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Le Roi Arthus (König Arthus)


Lyrisches Drama in drei Akten und sechs Bildern
von Ernest Chausson

Zweiter Beitrag der Reihe "Französische Oper"
unter der Schirmherrschaft des französischen Botschafters S.E.M.Francois Scheer

Premiere im Opernhaus Dortmund am 5. Mai 1996

Besetzung
Libretto und Komposition Musik
Inszenierung
Fotos
Publikumsreaktionen
Fazit
weitere Aufführungen
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Von Heike Schumacher




Besetzung

Musikalische Leitung: Anton Marik
Regie: John Dew
Bühne: Heinz Balthes
Kostüme: José Manuel Vazquez

Genièvre:   	  Jayne Casselmann
Arthus:	 	   Hannu Niemelä
Lancelot: 	  Kor-Jan Dusseljee
Mordred: 	  Andreas Becker
Lyonnel:  	  Norbert Schmitttberg
Allan:      		  Gerhard Singer
Merlin:     		 Gregory Frank

Solo-Stimmen:  	   Gabriele Helene Ziegler
		   Astrid Kropp
		   Sonja Borowski-Tudor
		   Susanne Schimmack
		   Roswitha Steube
Damen und Herren des Chores und des Extrachores
Das Philharmonische Orchester Dortmund




Libretto und Komposition

Das lyrische Drama "Le Roi Arthus" aus der Jahrhundertwende (Komposition zwischen 1886 und 1895, UA 30.11.1903 in Brüssel) wurde für diese deutsche Uraufführung eigens aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und fast 100 Jahre nach seiner Entstehung mit Verve und Rasanz in Dortmund wiederbelebt. Der französche Komponist Ernest Chausson (21.1.1855-10.6.1890) entwarf unter dem Einfluß Wagnerscher Musik-Drama-Konzeptionen sowohl Text als auch Musik seiner einzigen Oper. Er selbst erlebte die Uraufführung seines Werkes nicht mehr und die Oper geriet trotz des großen Erfolges bei der Uraufführung bald wieder in Vergessenheit. Sujet seiner Oper sind Lancelots Liebe zu Guinèvre, die Frau seines Königs Artus sowie die Ereignisse um das Ende der Tafelrunde, das Artus heranziehen sieht. Diese Handlung hat Chausson aus dem "Cycle de Lancelot-Graal", einem immensen altfranzösischen Prosa-Roman aus dem 13.Jahrhundert entnommen, dessen Tradition bis heue in Frankreich und den angelsächsischen Ländern (hier durch Malorys Bearbeitung "Le Morte D'Arthur") stark präsent ist. Lancelot ist der große Liebende der Romania und diese Liebesgeschichte ist eng verknüpft mit dem Untergang der Tafelrunde durch Verrat und Betrug. In Deutschland steht an dessen Stelle die Geschichte von Tristan, die ein ähnliches Thema in ganz anderer Ausrichtung beschreibt. So ist es nicht verwunderlich, daß Chausson unter dem starken Eindruck von Wagners "Tristan" (er sah Ende der 70er Jahre u.a. "Tristan" und "Parsifal" in Bayreuth) mit seinem "Artus" eine Art französische Antwort auf Wagner komponierte. Musikalisch ist er allerdings kaum von Wagner beeinflußt, hier steht er ganz in der romantischen Operntradition Frankreichs. Was ihn an Wagner faszinierte und was er auch übernahm, war dessen Beschäftigung mit der Welt des Mittelalters und der Mythen, sowie desssen Konzeption des "Dichter-Komponisten". Chausson entnahm den Stoff der mittelalterlichen Tradition, veränderte aber entscheidend die Ausrichtung. Aus dem grundsätzlichen Konflikt Lancelots zwischen unbedingter Liebe zur Königin und seiner Pflicht als Ritter der Tafelrunde wird ein bürgerliches Eifersuchtsdrama, das Mordred als den eifersüchtigen Intriganten in den Konflikt einbezieht. In diesem ersten Teil der Oper hat Chausson zu sehr das lyrische Register betont und vor allem den Charakter Guinèvreas psychologsich wenig glaubwürdig gestaltet. Sie erscheint eher als wankelmütige Furie, denn als liebende Frau, die zwischen Pflicht und Gefühl hin- und hergerissen wird. Das zweite große Thema erscheint unvermittelt während des 2.Aktes: Artus' Pläne zur friedlichen Weltherrschaft der an der Tafelrunde geeinten Ritterschar scheinen zerbrochen. In einer großen Szene mit Merlin, dem Propheten des Reiches und Berater des Artus, sieht Artus sein Lebenswerk gescheitert. Die ihm zugemessene Zeit zur Verwirklichung seines Ideals ist abgelaufen. Obwohl er als einziger am Hofe an die Unschuld von Lancelot und Guinevra glaubt und sie nach außen vertritt, will er von Merlin erfahren, daß sie wirklich unschuldig seien - aber da entschwindet Merlin und läßt ihn mit seinen Zweifeln allein. Schließlich ruft er die schon in zwei Lager gespaltene Artusgesellschaft zum Kampf gegen Lancelot, den Entführer der Königin, auf. Der 3. Akt zeigt das Ergebnis der Schlacht: Lancelot ist tödlich verwundet, Guinevra tötet sich selbst. Hier steht Artus erschüttert - die beiden, die er am meisten liebte, sind tot. Doch hier endet die Oper (leider) nicht, sondern es wird die Erhöhung des Artus gezeigt: er wird über die See in den Himmel entrückt und Engelschöre besingen sein Lebenswerk als gerechtfertigt; denn die Idee des Artus wird überleben, er wird durch sein Werk verherrlicht bleiben. Chausson gelingt es mit seinem Libretto kaum, die beiden Themen "persönlicher Treuebruch" und "Untergang des Artusreiches" wirklich zu verbinden. Daneben setzt er auf eine Bekanntheit der mythischen Chiffren der Artusgeschichte, die heute nicht mehr gegeben ist. Diese Schwächen hatte Dew mit seiner Inszenierung auszugleichen. Musikalisch ist der zweite Teil der Oper besser gelungen als der erste Teil, der ohne große kompositorische Höhepunkte auch viele Längen in den lyrischen Szenen aufweist. Stilistisch ist Chausson als "Bindestrich zwichen Franck und Debussy" (A.Hoérée) bezeichnet worden, und dieser Einfluß Francks, zu dessen Kreis, der "bande à Franck", er gehörte, ist in dieser Oper stark spürbar.


