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Otello

Dramma litico in quattro atti
di Arrigo Boito
Musik von Giuseppe Verdi

Premiere im Opernhaus Düsseldorf
am 9. Januar 1998

Von Gerhard Menzel / Fotos von Eduard Straub




Orchestersturm fegte die Regie von der Bühne


Ein ungeheurer Klangorkan drückte einen zu Beginn in die Sessel des Opernhauses. Der Sturm, der Otellos Schiff kurz vor dem Hafen noch fast zum Verhängnis wird, wird von Zoltán Peskó und den Düsseldorfer Symphonikern musikalisch beeindruckend umgesetzt. Auf der Bühne blitzt, stürmt und heult es. Die Schatten der Menschen erzeugen - dank einer zum Teil hervorragenden Lichtregie - im Bühnenbild ein wirres durcheinander. Ein starkes und atmosphärisches Miteinander von optischen und akustischen Reizen. Leider verpuffte dieser rasante Beginn recht bald.

Foto: DÜSSELDORF/Otello Während das Bühnenbild - ähnelnd der Betonarchitektur eines Bunkers und unterirdischer Kanalisationen - durchaus adäquate Räume (die von Akt zu Akt immer kleiner und beengter werden) für das Drama zur Verfügung stellt, enttäuschen (vor allem) die Kostüme der Herren. Das Volk Zyperns, uniform in schwarz gekleidet und mit einem Kopfüberzug versehen, evoziert den Eindruck von Kanalratten, die aus ihren Löchern kriechen.

Foto: DÜSSELDORF/Otello Peinlich wird es dann schliesslich, wenn Personenführung gefordert ist. Mildernde Umstände können David Fielding, der sowohl für die Bühnengestaltung und die Kostüme, als auch für die Inszenierung verantwortlich zeichnet, nur durch die Tatsache zugestanden werden, dass ihm mit Cornelius Murgu in der Titelpartie nicht gerade ein passionierter Sängerdarsteller zur Verfügung stand.

Auch im sängerischen ist Cornelius Murgu nicht gerade das Ideal eines Otello. Zwar besitzt es ein stimmgewaltiges Organ, dass ihn vor allem dazu befähigt, in der Höhe ordentlich aufzudrehen (was bei einem Teil des Publikums auch durchaus ankam), aber wenn es um Zwischentöne des Zweifelns oder gar um lyrische Qualitäten geht, hat er wirklich nichts zu bieten.

Foto: DÜSSELDORF/Otello Ganz anders Hasmik Papian als Desdemona. Obwohl sie sich in "aktiveren" Rollen (wie z.B. Norma oder Tosca) sicherlich wohler fühlen wird, überzeugte sie durch ihr ausgeprägtes Darstellungsvermögen und ihre ausdrucksstarke musikalische Interpretation. Ein Höhepunkt des Abends wurde dann auch ihre Szene zu Beginn des letzten Aktes.

Foto: DÜSSELDORF/Otello Stephen Bronk als Jago (mit James Mc Lean als Cassio), der von Beginn an einen intelligenten und stimmlich differenzierten Eindruck hinterliess, forcierte in seinem Credo leider so sehr, dass er für den Rest des Abends hörbar gehandikapt war.

Die übrigen Partien waren rundum zufriedenstellend besetzt.


Foto: DÜSSELDORF/Otello Das Orchester leistete unter dem temperamentvollen Zoltán Peskó insgesamt eine ganz hervorragende Arbeit. Selbst Nebenstimmen und kleinere Motive wurden bei aller Klangwucht herausgearbeitet und spannungsvoll gestaltet. Leider gab es zwar immer wieder kleinere Schönheitsfehler - auch bei der Koordination mit der Bühne - aber der überschäumenden und farbenreichen Partitur Verdis blieben Peskó und die Musiker nichts schuldig. Betörend wirkten dann vor allem die leisen Passagen und die einzelnen Soli der Holzbläser und Streicher.



FAZIT

Dramatische Klänge dominieren eine zum Teil flaue Inszenierung

Logo: Deutsche Oper am Rhein

Musikalische Leitung
Zoltán Peskó

Inszenierung, Bühne
und Kostüme
David Fielding

Choreinstudierung
Volkmar Olbrich

Licht
Wolfgang Göbbel


Solisten

Otello
Cornelius Murgu

Desdemona
Hasmik Papian

Emilia
Cornelia Berger

Jago
Stephen Bronk

Cassio
James Mc Lean

Roderigo
Alexander Krawetz

Lodovico
Andrzej Saciuk

Montano
Tuomas Pursio

Ein Herold
Thomas Laske *

* Mitglieder des Opernstudios


Chor der
Deutschen Oper am Rhein

Düsseldorfer Symphoniker


Weitere Aufführungen

Januar '98: 11., 13., 21., 23., 26., 29.
Februar '98: 10.



Foto: DÜSSELDORF/Otello

Hasmik Papian (Desdemona)
und Cornelius Murgu (Otello)



Foto: DÜSSELDORF/Otello

Cornelius Murgu (Otello)
und Hasmik Papian (Desdemona)





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