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H a i r


Musical von Galt McDermot, Gerome Ragni
und James Rado

Deutsche Fassung von Frank Thannhäuser,
Nico Rabenalt und Walter Brandin

Premiere im Theater Dortmund
am 02.10.1997

Von Jens Wolff / Fotos von Andrea Kremper



Haarige Angelegenheiten: 1.000.000ste Auflage

Als wir vor einigen Jahren meinten, wir hätten die sechziger Jahre überstanden, alle Hippies seien ausgestorben oder von unserer Gesellschaft assimiliert, wurden wir eines Besseren belehrt. Die weiblichen Teenager tragen gelegentlich wieder Blumenkleider in unerträglichen Farben und es ist wieder unheimlich schön, daß wir darüber geredet haben. Unweigerlich mußte uns das Kultmusical aller Hippies, Blumenkinder und die, die es werden wollten oder wollen, wieder einholen: Hair!!!

Von freier Liebe, Untergrabung des Establishments und Kriegsdienstverweigerung ist die Rede, von sex n’ drugs n’ rock n’ roll..., eine Inhaltsangabe muß ich doch wirklich nicht mehr geben! Tue, was Du tun möchtest, pfeif’ auf alle Konventionen!

Wenn nun der geneigte Musikliebhaber oder auch der gemeine Kritiker (welch schönes Wortspiel!) sich dieses Stück wieder einmal zu Gemüte führt, so kann er mit verschiedenen Vorstellungen im Theater Platz nehmen:

  1. Mal schauen, wovon meine Eltern schon immer geredet haben!
  2. Ich möchte Hair doch endlich einmal live auf der Bühne sehen!
  3. Hair kann man sich auch zum 1000. Male ansehen, da muß ich hin!
  4. Wir sind neutral und lassen uns mal überraschen!
  5. Mal schauen, ob man diesen Stoff einmal mit neuen Ideen darbieten kann!
  6. Nicht-Hingehen ist Arbeitsverweigerung!
Um den Leser nicht weiter auf die Folter zu spannen: Meine Einstellung lag zwischen 5. und 6.!!!

DORTMUND: Hair Wenn wir uns nun zuerst der Choreographie und dem Bühnenbild zuwenden, so konnte die Dortmunder Premiere heftig viele Pluspunkte sammeln. Den Anfang machte dabei die Einarbeitung der Gebärdensprache in den Opener „Aquarius“.

Weiter wandern wir zu den vier großen Buchstaben des Wortes HAIR, die ständig auf der Bühne verschoben, gedreht und gekippt wurden. Rückseitig waren diese mit Bildern von Andy Warhol und dem einige Tage zuvor verstorbenen Roy Lichtenstein geschmückt. Die Buchstaben dienten letztendlich als die einzigen Requisiten, aus denen Personen hervortreten oder die das Wohnzimmer einer spießigen Arbeiterfamilie darstellen.

Es ist auch hervorzuheben, daß eine Vielzahl von Akteuren häufig gemeinsam auf der Bühne waren. Was wie ein wildes Hin und Her wirkte, war indes wohl geplant. Mehrere unterschiedliche Szenen spielten sich auf der Bühne ab, wobei der Zuschauer Probleme bekam, möglichst viele Details mitzubekommen. Die Freiheit von Konventionen war so sehr gut dargestellt, zumal einige dieser Szenen mit unbekleideten Personen direkt unter das Jugendschutzgesetz gefallen wären.

DORTMUND: Hair Gehen wir nun einen Schritt weiter und wenden uns der Musik zu, so darf die Kritik – von einer Ausnahme abgesehen – auch zufrieden sein:

Susanna Panzner in der Rolle der Sheila konnte bei der Premiere leider ganz und gar nicht überzeugen. Sie war mit Ihren Solo-Gesangspartien vollkommen überfordert, wirkt stark erkältet und sollte ihre Krankheit lieber im Bett auskurieren.

Alle anderen Akteure hatten diesbezüglich keinerlei Schwierigkeiten. Der Vollständigkeit halber muß jedoch erwähnt werden, daß die Band unter der Leitung von Jochen Hartmann-Hilter doch wohl einige Probleme mit zu verschiebenden und umfallenden Mikrophon- oder Notenständern hatte. Schade, eigentlich!


FAZIT:

Zusammenfassend bleibt aber festzustellen, daß trotz der actionreichen Dramaturgie und Choreographie des Stückes bei mir doch irgendwie ein fahler Beigeschmack zurückblieb. Denn so richtig sprang der Funke dann doch nicht über, das Publikum war zwar letztendlich begeistert und spendete minutenlang Applaus, aber irgendwie wirkte das Ganze auf mich irgendwie weit entfernt. Ich hatte das Gefühl, als würde ich vor einem übergroßen Fernseher in meinem Wohnzimmer sitzen, obwohl die Werbepausen zum Chipsholen fehlten.

Abschließend denke ich, daß diese Dortmunder Hair-Inszenierung sich in eine Reihe zahlreicher guter Interpretationen einreiht, bei der jeder Zuschauer für sich mit seiner persönlichen Einstellung befinden muß, ob diese für ihn Durchschnitt oder doch Hi-End darstellt.

Logo: Theater Dortmund

Musikalische Leitung
Jochen Hartmann-Hilter

Musikalische Einstudierung
Werner Lemberg

Regie und Choreographie
Ralf Rossa

Bühne
Heinz Balthes

Kostüme
Karin Fritz


Solisten

Soli:

Berger
Gerald Michel
/ André Bauer

Claude
Klaus Seiffert
/ Uli Scherbel

Woof
André Bauer
/ John Gordon

Hud
Dennis Oliver
/ John Gordon

Jeannie
Asita Djavadie
/ Anouschka Doinet

Dionne
Vanda Guzman
/ Siggy Davis

Crissy
Kristin Josefiak
/ Christine Evers

Sheila
Susanna Panzner
/ Ines Krautwurst

Margret Meat
Matthias Hoffmann
/ Georg Becker
/ Henry-Ryall Lankaster

Hubert
Ralf Schulze
/ Martin Rohleder

Gruppe:

Ronny
John Gordon

Leata
Anouschka Doinet

Paul
Marc Hoskins

Walter
Uli Scherbel

Steve
Götz von der Heyden
/ Henrik Kaalund

Hiram
Henry Rushing
/ Marco Ferrini

Suzannah
Angelina Marihart

Mary
Michelle Haugen
/ Saskia Bartels

Emmaretta
Siggy Davis
/ Christine Evers

Diane
Marisol Montalvo

Marjorie
Ines Krautwurst

Linda
Sara Bocek
/ Maura Cantarelli

Natalie
Christine Evers

„Schwing“
Ingo de Peinder

Die Hair-Band
unter der Leitung von
Jochen Hartmann-Hilter


Weitere Aufführungen

Oktober '97: 4., 5., 9., 11.,
16., 18., 19., 23.,
24., 27., 29., 30.
November '97: 2., 7., 14., 15., 20.,
21., 23., 28., 29.







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