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Roméo et Juliette


Opera in fünf Akten

Libretto von Jules Barbier und Michel Carré
Musik von Charles Gounod In französischer Sprache
mit deutschen Übertiteln
Koproduktion der Oper der Bundesstadt Bonn
mit der Washington Opera

Premiere an der Oper der Bundesstadt Bonn
am 15.12.1996
Rezensierte Aufführung am 29.12.96

Besetzung
Rezension
Fazit
Fotos
weitere Aufführungen
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Von Meike Nordmeyer



Besetzung

Musikalische Leitung: Marcello Panni
Inszenierung: Gian-Carlo del Monaco
Regiemitarbeit: Marco Carniti
Bühne und Kostüme: Marika Carniti Bollea
Choreinstudierung: Markus Oppeneiger
Fechtmeister: Klaus Figge

Juliette		Marisa Vitali
Roméo			Fernando de la Mora
Stéphano		Rhonda Ingle
Gertrude		Lucia Naviglio
Tybalt			Alexander Spemann
Benvolio		James Wood
Mercution		Stephen Lusmann
Grégorio       		Carlos Conde
Capulet			Robert W. Overman
Le Duc			Pieris Zarmas
Frère Laurent 		John-Paul Bogart
Paris			Jan Schulz-Heising (Statisterie)

Orchester der Beethovenhalle Bonn
Chor und Extrachor der Oper der Bundesstadt Bonn



Mondschein und Wohlklang

Französischen Opern wird in Deutschland nicht sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet, dies ist eine leidige Tradition. Gebessert hat sich die Lage in den letzten Jahren etwas, aber erst allmählich können französische Werke ihren festen Platz im Spielplan deutscher Opernhäuser behaupten. So kommt es auch, daß eine international so viel gespielte und geschätzte Oper wie "Roméo et Juliette" von Charles Gounod noch 130 Jahre nach ihrem Entstehen eine Erstaufführung an der Oper der Bundesstadt Bonn erlebt.

Inszeniert wurde eine üppige Ausstattungsoper, die zur Zeit der Frührenaissance spielt. Versetzt wird die Veroneser Geschichte damit in die Zeit der ersten intensiven Phase ihrer literarischen Verarbeitung. Sinnenfreudige und oppulente Ausstattung gibt es zu sehen: historische Kostüme, große Architektur, Blütenregen, Kerzenlicht. Man scheut sich auch nicht, um ein Fest einer reichen Veroneser Familie dieser Zeit realistisch darzustellen, eine Liliputanerin als Hofnarr zur Schau zu stellen. Hold geschmückt tritt Juliette auf, und das Publikum sieht die ganze Szenerie mittels eines durchsichtigen Vorhangs durch den Schleier ihrer verträumten Seele. Die erste Arie singt sie an der Rampe dem Publikum zu. Kein geschickter Einstieg für sie. Die Personen agieren mit alten Gesten und Formeln und wirken nicht gerade natürlich, aber damit immerhin passend zur Gesamtgestaltung. Denn es reiht sich die Inszenierung Bonn '96 im Programmheft unverzagt in die Reihe der mit Fotos dokumentierten historischen Aufführungen ein. Diese Bilder lassen großes Pathos und gefühlsbeschwörenen Gestus vergangener Opernaufführungspraxis aufleben. So auch in Bonn: Man will mit Mondscheinromantik an die alte Linie anknüpfen.

Ein großes, rauschendes Fest unter dem Mond und im Schatten der Palmen gibt es zu sehen, umsäumt von ehrwürdigem Bauwerk. Mächtige Architekturelemente deuten jeweils den Ort des Geschehens an. Stets gegenwärtig der dünne Vorhang, der Schleier der Nacht, der den Traum von Liebe birgt unter der Gunst des Mondes. So auch in der romantischen Bonner Liebesszene, in der Juliette vom Balkon runterhängt. Das Sängerpaar allerdings läßt zarte Duette hören, mit Innigkeit gesungen. Schön gestaltet wird die verhaltene Leidenschaft und die fromme, verträumte Liebe der jungen Juliette von Marisa Vitali. Auch Fernando de la Mora als Roméo musiziert an dieser Stelle behutsam und sanft, während er sonst seiner wohlklingenden großen Stimme auch allzu gerne kräftigen Nachdruck verleiht.

Von merkwürdiger Atmosphäre ist die Kirche gestaltet, mit modern anmutender Wendeltreppe aber altehrwürdigen Seitenportal. Unter dem zum Kirchentor hochgerafften Schleier der Nacht findet die Vermählung statt - gesegnetes Liebesglück, Nacht und Nebel in der schützenden Kirche in geheimer Mission, oder so was. Die Begegnung der feindlichen Familienclans wird aufwendig dargestellt: Gefechtet wird, daß die Kulissen wackeln. Die Personen wirken in ihrem Spiel aber wiederum wenig überzeugend.

Allein die letzte Szene an der Grabstatt Juliettes zeigt sich etwas markant. Nicht im Gewölbe, wie gewöhnlich, sondern auf einem mondbeschienenen Hügel, auf dem nur ein großer einsamer Torbogen steht, liegt auf schräg abfallender Steinplatte die für tot gehaltene Juliette aufgebahrt. Unüblich die Szenerie, sonst bleibt alles beim Alten: Man stirbt hinreißend dramatisch.

Musikalisch wurde die Oper Gounods von einem wohlklingenden, sicheren Ensemble und einem auffallend gutem Chor ausgeführt. Das Orchester musizierte nicht immer ganz konzentriert (das ist wohl das normale, bekannte übel einer dritten Aufführung), entwickelte aber unter dem Dirigat von Marcello Panni im großen Bogen die Musik Gounods und entfaltete die reiche Partitur.




Fazit

In aufwendiger, dekorativer Inszenierung wurde eine lohnenswerte musikalische Umsetzung der Oper "Roméo et Juliette" geboten.


Fotos




Weitere Aufführungen

Januar '97: 3., 11., 16., 22., 26., 30.


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