Musik

Die musikalische Ausgestaltung war von seiten des Orchesters exzellent. Präzise, klangvoll und trotz großer Besetzung durchsichtig, machte es das Hören zum Vergnügen. Die Gesamtakustik aber verschob sich leider zu Ungunsten der Sänger, die manchmal schlicht nicht zu verstehen waren. Die kraftvolle Stimme der Jayne Casselman (Guinévre) rief Publikumsovationen hervor. Sie zeigte eine starke Frau, die in äußerster Verzweiflung handelt und sich dennoch ihrer Liebe nicht genug sicher sein kann. In den lyrischen Passagen des ersten Aktes war sie nicht ganz so überzeugend, hier gelang ihr einfach keine anrührende Darstellung und Stimmführung - was vielleicht aber auch auf die Orchesterlautstärke zurückzuführen ist. Neben Guinevre glänzte Kor-Jan Dusselje als Lancelot. Ihm gelang eine durchweg überzeugende stimmliche und darstellerische Leistung - er meisterte alle Klippen der anspruchsvollen Partitur. Hannu Niemelä (Arthus) zeigte souverän alle Register seiner ausdrucksstarken Baßstimme und war ebenfalls darstellerisch präzise und überzeugend. Auch die kleineren Partien waren gut besetzt, herausragend Gregory Frank als Merlin. Besonders der Chor ist hervorzuheben, der sowohl auf der Bühne exzellent sang und agierte, als auch im Schlußbild den Saal in ein grandioses Klangbad tauchte, als er vom letzten Rang die Verherrlichung des Artus verkündete.


