 	-	Vera Fischer, Andrea Riche
Eine Frau 	-	Anna Pikierska
Ein Krieger 	-	Klaus Feyerabend
Ein Händler 	-	Robert Kienzle
Ein Bauer 	-	Gerhard Schukalla
Ballett des Theaters Dortmund
Chor des Theaters Dortmund
Statisterie des Theaters Dortmund
Das Philharmonische Orchester Dortmund





Die OMM-Oper

"Obgleich ein Ehemann der Tugend ermangelt, woanders Vergnügen sucht oder bar aller guten Eigenschaften ist, eine treue Gattin muß ihn stets wie einen Gott verehren." - Dieses schöne Motto aus dem indischen Dharma-sastra hat Louis Laloy in seinem Libretto zu Padmavati leider auf den Kopf gestellt. Wohl im Auftrag des ehemaligen Seefahrers und Komponisten Albert Roussel, der Anfang des 20. Jahrhunderts eine weitaus aufregendere Deutung des alten indischen Epos um die unvergleichlich schöne Padmavati, Herrscherin der Festungsstadt Chitor konstruieren wollte: Padmavati als femme fatale, deren Treue zu ihrem Ehemann Ratan-Sen dazu führt, daß sie sich seinem Befehl zur Hingabe an den feindlichen Eroberer widersetzt und statt dessen ihren eigenen Mann durch Tötung mit dem Dolch vor dem Bruch des Ehegelöbnisses "bewahrt".

Mehr sei aber zur Handlung nicht verraten, schließlich kommt es weder Roussel noch John Dew in seiner Dortmunder Inszenierung auf Handlung an. Was die Oper insgesamt erzeugen will und soll sind schöne Bilder: Optische Wunder aus Farbe und Gold werden da auf die Bühne gezaubert, schöne Klangbilder, indisch-spätromantisch ins Ohr geschmelzt. Dies wird schon in der Ouvertüre deutlich, in der Todesgöttin Kali mit Nebengöttern über die Bühne rotiert wie ein Uhrwerk in Zeitlupe. Eines der gelungensten Bilder des Abends also schon am Anfang: das Kreisen der Götter als Kreislauf des Lebens, der ohne die Allgegenwart des Todes undenkbar ist.

Roussel und der Dortmunder Choreographie gelingt es, die Balletteinlagen (Kriegs-, Schleier- und andere Tänze) harmonisch ins Ganze einzubetten. Auch das philharmonische Orchester musiziert klug und souverän durch die gedämpft exotischen Klangwelten. Der Chor wurde mit OMM-Rufen und Klangteppichen zunächst kaum gefordert, überzeugte im weiteren Verlauf der schwierigen Partitur aber vollends. Übrigens: Granville Walker hat den Chor hervorragend einstudiert.

Leider kann das solistisch singende Ensemble diesen Eindruck nicht bestätigen - höchstens für diejenigen Zuhörer (und derer scheint es nicht wenige gegeben zu haben am Premierenabend, denn das Haus war sehr angetan) die Homogenität mit allgemeinem Mittelmaß verwechseln. Allein Susanne Schimmack als Padmavati singt die wenigen Passagen, wo Brillanz und Emotionalität gefragt sind, überzeugend und wird dafür zurecht umjubelt. Ihr Gesamteindruck vermittelt aber zu viel voluminöse Bühnenpräsenz - das wird zum Problem bei einem Libretto, das das Abbild einer Lotusblüte fordert, welches Männern Sinne und Atem raubt...

Der allenthalben kurzatmige und mühevolle Gesang Thomas Harpers als Brahmane war leider der einzige erkennbare Erfolg ihrer Auftritte; die um sie ringenden Herrscher-Männer Ratan-Sen und Alaouddin blieben bis zur Peinlichkeit statisch. Ihr undurchdachtes Herumhocken auf der Bühne kann Dew keineswegs mit Nähe zum historischen Original des indischen Epos entschuldigen. Dem entsprechen allein die wunderbaren, phantasievollen Kostüme und die hervorragend eingestellten Damen und Herren des Balletts.






Fazit

Eine Aufführung für Auge und Auge, könnte man sagen. Plätze in den vorderen Reihen sind zu empfehlen, interessante Klang- und Bilderwelten sind garantiert.



Fotos




Weitere Aufführungen

März '97: 29.
April '97: 3., 18.


Homepage zur&uumlck e-mail Impressum

Copyright © 1997 - Online Musik Magazin


*****"