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Parsifal

Bühnenweihfestspiel in drei Aufzügen
Text und Musik von Richard Wagner

Premiere am 23.03.1997 im Opernhaus der Stadt Bonn

Besetzung
Rezension
Fazit
Fotos
weitere Aufführungen
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Von Gerhard Menzel




Besetzung

Musikalische Leitung: Jeffrey Tate
Choreinstudierung: Markus Oppeneiger
Inszenierung: Günter Krämer
Bühnenbild: Gabriele Henkel
Kostüme: Gottfried Pilz
Künstlerische Mitarbeit: Petra Buchholz
Licht: Manfred Voss
Dramaturgie: Ralf Hertling, Stephanie Twiehaus


Parsifal		-		Christopher Ventris
Gurnemanz		-		Franz-Josef Selig
Amfortas/Klingsor	-		Harry Peeters
Titurel			-		Franz Mazura
Kundry I		-		Carol Yahr
Kundry II		-		Ingrid Andree
Gralsritter		-		Niclas Oettermann, Mark Morouse
Knappen			-		David Lichtenstern*, Gabriel Hatzung*, Axel Mendrok, James Wood
Altsolo			-		Anne Greiling
Blumenmädchen		-		Gabriele Helena Ziegler,Rhonda Ingle, Ingrid Bartz, 
					Anke Hoffmann, Marisa Vitali, Anne Greiling

 					* Solisten der Augsburger Domsingknaben
Chor und Extrachor der Oper der Bundesstadt Bonn
Kinderchor der Oper der Bundesstadt Bonn (Einstudierung: Ilse Hirschner)
Orchester der Beethovenhalle Bonn






Ein Bühnen-why?-Festspiel von Günter Krämer

Natürlich sollte eine Aufführung des Parsifal heute nicht mehr in eine Feierstunde für quasi-religiösen Wagner- und Erlösungskult ausarten. Trotz allem ist gerade dieses Werk Wagners so davon belastet, dass eine intensive und kritische Auseinandersetzung mit diesem Werk immer unbefriedigend enden muss.

Günter Krämer versuchte in seiner Konzeption dieses "ungeliebten" Werkes - so sah es zumindest am Anfang aus - alles konsequent zu negieren, was von Wagner vorgeschrieben ist: die Figuren haben (fast) keine Auf- und Abtritte sondern liegen, stehen oder kauern schon irgendwo auf der Bühne herum und begeben sich anschliessend wieder dahin zurück. Gurnemanz betritt im ersten Aufzug nicht einmal die Bühne, sondern erhebt sich nach dem Vorspiel pathetisch vom Randplatz in der ersten Sitzreihe und gibt einen "Liederabend", während sängerische Einwürfe von schwarzbefrackten Herren und einer Dame (Kundry I!) schon fast störend wirken. Dafür bewegen diese sich aber so gut wie nicht und auch die zeitweiligen pantomimischen Ansätze (z.B. von Kundry II) erhellen die ohnehin recht düstere Szene nicht.

Völlig irritierend ist dann der Fast-Auftritt des Parsifal, der schon gleich zu Beginn des Aufzuges im hellgleissenden Spalt zwischen den riesigen schwarzen Schiebewänden im Hintergrund herumlungert. Er kommt mit zwei plastisch ungeheuer effektiv gearbeiteten, herausgerissenen Schwanenflügeln wie ein sich im Delirium befindlicher Ikarus-Verschnitt in den Vordergrund getorkelt. Ziemlich naturalistisch, wie so manches auf der zwar spärlich, aber eher kunsthandwerklich bestückten Bühne von Gabriele Henkel (I. Aufzug: Eistrümmerfläche mit Hand-aus-Zuber; II. Aufzug: überdimensionales Schild-Metronom; III. Aufzug: Ritterrüstung mit Erdfeuer). Was die Regie verweigert kreiert die Szene als überflüssiges Beiwerk hinzu. Dass sich das über weite Strecken mit dem gesungenen Text nicht deckt, wird von Günter Krämer schlichtweg ignoriert.

Auch im zweiten "Bild" des ersten Aktes verweigert sich Günter Krämer dem Parsifal. Es gibt keine Gralsenthüllung zu sehen, folgerichtig auch den Gral selbst nicht und auch keine Chöre! Der Chor verschwindet nämlich nach einigen Auftrittstakten in weissen Kitteln und mit "Sauna"-Handtüchern über den Köpfen im Bühnenboden. Während Gurnemanz für den Rest des ersten Aufzuges wieder seinen "Platz in der ersten Reihe" eingenommen hat, kauert Parsifal an der Öffnung, wo kurz zuvor der Chor verschwunden ist. Er schaut ebenso verdutzt und gelangweilt in die Leere wie das Publikum auch, das die Gralschöre so hörte, als kämen sie aus der Kantine oder vom Band. Musikalisch wirklich ärgerlich, da sich die von Markus Oppeneiger einstudierten Chöre durchaus hören lassen konnten.

Von derart gedanklich belasteten "Besonderheiten" der Aufführung gäbe es noch eine Menge mehr zu berichten und auch in den Pausen wurde viel diskutiert bzw. gerätselt, warum oder was was soll.

Aber zum Glück gab es auch ein paar positive Eindrücke. Dafür sorgten aber in erster Linie Jeffrey Tate und das vorzüglich aufgelegte Orchester der Beethovenhalle Bonn. Fein gezeichnete und klanglich differenzierte Klangstrukturen, angemessene Tempi und das Gespür für fliessende Übergänge entschädigte für vieles nicht zu Hörende (s. die Chöre der "Erdgeister").

Absolut herausragend - in jeder Beziehung - war der Gurnemanz des Franz-Josef Selig: klangschön, endlos stömend und deklamatorisch allererste Güte. Auch Franz Mazura in der kleinen Partie des Titurel durfte noch eimal seine langjährige Wagner-Erfahrung in die Waagschale werfen. Christopher Ventris als Parsifal lässt hoffen, dass er sich in der eingeschlagenen Richtung weiterhin gut entwickelt. Harry Peeters in seiner Doppelfunktion als Amfortas und Klingsor war darstellerisch zwar herausragend, kam aber stimmlich das eine und andere Mal an seine Grenzen. Völlig mit ihrer Aufgabe überfordert war Carol Yahr als Kundry I, während der pantomimische Einsatz der Ingrid Andree als Kundry II nur Be-/Ver-wunderung hervorrufen konnte.

In den weiteren Nebenrollen konnten das Altsolo und die Gralsritter adäquat besetzt werden. Die Knappen und einige der Blumenmädchen wiesen dagegen doch einige Defizite in der musikalischen Ausführung auf.






Fazit

Ein Parsifal, den man sich getrost sparen kann, auch wenn das - zum Glück nicht auf die Probebühne versetzte (!) - Orchester, Jeffrey Tate als musikalischer Gestalter und Franz-Josef Selig als Edel-Gurnemanz zumindest zeitweilig den Eindruck von grossem Musiktheater, bzw. grosser Musik aufkommen liessen.


Fotos
(Hermann und Clärchen Baus)





Weitere Aufführungen

März '97: 30.
April '97: 5., 13., 19.
Mai '97: 3., 8., 19., 29.


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