Inszenierung

Eine klare, beeindruckende Inszenierung, die auf wenige, sparsam eingesetzte Mittel vertraut. Da ist kein überflüssigese Requisit, kein schepperndes Rüstungsgeklapper, keine Pappmacheé-Zinnen, obwohl das Libretto dazu geradezu einlädt. Nur der Raum und das Licht werden eingesetzt, um zu deuten und zu verdeutlichen. Die Bühne besteht aus drei variablen Schrägen, die mal zur Freitreppe, mal zum Innenraum, mal zum Wald umfunktioniert werden - durch kurze Umpositionierung der Wände und die wirkungsvolle Beleuchtung. Bühne und Licht ermöglichen eine eindringliche visuelle Erfahrung, ohne aufdringlich zu sein. Die Bühne deckt das Klangerlebnis nicht zu, sondern schafft den geeigneten Hörraum für eine ganzheitliche Opernerfahrung. Dew setzt ganz auf die Darsteller-Sänger und läßt sie im Raum allein. Kein Requisit zum Festhalten, keine Möglichkeit, auf abgegriffene Operngesten zurückzugreifen. Seine Personenführung ist eindrücklich gelungen. Hier wird genau geführt und symbolhaft sparsam die Darstellung eingesetzt. Die Positionen der Figuren im Raum verdeutlichen die gesungene Innenerfahrung - eindringlich und verständlich. Die Personenführung in den Massenszenen während der Ouvertüre weist die Nähe zur Tanztheater-Inszenierung auf: die Konflikte, die in der Ouvertüre musikalisch dargestellt werden, sind hier gekonnt in Szene umgesetzt. Ebenso sparsam und klar: die Kostüme - auch hier Farben als Bedeutungsträger: Gold für das Königspaar, Rot für den Verräter Meleagant, weiß für Lancelot. Eindrücklich auch Merlin im Weißdornbusch, ein gelungenes Aufgreifen mythischer Chiffren. Ein übriges zur Verdeutlichung tragen die deutschen "Über-Titel" von Ingo Dorfmüller bei, die es erst ermöglichen, der unbekannten Handlung zu folgen - gut eingesetzt und eine wirklich zu begrüßende Erscheinung.



Fotos

Hannu Niemelä (Arthus)
Jayne Casselman (Geniévre), Hannu Niemelä (Arthus), Kor-Jan Dusseljee (Lancelot), Norbert Schmittinger (Mordred), Gerhard Singer (Allan)
Hannu Niemelä (Arthus), Kor-Jan Dusseljee (Lancelot), Norbert Schmittinger (Mordred), Gerhard Singer (Allan)
Hannu Niemelä (Arthus), Gregory Frank (Merlin)
Jayne Casselman (Geniévre), Kor-Jan Dusseljee (Lancelot)
Jayne Casselman (Geniévre), Hannu Niemelä (Arthus) Ensemble
Hannu Niemelä (Arthus) u.a.



Publikumsreaktion

Ein großer Erfolg für das gesamte Ensemble. Jayne Casselmann (Guinevre) und Kor-Jan Dusseljee (Lancelot) bekamen standing ovations. Die Vorstände, allen voran John Dew, wurden begeistert gefeiert. Die sechs Komplett-Vorhänge zeigten, daß Dew mit seiner Inszenierung ins Schwarze getroffen hatte.


Fazit

John Dew ist es durch seine eindringliche Inszenierung gelungen, eine eigentlich eher durchschnittliche Oper zu einem dichten Gesamtkunstwerk zu verweben, dessen Zauber sich niemand entziehen kann.


weitere Aufführungen

10., 19., 29. und 31. Mai 5., 16. Juni (zum letzten Mal in dieser Spielzeit)

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