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Samson et Dalila


Oper in drei Akten und vier Bildern

Text von Ferdinand Lemaire
Musik von Saint-Saëns
In französischer Sprache
mit deutschen Übertiteln

Premiere an der Oper der Bundesstadt Bonn am 16. Februar 1997
Rezensierte Vorstellung am 8. März 1997

Besetzung
Rezension
Fazit
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Von Meike Nordmeyer



Besetzung

Musikalische Leitung: Marc Soustrot
Inszenierung: Gian-Carlo del Monaco
Bühnenbild und Kostüme: Michael Scott
Choreinstudierung: Markus Oppeneiger
Choreographie: Youri Vámos

Dalila				-	Lucia Naviglio
Samson				-	Heikki Siukola
Der Oberpriester		-	Anooshah Golesorkhi
Abimélech			-	Robert W. Overman
Ein alter Hebräer		-	John-Paul Bogart
Ein Kriegsbote der Philister	-	James Wood
Erster Philister		-	Axel Mendrok
Zweiter Philister		-	Mark Morouse
Ritualtänzer			-	Jhane Hill
Das Opfer			-	Svetlana Phechtchenko
Orchester der Beethovenhalle Bonn
Chor und Extrachor der Oper der Bundesstadt Bonn
Corps de ballet der Oper der Bundesstadt Bonn



Wie standhaft können Helden sein?
Wuchtige, unbewegte Inszenierung von Samson et Dalila in Bonn

Sehr eindrucksvoll beginnt die Oper. Das Bühnenbild, in leicht rötlicher Erdfarbe gehalten, stellt weihevolle, alttestamentarische Plattenbauarchitektur dar. Auf einer Schräge liegend stimmt der Chor seinen Klagegesang an. Die Rampe wird abgesenkt, und es entsteht ein großer Raum mit tiefer Flucht. Viel hätte man machen können mit diesem gelungenen Bühnenbild, aber kaum etwas geschieht im weiteren Verlauf der Inszenierung. Die Personenführung bleibt vollkommen statisch. Passend zur Kulisse soll dies einen monumentalen Eindruck machen, um dem Oratoriumscharakter der Oper zu entsprechen. Aber ist dieser Wille zum Monumentalen wirklich der einzige Grund der so unbewegten Personenregie, verbirgt sich hier nicht auch ein erheblicher Mangel an Einfällen?

Samson steht und zeigt stereotype, heroische Gesten. Dalila schreitet eine große blaue Treppe im Sternengewand hinab und erinnert doch, gewollt oder ungewollt, an die Königin der Nacht. Die Sänger spielen insgesamt sehr bemüht, wenn sie überhaupt spielen - hat denn darauf keiner geachtet? Es scheint, daß die ganze Aufmerksamkeit auf die üppige orientalische, historisierende Ausstattung gelegt worden ist. Denn Dalila und der Oberpriester treten immer wieder in neuen, überaus prächtigen Gewändern auf. Festliche Requisiten stehen für die dargestellten Zeremonien zur Verfügung. Enorme, schwere Bühnenbauten werden bewegt während der Vorstellung, und dies geht auch nicht gerade reibungslos vonstatten, man hört vernehmlich die Zurufe der Bühnenarbeiter untereinander.

Musikalisch begeistert die Aufführung zudem nicht gerade. Die Sänger geben ihrer Rolle kein besonderes psychologisches Profil durch ihren Gesang. Die Darsteller von Samson und Dalila teilen sich jedoch immerhin ihre umfangreiche Partie geschickt ein, so daß sie auch im letzten Akt noch über reichlich Kraft verfügen. Im Orchester stimmt die Intonation nicht immer, wovon mehrfach auch die Sänger beeinträchtigt werden. Am besten gefällt immer noch der Chor mit den bewegenden Einsätzen und seinem intensiven, homogenen Klang.

Im letzten Akt soll es dann wohl besonders orientalisch zugehen, die Bühne zeigt sich auf jeden Fall sehr bunt mit dem blauen Licht auf dem rotem Stein und großer goldener Heiligenstatue. Das Ballet ist auf wild (naja, so wild nun auch wieder nicht) und exotisch gemacht. Die Tänzerinnen tragen eine Art Dschungelbikini, die Tänzer sind mit Ethno-Motiven bemalt. Die Choreographie bleibt effektvoll und oberflächlich, paßt daher ganz gut zu der Inszenierung.

Natürlich stürzen am Schluß der Oper die Kulissen richtig echt ein. Dalila sieht man noch schnell zu Samson eilen, das heißt also: sie liebt ihn doch? Oder ist es nur technisch nötig, daß sich die auf der Bühne verbliebenen Personen (der Chor hat sich, das Unglück weise vorausahnend, schon vorzeitig zurückgezogen) vor den stürzenden Kulissen auf einem sicheren Punkt der Bühne versammeln? Das sind so die Fragen, die am Ende offen bleiben.




Fazit

Die Inszenierung von Samson et Dalila in Bonn ist eine Koproduktion mit der Washington Opera, und der Regisseur del Monaco will mit seiner Arbeit ganz offensichtlich amerikanischem Geschmack entsprechen. Aufwendig, besonders prächtig stattet er die Oper im historisierenden Stil aus. Wem so etwas gefällt, dem wird viel geboten. Die Bühnensprache bleibt aber sonst ohne jegliche besondere Aussage. Die musikalische Ausführung ist zudem nicht ganz überzeugend und alles andere als mitreißend; das war hoffentlich in der Premiere wenigstens etwas anders.

Der so selten gespielten Oper von Saint-Saëns hätte man doch eine anspruchsvollere Inszenierung, eine intensivere Auseinandersetzung mit dem zugrundeliegenden Stoff und ihrer Musiksprache gewünscht.




Fotos




Weitere Aufführungen

März '97: 29.
April '97: 6., 11.,18., 22., 24., 27.


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