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bonn chance! Experimentelles Musiktheater Kooperation der Oper Bonn mit der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland UraufführungStimme alleinHörtheater von Beat Furrer und Michael Simon Texte von Georg Büchner Premiere der Oper der Bundesstadt Bonn am 15. Januar 1999 im Forum der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Von Stefan Schmöe / Fotos von Thilo Beu Ein Abend mit Georg Büchner und illusionären Planeten im Nervensystem der BarbeHörtheater zum WegschauenFast auf den Tag genau ein Jahr nach der Premiere Narcissus , am gleichen Ort ebenfalls von Michael Simon inszeniert, hat die Oper Bonn einen weiteren Abend mit Werken Beat Furrers bestritten: Stimme allein ist dabei weniger Titel als vielmehr kompositorisches Programm, denn das "Hörtheater von Beat Furrer und Michael Simon" verzichtet auf jedes Instrument. Drei Kompositionen von Furrer, dazu zwei des Furrer-Schülers Klaus Lang (*1971) sowie drei Textcollagen nach Georg Büchner von Hannes Hellmann sind zu einem etwa 75 Minuten langen Programm zusammengestellt. Zusamengehalten werden die einzelnen Teile nicht nur durch ihre asketische Grundhaltung, sondern auch durch die Verwendung von Texten Büchners. Diese sind bei Furrer allerdings aufgelöst in einzelne Vokale und Konsonanten, wie das schon bei Narcissus der Fall war. Besticht bei "Zwei Stimmen" das hochvirtuose Wechselspiel der vorzüglichen Solisten Susann Végh und Martin Lindsay, so ist "Stimme allein", Keimzelle des Abends, mit seinen dahingehauchten Geräuschen (auch hier überzeugt Martin Lindsay) eine harte Probe für das hustende und schnupfende Publikum, das die 16-minütige, oft beinahe unhörbar leise Komposition zwar mit hoher Konzentration verfolgte, aber gelegentlich auch übertönte. Überhaupt ist es ein Abend der ganz leisen Töne. In Klaus Langs Komposition für sieben tiefe Männerstimmen mit dem leicht überdrehten Namen "Die illusionären Planeten im Nervensystem der Barbe" brummen sieben Herren mehr als das sie singen, was freilich gegenüber Furrers Stücken eine gewaltige Steigerung an Klangpracht ist. In "Die Wimpern des himbeerfarbenen Mondes/ Marienau" für sieben Frauenstimmen verschieben sich sphärische Klangflächen mikrotonal. Über ein sattes Pianissimo gehen beide Stücke nicht hinaus. Das genaue Hinhören ist aber durchaus lohnenswert, da die Werke eine ganz eigene Faszinantion ausüben. Angesichts der klanglichen Kargheit prägte der Bonner Dramaturg Paul Esterhazy das Wort vom "homöopathischen Hören", was die Sache sehr schön trifft. Mit Theater hat das - von Büchner abgesehen - nichts zu tun. Von einer konzertanten Aufführung unterscheidet sich der Abend dadurch, daß das Publikum auf der Bühne sitzt, im Kreis um ein altarähnliches Objekt herum. Darauf steigt hin und wieder ein Sänger und gestikuliert ein wenig. Ein bißchen fühlt man sich wie ein Gralsritter im Parsifal. Um das Publikum herum hohe, transparente Wände (wir befinden uns im Kopf Büchners, teilt der Regisseur mit), auf denen das Wort "immer" erscheint. Damit knüpft Michael Simon an Narcissus an (wo in ähnlicher Optik das Wort "ICH" die Bühne beherrschte), allerdings liefert er für Stimme allein nur einen schwachen Abklatsch. Die Idee mit den Buchstaben wirkt verbraucht; zwar sind die Lichteffekte ganz hübsch, aber eigentlich hätte man sich die Inszenierung auch sparen können; eine konzertante Aufführung hätte die Konzentration vielleicht sogar stärker auf die Musik gelenkt. Für die Textcollagen hat Hannes Hellmann alle Büchner'schen Sätze, die mit "Ich" beginnen, zusammengestellt. Zum Glück war Büchner kein Vielschreiber (ein ähnlich gearteter Goetheabend hätte grausame Dimensionen!). Heraus kommt eine Art Exkurs über Büchners Sprachduktus, den man sich auch in germanistischen Seminaren gut vorstellen könnte, auf den man im Theater aber in der Regel verzichten möchte. In einen (eher sinnlosen) Kontext mit den musikalischen Werken des Abends gesetzt ergibt sich ein elitäres Ragout, das schwer im Magen liegt. Die Kunst feiert sich selbst: Ausstellungsbesucher der Bundeskunsthalle können derzeit das Bühnenbild in ihr Besichtigungsprogramm aufnehmen. So wird eine Inszenierung noch vor der Premiere museal. So ehrenwert die Bemühungen der Bonner Oper um experimentelles Musiktheater auch sind: Sehr lebendig ist das nicht. Der in unserer Narcissus-Rezension zitierte Elfenbeinturm ist noch ein Stück höher geworden.
Neben hörenswerten Kompositionen gibt es im Hörtheater viel überflüssiges zu sehen. |
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