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Hänsel und Gretel

Märchenspiel in drei Bildern
Musik von Engelbert Humperdinck
Text von Adelheid Wette



Premiere am 14. Dezember 1997
im Theater Dortmund
Rezensierte Aufführung am 25. Januar 1998


Von Meike Nordmeyer



Hänsel und Gretel verlaufen sich im Stilgemisch

Die Dortmunder Inszenierung erzählt das Märchen eindeutig für Kinder - das ist immer gut, frisch ans Werk, statt langes räsonieren, für wen die Oper denn nun geeignet sei oder nicht. Dominik Wilgenbus verzichtet in seiner Darstellung des Märchens daher auf jede Psychologie oder Deutelei, den ganzen Erwachsenenanteil also, und bietet pure Unterhaltung für die Kinder.

Das Unternehmen zeigt sich überaus vielgestaltig. Es beginnt in der Hütte der Besenbinderfamilie, die wie ein Genrebild in Brauntönen gezeichnet und verklärt ist. Im Wald hingegen, der reizvoll wie von Kinderhand geschaffen ist, treffen Hänsel und Gretel auf durch und durch belebte Natur: Pilze, die die Köpfe wenden, hin und her spazieren, Erdbeeren, die der pflückenden Hand zu entweichen suchen, ein ebenso freches wie niedliches Eichhörnchen - das ist liebevoll gemacht. Es erinnert zwar ein bißchen sehr an die Muppetshow, ist aber witzig und kurzweilig.

Plötzlich brechen dann die bedrohlichen Elemente in absurder Zeichnung ein. Traum- und Angstfiguren wie von Giacometti oder Dali entworfen umringen Hänsel und Gretel - das ist die Sprache der Erwachsenenwelt. Eine riesige Spirale zieht die Kinder dann kurzzeitig in ihren Bann. Eingestreut zwischendurch finden sich auch noch Schattenspiele und technische Effekte. Zum Abendsegen aber formieren sich dann pausbäckige, goldgewandete Barockengelchen zum Glanzbildpanorama. Die Szene mit der Hexe ist schließlich knatschbunt, schrill und albern. Eine wilde Mischung das Ganze, sicher kommt keine Langeweile auf bei den Kindern, das sollte allerdings nicht das einzige Ziel einer Kinderinszenierung sein. Manchmal staunt man auch etwas über die Vorstellung von Erwachsenen, was Kindern wohl gefällt: schrill und knallig, dann wirds schon lustig sein. Ein durchgängiges und durchdachtes Konzept würde die Kinder vielleicht intensiver in die Geschichte hineinnehmen, statt sie auf der Oberfläche mitzureißen.

Das Sängerensemble zeigte sich spielfreudig und erbrachte ordentliche Leistung, ließ allerdings nicht besonders aufhorchen auf die Märchenmusik. Leider wird von den Solisten keine deutliche Diktion geboten, obwohl das besonders wichtig für die Kinder wäre. Besonderes schauspielerisches Talent erweist Hannes Brock als Hexe, die er bizar und quierlig darstellt. Das Spiel des Orchesters präsentierte sich gar nicht recht ausgereift, besonders die Übergänge blieben sehr unsauber. Musikalisch geht der Abend leider fast unbemerkt vorbei.



FAZIT:

Die Inszenierung weist einige liebevolle Einfälle auf, zeigt aber keine Linie, keinen Stil. Sie probiert einfach alles kindergemäße durch und ist durch den schnellen Wechsel immerhin sehr unterhaltsam für die jungen Zuschauer. Die musikalische Ausführung bleibt dazu eher blaß, sie fügt dem Märchen keinen Zauber hinzu.

Logo: Theater Dortmund

Musikalische Leitung
David Neely

Inszenierung
Dominik Wilgenbus

Ausstattung
Karin Fritz


Solisten

Peter, Besenbinder
William Killmeier

Gertrud, seine Frau
Elisabeth Lachmann

Hänsel
Sonja Borowski-Tudor

Gretel
Astrid Kropp

Die Knusperhexe
Hannes Brock

Sandmännchen / Taumännchen
Brigitte Strauch

Katze
Ilona Jagasich

Rabe
Dominik Labsky

Eichhörnchen
Brit Baumann

Pilze, Bäume, Erdbeersträucher
Tim Borgmann
Martin Grave
Zanko Malevski
Matthias Preusker
Martin Rohleder
Ursula Brockmann
Christiane Fritzsche
Ina Kroes
Sybille Schock
Daniel Hofberg
Matthias Mittelsten Scheid



Monteverdi-Junior-Chor
Philharmonisches Orchester Dortmund




Weitere Aufführungen

Februar '98: 1., 5., 8., 13., 27.
März '98: 7. März (zum letzten Mal)





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