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bonn chance! Experimentelles Musiktheater Kooperation der Oper Bonn mit der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Deutsche ErstaufführungBeat FurrerNarcissusOper in sechs Szenen nach Ovids Metamorphosen
Premiere an der Oper der Bundesstadt Bonn Im Elfenbeinturm sucht man sich selbstICHHCINarcissus war, so ist es bei Ovid nachzulesen, ein attraktiver junger Mann, dem sein eigenes Outfit nicht unsympathisch war; jedenfalls soll er sich in sein Spiegelbild verliebt und aus Liebeskummer umgebracht haben. Kein übles Sujet für eine Oper, denkt man sich (und auch der Schweizer Komponist Beat Furrer mag solches gedacht haben). Und dann hat Furrer alles ganz anders gemacht: Keine Handlung, keine Charaktere; statt dessen zwei Sprecher, Mezzosopran, Chor und Stimmen vom Tonband, die einen in einzelne Laute zerteilten Text sprechen und singen, von dem man bestenfalls mal eine einzelne Silbe versteht. Wo "Oper" drauf steht, muß noch lang keine Oper drin sein. Herkömmliche Gattungsbegriffe versagen vor "Narcissus". Provokant untheatralisch verbietet sich die Bezeichnung "Oper" ebenso wie das Fehlen einer erkennbaren Handlung den Begriff "Oratorium" ausschließt. Vielmehr handelt es sich um eine Art Symphonie für Stimmen und Orchester, bestehend aus weit ausladenden (aber immer transparenten) Klangflächen, die rhythmisch streng konturiert werden. Stimmen werden als Klangerzeuger eingesetzt, dienen kaum noch dem Transport des Textes. Mit diesen Mitteln fängt Furrer den Stimmungsgehalt der rätselhaft schönen Textvorlage des Ovid durchaus ein. Den Preis dafür, den er dem Zuhörer abverlangt, ist ein hohes Maß an Konzentration. Das Premierenpublikum der deutschen Erstaufführung wirkte etwas gestreßt.
O, wie küßt er so oft - vergeblich!- die trügende Quelle,
Als szenisches Äquivalent setzt Michael Simon der Komposition einen immer wieder überraschend ausgeleuchteten Bühnenraum entgegen, der von überdimensionalen Buchstaben beherrscht wird, die in raffinierten Brechungen in diversen Varianten das Wort ICH entstehen lassen. Darin agieren die Beiden Sprecher, mit Anzug und Funktionärsbrillen und fast unbeweglichen Minen einander ähnlich und doch unähnlich. Sie suchen und verfehlen sich, bewegen sich in einer extrem disziplinierten Choreographie, was mit der Strenge der Partitur korrespondiert. Das nicht-greifen-können wird Prinzip, in Komposition wie Inszenierung. |
Besetzung
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